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Abkehr von autogerechter Stadt

Rahmenplan Innere Neustadt Abkehr von autogerechter Stadt

Die Stadtverwaltung will die „langfristig angelegte Stadtreparatur“ fortsetzen. Dafür soll jetzt der Rahmenplan für den Bereich Innere Neustadt fortgeschrieben werden. Die Vorlage für den Bauausschuss ist ein Mammut-Werk voller Visionen. Die letzte Fassung des Rahmenplans stammt von 2003.

Dresden. Die Stadtverwaltung will die „langfristig angelegte Stadtreparatur“ fortsetzen. Dafür soll jetzt der Rahmenplan für den Bereich Innere Neustadt fortgeschrieben werden. Die Vorlage für den Bauausschuss ist ein Mammut-Werk voller Visionen. Die letzte Fassung des Rahmenplans stammt von 2003. Aktuell geht es den Planern vor allem um die Verkehrsräume. Die Bundesstraße 170 (Große Meißner und Köpckestraße) und die Albertstraße als Verbindung zwischen B170 und B6 „zerschneiden innerstädtische Stadträume und wirken als Barrieren für Fußgänger und Radfahrer“, besonders, da keine ausreichende Querungsmöglichkeiten vorhanden seien. Vorrang für Fußgänger und Radfahrer aber sei eine „notwendige Bedingung für vitale, innerstädtische Stadträume“, heißt es in dem Entwurf, der unter Mitarbeit von pp a I s pesch partner architekten stadtplaner, Stuttgart und dem Ingenieurbüro Dr. Brenner Ingenieure Dresden entstanden ist.

Details aus dem Masterplan Innere Neustadt

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 Unter anderem sollen historische Achsen vom Neustädter Markt zur Rähnitzgasse und zum Archivplatz wiederentstehen. Dafür müssten Durchbrüche in der Wohnbebauung geschaffen oder vergrößert werden. Schon für die Fassung des Rahmenplans 2003 scheiterte der Versuch, die Wegeverbindung der Kasernenstraße zwischen Neustädter Markt und Archivplatz wiederzubeleben, sie war bei den Anwohnern auf Ablehnung gestoßen. Die Alberstraße soll zum Boulevard entwickelt werden. Die Planer schlagen dafür vor, die Straße schmaler zu machen und die Bebauung an die Verkehrsachse heranzurücken. Für die Straßenbahntrasse favorisieren die Experten eine Verlegung zwischen die Fahrspuren der Albertstraße. Im Zuge dieser ganzen Überlegungen soll der Archivplatz (vor der Markthalle) mit einer barrierefreien Querung der Albertstraße versehen und damit eine Verknüpfung mit dem Regierungsviertel geschaffen werden – ebenerdig und ohne Fußgängerbrücke. Den Fußgängertunnel am Neustädter Markt wollen die Planer verfüllen und in diesem Atemzug eine barrierefreie Verknüpfung der Inneren Neustadt mit der historischen Altstadt erreichen, schließlich soll die Augustbrücke dereinst für den individuellen Autoverkehr gesperrt werden.

Ein wesentliches Ziel der Planung sei es, die heute „weitläufigen und hochbaulich teilweise ungefassten Verkehrsräume auf die erforderlichen Mindestmaße zu reduzieren, um so für die Innenstadt angemessene, kompakte, bauliche gefasste Straßenräume zu schaffen“. Im Rahmenplanentwurf ist von „einer deutlichen, verkehrstechnisch jedoch angemessenen Reduzierung überdimensionierter Straßenräume“ die Rede. Die Geschwindigkeit des Autoverkehrs soll damit sinken. Ganz klar sprechen die Autoren von einer „Abkehr vom Leitbild der autogerechten, funktionsgetrennten Stadt“.
Einer Auto-Tunnellösung für die Große Meißner Straße im Bereich Neustädter Markt erteilen die Planer eine Absage, die Rampen am Carolaplatz und am Palaisplatz, würden den städtebaulichen Zielen dort widersprechen. Eine ganze Reihe von Tiefgaragen unter Neubauprojekten könnten Parkraum schaffen. Fußgänger und Radfahrer rückt der Rahmenplan mehr in den Fokus.

