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Absturz in jungen Jahren - 20-jähriger Dresdner landete durch Konflikte mit den Eltern im Obdachlosenheim

Absturz in jungen Jahren - 20-jähriger Dresdner landete durch Konflikte mit den Eltern im Obdachlosenheim

260 Menschen leben nach Angaben der Stadt im Moment in Dresdens Obdachlosenheimen. Auch Jugendliche bleiben von diesem Schicksal nicht verschont. Das beweist die Geschichte des 20-jährigen Martin.

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Das Lindenhaus in der Mathildenstraße nimmt obdachlose Männer im Alter zwischen 18 und 25 Jahren auf.

Quelle: Christian Juppe

Bereits mit 16 Jahren geriet Martin (Name geändert) immer öfter mit seinen Eltern aneinander. "Ich war faul und hatte Probleme in der Schule", erinnert sich der heute 20-Jährige. Mit Verständnis und aufmunternden Worten konnte der Förderschüler allerdings zu Hause nicht rechnen. "Mein Vater hat immer gesagt, dass aus mir sowieso nichts wird", so Martin. Auch seine Mutter, die zunächst noch verständnisvoll war, übernahm zunehmend diese Meinung.

Martin fühlte sich in seinem Elternhaus nicht mehr wohl und empfand die Situation als unerträglich. Um für wenige Stunden zu vergessen, wie unerwünscht er auf dieser Welt war, trank er ab seinem 17. Lebensjahr Bier bis zur Bewusstlosigkeit. "Manchmal bin ich vier Mal im Monat in der Psychiatrie aufgewacht. Dennoch habe ich weiter getrunken, weil ich auf diese Weise irgendwie zur Ruhe gekommen bin."

Martins Eltern hatten dafür kein Verständnis. Anstatt ihrem Sohn zu helfen, schmissen sie ihn im April vorigen Jahres einfach aus ihrer Pieschener Wohnung. Grund waren auch seine unzureichenden Leistungen in seiner Malerlehre. Dort bekam er wiederholt Abmahnungen. Dennoch hatte er den Arbeitsplatz noch und wollte ihn auch behalten. Doch ohne Dach über dem Kopf kann das Leben schwer sein. Weiter ging es trotzdem. Martin fand einen Schulfreund, der ihn zwei Monate auf der Couch schlafen ließ. Aber auch dort musste er am Ende seine Zelte abbrechen. "Ich lag mit der Mutter meines Kumpels nicht auf einer Wellenlänge. Als sie dachte, ich wäre bei der Lehre entlassen worden, hat sie gesagt, ich soll gehen." Auch sie konnte Martins Inaktivität nicht länger ertragen.

Zumindest auf der Straße wusste sich der damals 19-Jährige zu helfen. "Mir war bekannt, dass es in der Hubertusstraße eine Notunterkunft für Obdachlose gibt", denkt er an den Moment zurück. Durch eine glückliche Fügung war dort auch noch ein Bett frei. Allerdings war es für Martin eine unangenehme Erfahrung.

"Dort rannten viele eklige ältere Menschen rum, die zum Teil sehr betrunken waren." Mit diesen Menschen, die er als "Suffis" bezeichnet, wollte der frühere Komatrinker nichts zu tun haben. Auf dem Sozialamt informierte er sich daher nach weiteren Möglichkeiten und gelangte über Umwege ins Lindenhaus der Dresdner Tafel in der Mathildenstraße, in dem ausschließlich junge Männer im Alter von 18 bis 25 Jahren leben. Hier wohnt er mit zehn Mitbewohnern seit August 2012 und fühlt sich zum ersten Mal wieder ein wenig heimisch: "Ich finde es im Lindenhaus schön, weil alle ein ähnliches Alter haben wie ich." Trotz der Freude über die neue Unterkunft musste Martin jedoch begreifen, dass das unstete Leben seinen Tribut fordert.

"Weil sich meine Fehlzeiten auf 48 Arbeitsstunden summiert hatten, bekam ich im August plötzlich die Kündigung von meinem Lehrbetrieb." Obwohl er die Lehre gerne beendet hätte, wird ihm langsam klar, dass er selbst die Schuld für sein Scheitern trägt und es folglich auch nur er allein ist, der die Dinge wieder zum Guten wenden kann. Im Lindenhaus bekommt er dafür die Unterstützung, die ihm seine Eltern versagt haben. "Wir hören uns die Lebensgeschichte der Jugendlichen an und helfen ihnen dabei, dass sie wieder eine Wohnung und eine Arbeit finden", sagt der Projektleiter des Lindenhauses, Jürgen Steffenhagen.

Obwohl jeder Jugendliche seine eigene Geschichte hat, die ihn ins Lindenhaus führt, hält der 55-Jährige vor allem die Hartz-IV-Gesetzgebung für verhängnisvoll: "Viele Jugendliche, die zu uns kommen, stehen neben Problemen wie zum Beispiel Mietschulden auch deshalb auf der Straße, weil sie selbst bei größten Konflikten mit den Eltern bis zum 25. Lebensjahr keine eigene Wohnung bezahlt bekommen."

Insgesamt sechs Monate darf Martin im Lindenhaus bleiben, wenn er keine Bleibe findet, auch länger. Danach möchte er endlich eigene Wege gehen. "Ich würde gern noch einmal eine Malerlehre anfangen und außerdem bald in meinem eigenen WG-Zimmer wohnen."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.01.2013

Stephan Hönigschmid

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