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Aktion Dresden hilft Kobane schickt Krankenwagen in die Krisenregion

Oma Heidi hilft Aktion Dresden hilft Kobane schickt Krankenwagen in die Krisenregion

Die Initiative „Dresden hilft Kobane“ schickt Ende August einen Krankenwagen und medizinisches Gerät in die einst umkämpfte Kurden-Hochburg auf syrischem Gebiet. Mit an Bord ist die 71 Jahre alte Heidemarie Frantzke, die sich in der Flüchtlingshilfe engagiert und unter dem Namen Oma Heidi bereits lokale Berühmtheit erlangte.

Die Initiative „Dresden hilft Kobane“ schickt Ende August einen Krankenwagen und medizinisches Gerät in die einst umkämpfte Kurden-Hochburg auf syrischem Gebiet.

Quelle: dpa

Dresden. Heidemarie Franzke lacht alle Bedenken einfach weg. Die 71-Jährige, die als Oma Heidi lokale Berühmtheit genießt, will Ende August mit einem Hilfsprojekt in die syrische Kurden- Hochburg Kobane reisen. „Ich bin kein Angsthase, habe wiederholt verrückte Sachen gemacht“, winkt die Rentnerin ab. „Wenn wir, die wir so sicher leben, Angst haben, dann frage ich mich, was die Menschen in Kriegsgebieten sagen sollen.“

Fanzkes Ziel liegt 4000 Kilometer oder vier Reisetage entfernt. Im Herbst 2014 stand die Stadt weltweit in den Schlagzeilen. Im September hatte die Terrormiliz Islamischer Staat Kobane angegriffen und sich eine erbitterte Schlacht mit Kurden geliefert. Inzwischen ist die Stadt zwar befreit, aber noch immer zerstört. Genaue Informationen sind für die Hilfsorganisation „Dresden hilft Kobane“ schwer zu bekommen. Auch dazu soll die Reise dienen.

Oma Heidi verkörpert quasi die „andere Seite“ von Dresden. Denn vielen gilt die Elbestadt wegen der hier entstandenen asyl- und fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung als engherzig und provinziell. Tatsächlich hat Dresden wegen Pegida an Ansehen verloren und muss den ramponierten Ruf erst wieder herstellen. Für Heidemarie Franzke war Pegida ein Grund, sich nun erst recht um Flüchtlinge zu kümmern: „Ich bin Ur-Dresdnerin und dachte mir: Das kann doch nicht sein.“

Alsbald betreute die frühere Mathematik-Lehrerin Asylsuchende. Zuerst eine Familie mit drei Töchtern aus dem Libanon. Viele ihrer Schützlinge haben inzwischen „allein laufen gelernt“, wie es Franzke formuliert. Die Arbeit mit Flüchtlingen beschreibt sie als große Entdeckung: „Meine Kinder sagen, dass wäre wie ein Jungbrunnen für mich.“ Sie könne ihren Mitmenschen nur raten, eine solche Herausforderung anzunehmen.

Inzwischen hat Oma Heidi ihre ganze Familie angesteckt. Auch eine Tochter ist Patin für Flüchtlinge. Und selbst die Enkeltochter macht mit. „Wenn man offen ist, ist das eine herrliche Sache“, meint die hilfsbereite Rentnerin. Integration müsse aber weit mehr als nur der Deutschunterricht sein. Deshalb will sie ihre Türen immer für Fremde offenhalten und hofft im Gegenzug auf Einlass bei jenen Menschen, die ihre Heimat aus Not verlassen mussten.

Am Mittwoch steht Franzke vor einem Rettungswagen auf dem Dresdner Theaterplatz. Für das noch gut erhaltene Fahrzeug hatte die Initiative „Dresden hilft Kobane“ gut 16 000 Euro gesammelt. Nun soll es mit viel Medizintechnik an Bord in die Krisenregion gehen. Sachsens Integrationsminister Petra Köpping (SPD) warb um Beistand bei den Helios Kliniken, die den Krankenwagen mit Beatmungsgeräten, Infusionspumpen und anderen dringend benötigten Gütern bestückten.

Anja Osiander, Sprecherin von „Dresden hilft Kobane“ erinnert daran, dass es viele Flüchtlinge gar nicht mehr bis nach Europa schaffen. „Die Probleme, vor denen sie fliehen, haben sie vor Ort. Es ist besser, ihnen dort zu helfen, als wenn sie erst den gefährlichen Weg auf sich genommen haben“, schildert die junge Frau die Intension. Zum Glück gebe es in Dresden eine kurdische Gemeinde, die über Kontakte in die Region verfügt: „Wir wissen genau, wo unsere Hilfe ankommt.“

Osiander weiß, dass Hilfsorganisationen in Krieggebieten immer wieder mit Problemen kämpfen müssen: „Im Moment ist das Hauptproblem die türkische Regierung. Denn sie hat die Grenze zu Syrien seit Monaten komplett geschlossen.“ Alle Hilfslieferungen seien untersagt. Deshalb soll der Rettungswagen mit Oma Heidi und vier anderen Helfern nach Diyarbakir gefahren und dort an Kurden übergeben werden. Sobald sich die Lage gebessert hat, kommt der Krankenwagen nach Kobane.

Der 55 Jahre alte Unternehmer Fettah Cetin stammt aus der kurdischen Metropole Diyarbakir. Seit Mitte der 1990er Jahre lebt er in Dresden. Jedes Jahr zum kurdischen Neujahrsfest fährt er in seine alte Heimat Anatolien. Von dort sind es nur drei Stunden bis zur Grenze nach Syrien. „Das Leid, das ich letztes Jahr in der Grenzstadt Suruc gesehen haben, konnte ich nicht vergessen“, sagt Cetin. Zurück an der Elbe organisierte er Hilfe und gründete „Dresden hilft Kobane“ mit.

Franzke ist froh, dass Cetin am Steuer sitzen wird: „Er kennt sich dort unten gut aus, ich vertraue seinen Erfahrungen.“ Eine grauhaarige, ältere Damen gebe dem Unterfangen eine gewisse Seriosität, ist die Oma überzeugt. Ministerin Köpping wünscht sich, das nun regelmäßige Kontakte entstehen, um die Menschen in Kobane zu unterstützen. „Ich höre in Gesprächen immer wieder: Warum helft ihr den Flüchtlingen nicht vor Ort?“ Mit Oma Heidi geschieht es nun.

Jörg Schurig, dpa

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„Das Leid konnte ich nicht vergessen“
Die Aktivisten Heidemarie Franzke (v.l.n.r.), Henning Kubatzsch und Fettah Cetin von „Dresden hilft Kobane“ präsentieren den neuen Krankenwagen für die zerstörte Stadt in Syrien.

Heidemarie Franzke, genannt Oma Heidi, ist startklar. Seit gut anderthalb Jahren ist sie in der Flüchtlingshilfe aktiv. Als Ehrenamtliche unterstützt Oma Heidi die Initiative „Dresden hilft Kobane“,die einen Rettungswagen für die zerstörte Stadt anschaffen will. Im August wird sich die 71-jährige Rentnerin dorthin auf den Weg machen.

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