Schon jetzt ist den Planern klar, dass das alles nicht billig wäre. Der abzusehende Umfang einzelner Maßnahmen mache lange Planungsläufe und weitergehende Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen erforderlich. Der Rahmenplan sei ein „informelles Planinstrument“ und zeige ein „langfristiges Entwicklungsziel in Entwicklungsstufen auf“. Kurzfristige Baumaßnahmen sollen an den langfristigen Zielen ausgerichtet werden. Baustrukturen und Verkehrsanlagen, die langfristig schon in Frage gestellt werden, dürften nicht durch punktuelle Eingriffe dauerhaft in ihrem Bestand verfestigt werden.

Stadträte arbeiten an Änderungen

In den Stadtratsfraktionen wird mehrheitlich Gesprächsbedarf gesehen. Gunter Thiele von der CDU erklärte, der Rahmenplan berücksichtige ausschließlich stadtplanerische Aspekte, auf Funktionen werde nicht geachtet. Dies betreffe beispielsweise die Verlegung der Wohnbebauung, die gegenwärtig aus Plattenbauten beispielsweise an der Sarrasanistraße besteht. Die Planer könnten nicht einfach hergehen und ohne Rücksicht auf die Verkehrsströme schmalere Straßen anstreben.

Die Mittellage der Straßenbahntrasse zwischen den Fahrspuren einer schmaleren Albertstraße lehne er ab. Es mag ja sein, dass es sich bislang nur um Entwurfsideen handele. Aber auch da müsse sensibler vorgegangen und Augenmerk auf die Funktionen gelegt werden. Dabei gehe es nicht nur um den Autoverkehr, sondern auch den Nahverkehr, Radfahrer und Fußgänger. Daher dürfe mit dem Rahmenplan auch nicht an den Straßenbahnhaltestellen auf der Großen Meißner Straße und Köpckestraße gerüttelt werden. Die bald umgebauten Haltestellen auf der Augustusbrücke seien kein ausreichender Ersatz. Wenn die Straßenbahnlinie 9 aufgrund von Veranstaltungen auf dem Theaterplatz nicht über die Brücke fahre, habe sie zwischen Palaisplatz und Synagoge keine Haltestelle mehr.

Völlig außer Acht gelassen werde bei den Überlegungen auch der finanzielle Aspekt. „Wir werden uns solche massiven Umbauten nicht leisten können“, meinte Thiele. Er sprach von einem „Traumzauberbaum“, der allerdings noch nicht in der Verantwortung des neuen Baubürgermeisters Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) liege. Die Vorlage geht noch auf die Amtszeit von Jörn Marx (CDU) zurück. Thiele kritisiert die Bebauungspläne für das Königsufer. Der Abstand der Gebäude zur Elbe sei zu gering. Schließlich stört den CDU-Stadtrat auch, dass die bisher links und rechts am Neustädter Markt stehenden Brunnen verlegt und an deren Stelle ebenfalls Häuser errichtet werden sollen. Thiele machte gleichzeitig auch ganz klar: Die Stadt will zwar die Entwicklung in diese Richtung treiben, es drängt uns aber nichts, wir sollten uns lieber Zeit nehmen.

Einen „langen Atem“ für die Diskussion wünscht sich auch Baupolitiker Thomas Löser von den Grünen im Stadtrat nicht zuletzt für das Areal rund um den Neustädter Markt. „Wir wollen den Bereich ja nicht mit irgendwas bebauen“, sagt er. Der Bereich hinter einem wiederaufgebauten Narrenhäusel sei ein wertvoller Platz. Vielleicht finde sich dafür ja eine Kulturstiftung oder ähnliches. Die geplante Bebauungskante geht ihm zuweit in Richtung Elbe. Nicht weitreichend genug sind für Löser dagegen die Veränderungen an der Großen Meißner Straße. Die Verlegung der zwei Haltestellen auf die Augustusbrücke reiche nicht aus. „Ich hätte mir noch einen radikaleren Schnitt zur Rückgewinnung von Stadtraum gewünscht“, blickt Löser auf die Verringerung der Straßenbreite. Er begrüßte die geplanten Radwege und die Anbindung an den Elbradweg. Die DDR-Bebauung auf der Hauptstraße würde er dagegen nicht in Frage stellen. Das gelte auch für die Plattenbauten an der Sarrasanistraße. Eine schnelle Lösung müsse allerdings für den Archivplatz gefunden werden. Nicht zuletzt der Handel würde das fordern.

