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Alexander Heitkamps "Buchstabenorte" gehen von Dresden in die ganze Welt

Alexander Heitkamps "Buchstabenorte" gehen von Dresden in die ganze Welt

Buchstabensalat auf Papier, Wortgewirr, Kauderwelsch? Auf den ersten Blick mögen die ungewöhnlichen Stadtpläne von Alexander Heitkamp die Augen einiger Betrachter überfordern.

Was im ersten Moment nach wild zusammen gewürfelten Buchstaben aussieht, ist in Wirklichkeit das Ergebnis wochenlanger Recherche. Denn Heitkamps Buchstaben-Plakate zeigen nicht etwa Straßen, Plätze oder Gebäude von Großstädten. Die Namen von Stadtteilen und Kiezen packt der Grafikdesigner genau an die Stelle, wo sie auch tatsächlich liegen und setzt so die Umrisse einer ganzen Stadt zusammen.

Die Idee soll Heitkamp, der damals in Thailand lebte, bei einem Markt in Bangkok in den Kopf geschossen sein: Auf einem T-Shirt sah er die Schriftzüge aller thailändischen Provinzen, die zusammen die Karte des Landes ergaben. 2009 kam der Grafikdesigner mit seiner Idee der Städte-Typografie im Schlepptau zurück aus Thailand und wählte Dresden als neues Domizil. Fortan tüftelte er an seiner schlichten Buchstabenkunst. 2010 stellte er beim Elbhangfest sein erstes Dresden-Plakat vor. "Die Nachfrage war gleich da", sagt Heitkamp. Görlitz, Berlin, Hamburg, München und Köln in Buch- staben gegossen folgten kurz darauf. Seit Kurzem ebenfalls im Sortiment: Paris, Mailand und London. Inzwischen verkaufen sich die Siebdrucke aus Dresden überall von der Nord- bis an den Bodensee. Auch aus Australien, Indien, den USA und China gab es Bestellungen.

Gefertigt wird der Dresdner Verkaufsschlager noch immer in einer kleinen Siebdruckwerkstatt, im Hinterhof einer Dresdner Postfiliale. Inzwischen kann sich Heitkamp einen Mitarbeiter leisten, der für ihn das Drucken übernimmt. Etwa 50 bis 100 Stück pro Auflage siebdruckt Christian Brähler im Auftrag seines Chefs hier. Vor Weihnachten stand er jeden Tag bis spät in die Nacht im Atelier. "Unser Produkt ist kein kitschiges Souvenir, dennoch können sich die Leute mit ihrem Heimatort identifizieren", sagt Brähler über das Verkaufsrezept der Siebdrucke.

Der Erfolg geht auch auf die Genauigkeit von Heitkamps Entwürfen zurück. Dafür durchforstet er monate- lang das Internet und sucht nach inoffiziellen Stadtteilen und Kieznamen. "Die meisten Viertel finde ich im Internet. Dann durchsuche ich Stadtverwaltungs-Seiten und kontaktiere private Cracks, die alles aufschlüs- seln", erklärt Heitkamp. Je mehr Informationen der gebürtige Kieler in seinen Plan packen kann, desto wertvol- ler wird er. Ein normaler Dresden- Stadtplan verzeichnet 90 Stadtteile, Heitkamps Exemplar etwa 120. So entdeckte er auch den Rochwitzer Ortsteil Kamerun - der, wie Heitkamp inzwischen weiß, auf eine Gaststätte an einer Kreuzung zurückgeht, die den Namen der einstigen deutschen Kolonie trug.

Inzwischen läuft das Geschäft so gut, dass Heitkamp davon leben kann. Jetzt will er damit auch den asiatischen Markt erobern: Jedes Jahr fliegt er für mehrere Monate auf die thailändische Urlaubsinsel Ko Samui und vermarktet dort seine "Buchstabenorte". Auf der Insel könne er in Ruhe an seinen Entwürfen arbeiten. "Auf Touristenmärkten treffe ich außerdem viele, die mich inspirieren, auch Orte aus anderen Ländern umzusetzen", erzählt er. Dennoch habe Heitkamp nicht vor, seinen Wohnsitz in Dresden aufzugeben. Auch deshalb werden die Siebdrucke weiterhin ein Dresdner Exportschlager bleiben, verspricht Heitkamp.

Wer selbst einmal auf die Suche nach "Kamerun" gehen will, hat am Wochenende Gelegenheit dazu. Die "Buchstabenorte" gibt es am 15. und 16. März bei der dritten Auflage des "Handgemacht - Dawanda Kreativmarkts" in der Messe Dresden zu sehen. Hier präsentieren Kreative handgemachte Designs und originelle Ideen fernab vom Einheitsbrei des Mas- sentrends. Deckenlampen aus Omas Geschirr, Armbänder aus alten Fahrradschläuchen und Schmuck aus gebrauchtem Silbergeschirr: fast 250 Aussteller aus Deutschland, Polen, Holland und Österreich zeigen, welch verrückte Ideen in ihren Köpfen stecken.

Susann Schädlich

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