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AG 13. Februar fordert Veränderungen für Gedenkzeremonie auf dem Dresdner Heidefriedhof

AG 13. Februar fordert Veränderungen für Gedenkzeremonie auf dem Dresdner Heidefriedhof

Wie gedenkt man richtig am 13. Februar? In kaum einer deutschen Stadt wird so viel Aufwand betrieben, um ein historisches Ereignis zu würdigen, in Dresden beschäftigt das Datum eine ganze Arbeitsgruppe.

Anlass zu Kritik bot in der Vergangenheit vor allem das offizielle Gedenken auf dem Heidefriedhof. Auch innerhalb der AG 13. Februar werden nun Stimmen laut, die eine zeitgemäße Weiterentwicklung fordern.

Für Aufreger sorgte die Prozession über den Heidefriedhof regelmäßig. Vor allem die Teilnahme von Vertretern der extremen Rechten verlieh der Veranstaltung stets ein „Geschmäckle“, die Einordnung Dresdens als „Ort der Zerstörung“ neben Schauplätzen nationalsozialistischer Vernichtungswut wie Leningrad oder Auschwitz im Rondell des Ehrenhains löst vielerorts Unverständnis aus.

Dass das Gedenkprozedere alles andere als zeitgemäß sei, zu diesem Schluss ist man nun auch in der Unterarbeitsgruppe „Heidefriedhof“ der AG 13. Februar gekommen. „Wir müssen endlich raus aus dem ritualisierten Gedenken, wie wir es seit Jahrzehnten nahezu unverändert praktizieren“, fordert Mitglied Holger Hase, stellvertretender Landesvorsitzender des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Sachsen und somit bestens vertraut mit dem Thema Gedenkkultur.

Gemeinsam mit dem Historiker Matthias Neutzner hat Hase Überlegungen angestellt, wie man alte Gedenkzöpfe abschneiden könnte. „Wir wollen wegkommen von der klassischen Protokollveranstaltung, die durch den Ehrenhain führt und mit einer Kranzniederlegung an der Gedenkmauer endet“, so Hase. Die Stätte sei ideologisch und politisch hoch belastet, das müsse man verdeutlichen. „Insbesondere das Rondell ist problematisch. Es wurde ursprünglich als Thing-Platz von den Nationalsozialisten erbaut und vom SED-Regime später einfach umgewidmet und weitergenutzt.“ Man müsse an dieser Stelle innehalten und etwas zur Geschichte dieses Ortes sagen, statt einfach nur hindurchzugehen, findet der 36-Jährige.

Erste Folgen des Umdenkens zeitigten bereits beim Gedenken im vergangenen Jahr Wirkung. Erstmals wurde die eigentliche Zeremonie nicht an der Gedenkmauer des Ehrenhains abgehalten, sondern an der 2010 aufgestellten, von der polnischen Künstlerin Malgorzata Chodakowska geschaffenen Skulptur „Tränenmeer“ am Fuße des Ehrenhains vollzogen. Auf die rituelle Kranzniederlegung wurde verzichtet, stattdessen durften die Trauergäste später weiße Rosen am Ehrenmal ablegen. Die rechtsextreme NPD konnte so erstmals von einer Teilnahme abgehalten werden. Ihre bereits am Vortag abgelegten Kränze fristeten am 13. Februar ein trauriges Dasein in einer Schubkarre am Rande des Hains.

Ginge es nach Holger Hase, würde das Gedenken künftig noch weiter entstaubt werden. „Wir stellen uns vor, dass die Zeremonie vom Ehrenmal aus diametral zur bisherigen Route mit der Zeit geht: von der Vergangenheit ins Heute. Am Rondell wäre Zeit für eine Ansprache, die auch die bewegte Geschichte des Ortes aufgreifen müsste. Am Fuße des Ehrenhains könnte sich die Veranstaltung dann verlaufen.“ Besonders das Niederlegen von Blumen an der Gedenkmauer ist dem Militärhistoriker ein Dorn im Auge: „Dort ist kein einziges Opfer begraben. Das Aschegrab liegt ungefähr 25 Meter vor der Mauer. Die meisten Gräber der Bombentoten befinden sich im Koniferenbewuchs am Wegesrand, dort geht man mehr oder weniger achtlos vorbei.“

Vor dreieinhalb Jahren initiierte Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) die AG 13. Februar, um das aus mehreren Einzelaktionen bestehende Gedenkprogramm der Stadt Dresden aus Anlass der Zerstörung der Stadt am 13./14. Februar zu koordinieren. Um möglichst viele Perspektiven auf das Gedenken zu vereinen, besteht die Mitgliederschaft aus einem breiten Spektrum gesellschaftlicher Gruppen und Personen, unter anderem der Religionsgemeinschaft sowie aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft.

Dem aus der Arbeitsgruppe heraus angestrebten Erneuerungsprozess stehe die Bürgermeisterin derzeit noch skeptisch gegenüber, sagt Holger Hase. Zu sensibel sei das Thema, zu groß die Bedenken, etablierte Rituale abzulösen und damit abermals Kontroversen auszulösen. Der modifizierte Ablauf im vergangenen Jahr habe jedoch gezeigt, so Hase, dass die Dresdner Veränderungen gegenüber durchaus aufgeschlossen sind.

jaja

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