„Mittragen“ kann Löser zudem den Rückbau der Albertstraße. Dies sei jedoch wie bei der Großen Meißner ein langfristiges Thema. Grundsätzlich seien die Grünen aber „glücklich mit der Fortschreibung des Rahmenplans“, freut sich Löser über  die Abkehr von der autogerechten Stadt. Natürlich müsse dann genau geschaut werden, wie der Verkehr organisiert werden kann. Der Bauausschuss sollte eine politische Haltung für die anschließende Diskussion mit den Bürgern formulieren.

Ein ausführliche öffentliche Debatte wünscht sich Vincent Drews von der SPD. Er erwartet, dass der Rahmenplan nach dem Beschluss im Ausschuss nicht nur vier Wochen öffentlich ausgelegt wird, sondern dass es Bürgerversammlungen gibt, bei denen mit den Verantwortlichen aus der Stadtverwaltung diskutiert werden kann. Auch er sieht die langfristig ins Auge gefasste Ersetzung der Plattenbauten an der Hauptstraße  kritisch.

Die Gestaltung der Großen Meißner („Korrespondiert mit künftig autofreier Augustusbrücke“) hält er für sinnvoll, genauso wie die Einfassung des Neustädter Marktes mit Gebäuden anstelle der jetzigen Brunnen, deren Versetzung auch der Denkmalschutz mittragen kann. Natürlich sollte das Narrenhäusel im Rahmenplan enthalten sein. Die Bebauung dahinter stellt sich Drews kleinteiliger vor, als die Planer bisher. Er wünscht sich zwar auch eine Lösung für den Archivplatz, ob dies aber das Aus für die Fußgängerbrücke und die deutliche Einengung der Albertstraße bedeuten müsse, lässt er offen. „Dazu haben wir noch kein abschließendes Meinungsbild.“ Der Bauausschuss sollte all dies in einer Sondersitzung diskutieren.

Bürgermeister: Orientierung für Neubau-Vorhaben

Wie verbindlich ist der Plan?
Wir sprechen im Moment von einem planerischen Zwischenstand, mit dem wir – die Zustimmung des Stadtrats vorausgesetzt – die Grundstückseigentümer und die Öffentlichkeit beteiligen wollen. Die Planung ist nicht in Stein gemeißelt, sondern die Diskussion mit der Politik und der Öffentlichkeit gerade erst eröffnet. Der Rahmenplan schlage einen großen Bogen, der Planungshorizont liege bei 2035 und darüber hinaus. Es entstehe eine Vision, wie die Innere Neustadt sich langfristig entwickeln könnte. Die Stadtplaner machten sich Gedanken, wie dieses Quartier einmal aussehen könnte, wenn einzelne Gebäude aufgrund ihrer Lebensdauer durch Neubauten ersetzt werden sollen. Dafür soll der Rahmenplan den Grundstückseigentümern langfristige Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen.
Drohen jetzt Abrisse?
Der Rahmenplan bildet keine Planungsgrundlage, die in den nächsten Jahren zu Abrissen führt. Da die Gebäude überwiegend in den letzten Jahren saniert worden sind, kann dies weder von den Eigentümern noch von der Stadtplanung gewollt sein.
Kann nach dem Plan gebaut werden?
Der Rahmenplan begründet kein Baurecht. Hierfür müssten zu einem späteren Zeitpunkt, der jetzt nicht abzusehen ist, einzelne Planungen folgen. Der Rückbau von Verkehrsschneißen ist eine Forderung der Bürger aus der Dresdner Debatte 2011. Bei den Hochbauten am Königsufer zementiert der Rahmenplan noch keine definitiven Baukörper. Es gehe um die Raumkante zur Elbe.

Ingolf Pleil

Neustädter Markt Dresden 51.05831 13.741527
Neustädter Markt Dresden
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