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62-Jähriger schlug Ehefrau bewusstlos – über zwei Jahre Haft

Urteil 62-Jähriger schlug Ehefrau bewusstlos – über zwei Jahre Haft

Ein 62-Jähriger steht wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, im Januar 2015 seiner Ehefrau im Wohnzimmer ihres Hauses mit einem unbekannten Gegenstand auf den Hinterkopf geschlagen zu haben. Die Frau wurde bewusstlos, erlitt ein schweres Schädelhirntrauma und eine schwere Wunde.


Quelle: dpa

Dresden. „Ich möchte die Wahrheit sagen“, erklärte der Angeklagte gestern zum Prozessauftakt. „Ich habe die Wahrheit gesagt“, verkündete er dann in seinem letzten Wort. Nur was ist die Wahrheit? Er hatte zum Tatgeschehen zu viele Varianten angegeben. Was soll man ihm da noch glauben?

Ein 62-Jähriger stand wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, im Januar 2015 seiner Ehefrau im Wohnzimmer ihres Hauses mit einem unbekannten Gegenstand auf den Hinterkopf geschlagen zu haben. Die Frau wurde bewusstlos, erlitt ein schweres Schädelhirntrauma und eine 13 Zentimeter lange Wunde, die die Kopfschwarte durchtrennte – also Verletzungen, an denen sie auch hätte sterben können. Der Angeklagte rief danach die Rettungskräfte und erzählte, dass seine Frau die Treppe hinabgestürzt sei. Den Sanitätern kam dies seltsam vor, denn das passte nicht zum Verletzungsbild. Sie informierten die Polizei.

Der Angeklagte revidierte dann die Geschichte des Treppensturzes und hatte neue Erklärungen parat. Einmal sei seine Frau aus dem Wohnzimmer gegangen, aber nicht wiedergekommen. Deshalb habe er nach ihr geschaut und sie auf dem Treppenabsatz gefunden. Oder sie sei total betrunken gestolpert und möglicherweise mit dem Kopf auf eine Auflageplatte eines CD-Regals geschlagen. Gestern Variante Nummer vier: Sie habe ihn durch Grimassenschneiden provoziert, er habe sich darüber geärgert und es könne sein, dass er sie bei einer Schubserei berührt habe und sie dann gestürzt sei. In jedem Fall habe er aber den Sturz weder gesehen noch gehört, obwohl er nur zwei Meter daneben auf der Couch lag.

„Das passt alles nicht richtig zusammen“, sagte Gerichtsmediziner Dr. Andreas Engel. „Die Verletzungsspuren passen nicht zu einem Sturz, wohl aber zu einem Schlag, der mit einem scharfkantigen Gegenstand von hinten von oben nach unten geführt wurde.“ Die glatte, scharfe Kante der Platte auf dem Regal wäre geeignet gewesen. Ob das Regal wirklich die Tatwaffe war, konnte nicht geklärt werden.

Es passte vieles nicht, was der Angeklagte erzählte. Seine Frau habe eine Flasche Wein und eine halbe Flasche Amaretto getrunken, sagte er. Ein Alkoholtest ergab aber nur 0,8 Promille. Auch das Verhalten des Mannes nach der Tat war merkwürdig: Seine Gattin ist schwer verletzt und er räumt die Wohnung auf. So verschwand zum Beispiel eine Ecke der Platte auf dem CD-Regal spurlos. Das Opfer selbst kann sich nur an wenig erinnern, hatte aber der Notärztin und dann auch Dr. Engel gesagt, dass sie einen Schlag von hinten erhalten habe und dies ihr Mann gewesen sei. Gestern machte sie von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Nachdem sich das Paar nach der Tat getrennt hatte, leben beide heute wieder zusammen.

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Ralf Schamber verurteilte den Angeklagten zu zwei Jahren und vier Monaten Gefängnis. Vielleicht hätte ein umfassendes Geständnis die Sache etwas gemildert. Aber der 62-Jährige hielt stur an seiner eigenen Wahrheit fest.

Von Monika Löffler

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