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Ärztemangel bremst Dresdens Herzsportler aus

Herzsportgruppen müssen von Medizinern betreut werden Ärztemangel bremst Dresdens Herzsportler aus

Hans Geisler war schon immer ein sportlicher Typ. Täglicher Frühsport und jährliche Fahrradtouren gehören zum Leben des früheren sächsischen Ministers für Soziales, Gesundheit und Familie. Im vergangenen Jahr allerdings musste er passen. Das Herz spielte nicht mehr mit.

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Dresden. Hans Geisler war schon immer ein sportlicher Typ. Täglicher Frühsport und jährliche Fahrradtouren gehören zum Leben des früheren sächsischen Ministers für Soziales, Gesundheit und Familie. Im vergangenen Jahr allerdings musste er passen. Das Herz spielte nicht mehr mit.

„Im Juni 2015 wurde bei mir eine Arhythmie am Herzen diagnostiziert. Das ist in meiner Familie nicht selten. Schon mein Vater und mein Bruder litten daran“, erzählt der heute 75-Jährige. Eine Operation im Herzzentrum Dresden und eine medikamentöse Behandlung sorgten schließlich dafür, dass Geislers Herzleistung wieder stabil ist. Seit Ende September vergangenen Jahres fühlt er sich besser. Dazu trägt auch die regelmäßige Bewegung in einer Herzsportgruppe bei, die Geisler seit Mitte November beim Dresdner Sportclub (DSC) besucht – verordnet vom Arzt, bezahlt von der Krankenkasse über zwei Jahre. 15 bis 20 Minuten Ausdauersport und Übungen, die Beweglichkeit, Kraft und Gleichgewicht fördern, stehen hier ein Mal in der Woche für den Minister a.D. auf dem Programm.

Eine Erfolgsgeschichte, könnte man meinen. Ein Wermutstropfen aber bleibt. Hans Geisler hat Glück gehabt, eine Herzsportgruppe zu finden. Denn die sind rar gesät. In seinem Wohnort Radeberg war nichts zu machen. Also fährt er einmal pro Woche nach Dresden. Es fehlt nicht an Teilnehmern, sondern an Ärzten. Denn die müssen bei einer Herzsportgruppe anwesend sein – so schreibt es das Gesetz aus Sicherheitsgründen vor. Immer weniger Mediziner sind dazu bereit.

„Es rentiert sich für einen Arzt nicht. Das macht man, weil es einem Spaß macht“, resümiert Dr. Christel Kieß. Die 82-Jährige ist die Schwester von Hans Geisler. Sie war es, die ihn zum DSC brachte. „Sie war mein Rettungsanker“, sagt der 75-Jährige. 20 Personen betreut Dr. Kieß während einer Trainingseinheit, fragt nach dem Befinden, misst Blutdruck, steht im Notfall bereit – und bekommt für diesen Einsatz 20 Euro pro Stunde. Nicht verwunderlich, dass es zumeist Ärzte im Ruhestand sind, die sich in Herzsportgruppen engagieren.

Insgesamt gibt es beim DSC 21 Herzsportgruppen. Sieben nicht mehr praktizierende Ärzte kümmern sich um die Teilnehmer, zudem schicken auch Prof. Dr. med. Stefan G. Spitzer von der Praxisklinik Herz und Gefäße und Prof. Dr. med. Sebastian Schellong vom Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt Mediziner. „Wir sind an der Grenze, krank werden darf niemand“, beschreibt es Sporttherapeutin Angela Geisler (die Namensgleichheit ist Zufall). Gern würde der DSC mehr Kurse anbieten, die Arztkapazitäten geben das aber nicht her. Deswegen haben die Verantwortlichen erneut eine Anzeige im Sächsischen Ärzteblatt veröffentlicht. 2013 hatten auf diesem Weg vier Mediziner den Weg zum DSC gefunden. Jetzt blieb der Versuch erfolglos. Zudem ist man bemüht, jeden Arzt, der in Rente geht, zu informieren.

Eine Lösung zumindest ist kurzfristig nicht in Sicht. Und dabei ist Herzsport durchaus ein wichtiges Thema, so Sporttherapeutin Geisler: „Wir möchten, dass sich die Leute wieder trauen, Sport zu machen. Ohne die Angst davor, umzukippen. Sie sollen befreit mit ihren Enkeln spielen können.“ Wie auch bei Hans Geisler. Der 75-Jährige wird die verpasste Radtour aus dem vergangenen Jahr in diesem Sommer nachholen. Eine Woche geht es auf dem Froschradweg durch die Niederlausitz.

Im Herzzentrum Dresden können derzeit keinerlei Herzsportgruppen sporteln. Hier liegt es allerdings nicht an fehlenden Ärzten. Vielmehr sind Umbaumaßnahmen der Grund für das verringerte Angebot. Da im Gebäude der Brandschutz bei laufendem Betrieb erneuert wird, musste der entsprechende Raum einem Lager weichen. „Wir haben alle Teilnehmer angeschrieben und informiert. Das werden wir wiederholen, wenn die Arbeiten Ende des Jahres beendet sind“, erklärt Sprecherin Karin Hanig auf Anfrage.

Von Christin Grödel

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