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Abtreibungen in Dresden gehen zurück - 1148 Schwangerschaftskonfliktberatungen im Jahr 2012

Abtreibungen in Dresden gehen zurück - 1148 Schwangerschaftskonfliktberatungen im Jahr 2012

Immer weniger Frauen in Dresden ziehen einen Schwangerschaftsabbruch in Betracht. In der Geburtenhauptstadt haben im vergangenen Jahr 1148 schwangere Frauen eine der fünf Anlaufstellen für eine Schwangerschaftskonfliktberatung aufgesucht, um sich den für eine Abtreibung nötigen Beratungsschein ausstellen zu lassen.

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Die Psychologin Kornelia Schmidt von Donum vitae berät Schwangere in Krisensituationen.

Quelle: Dietrich Flechtner

Das waren hundert Frauen weniger als noch im Jahr 2011, wie Zahlen des Sozialministeriums belegen. Damit folgt Dresden einem sachsenweiten Trend, wonach ein Rückgang bei den Abtreibungen zu verzeichnen ist. Nach Angaben des statistischen Landesamtes Kamenz wurden 2012 im Bundesland 5594 Schwangerschaftsabbrüche gemeldet und damit 309 Eingriffe (5,2 Prozent) weniger als 2011. Eine Auswertung nach Städten und Kreisen erfolgte von der Statistikstelle nicht, weshalb für die Landeshauptstadt keine konkreten Zahlen vorliegen. Doch der gesunkene Bedarf an Konfliktberatungsgesprächen, welche auf den für einen Abbruch obligatorischen Beratungsschein abzielen, deutet auf einen Rückgang hin.

"Wir haben sehr viele Schwangerschaftskonfliktberatungen", sagt die Psychologin Kornelia Schmidt von Donum vitae. Ausgerechnet bei dem bürgerlichen Verein mit katholischem Hintergrund wollen etwa die Hälfte der Ratsuchenden zur Schwangerschaftskonfliktberatung. 463 Frauen, die über eine Abtreibung nachdachten, berieten die drei Mitarbeiterinnen im vergangenen Jahr, 2011 waren es sogar 489. Andere Frauen kommen - ähnlich wie bei den anderen Anlaufstellen - wegen finanzieller und sozialrechtlicher Fragen rund um die Schwangerschaft hierher oder suchen psychologischen Beistand, etwa nach einer Fehlgeburt.

In der evangelischen Beratungsstelle der Diakonie mit drei Mitarbeiterinnen stieg die Zahl der Konfliktberatungen von 149 im Jahr 2011 auf 164 im Jahr darauf. "Wir haben einen leichten Rückgang an Schwangerschaftskonfliktberatungen in den letzten vier Jahren zu verzeichnen", sagt dagegen Sabine Richter vom DRK. Etwa 180 Frauen von rund tausend, die 2012 die DRK-Beratungsstelle aufsuchten, erwogen eine Abtreibung.

Als häufigste Beweggründe für diesen Schritt werden vor allem existenzielle Ängste, die Unvereinbarkeit mit dem Beruf und Partnerschaftskonflikte genannt, auch die Frage nach der Kinderbetreuung spielt eine Rolle. Die Angst vor Arbeitslosigkeit und der damit verbundenen finanziellen Not sei einer der häufigsten Gründe gewesen, die die Klientinnen nannten, heißt es aus der Beratungsstelle des Gesundheitsamtes. Oft hätten die Schwangeren kurz vor der Unterzeichnung eines Arbeitsvertrages gestanden. "Mit einem Kind, so äußerten sich die Frauen, sind die Chancen für sie erheblich geringer, wie die Praxis immer wieder bestätigt. Neue Arbeitsverträge werden als vorwiegend befristete Verträge angeboten und die Frauen haben dadurch kein Sicherheitsgefühl mehr", erklärt Nicole Wolfram vom Gesundheitsamt. Frauen in Ausbildung hatten laut Wolfram Angst, ihre Stelle zu verlieren, würden sie das Kind austragen.

Aber auch der Partner spielt eine wichtige Rolle. "In fast jeder Schwangerschaftskonfliktberatung stehen die Fragen nach einer tragfähigen Beziehung und Unterstützung durch den Partner in der besonderen Zeit der Schwangerschaft und Geburt an erster Stelle", sagt Martina Kleppisch von der evangelischen Schwangerenberatung. "Ohne Partner kann ich mir nicht vorstellen, das Kind zu bekommen" sei ein häufig gehörter Satz. Die Finanzen seien da nebensächlich.

Dass finanzielle Nöte zur ungewollten Schwangerschaft führen, erleben die Beraterinnen regelmäßig. "Gerade für Frauen mit geringen Einkünften oder Arbeitslosengeld II ist es sehr schwierig, Verhütungsmittel zu finanzieren", sagt Martina Kleppisch. Männer würden sich in Sachen Verhütung sehr auf die Frauen verlassen, bei denen dann auch die finanzielle Belastung liege, so Kleppisch weiter.

"Wenn Männer sich um Kondome kümmern, sind sie immer noch billiger dabei als Frauen mit der Pille", gibt Kornelia Schmidt von Donum vitae zu bedenken. Oft werde die Pille mal einen halben Monat ausgesetzt, weil das Geld fehle, berichtet Schmidt. Die Beraterin plädiert in solchen Fällen für eine Zahlungsbefreiung bei Verhütungsmitteln. Dem stimmt auch Sabine Richter vom DRK zu: Das wäre besser als im Nachhinein die Abtreibung zu bezahlen.

iStellen für eine Schwangerschaftskonfliktberatung: donum vitae dresden e. V., Schweriner Straße 26, Tel.: 4842865; Deutsches Rotes Kreuz, Bremer Straße 10d, Tel: 4678-120 und -234; Evang. Schwangerschaftskonfliktberatung, Schneebergstraße 27, Tel.: 315020; Gesundheitsamt, Braunsdorfer Straße 13, Tel.: 4885384; AWO Beratungszentrum "NEUES leben", Schaufußstraße 27, Tel.: 3361107

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.05.2013

Madeleine Arndt

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