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600 Mittelständler informierten sich in Dresden über Chancen der digitalen Welt

600 Mittelständler informierten sich in Dresden über Chancen der digitalen Welt

Online-Handel, Suchmaschinenoptimierung, mobiles Arbeiten, soziale Netze und Cloud Computing waren am Dienstag Thema im Dresdner Kongresszentrum (ICC). Rund 600 Vertreter mittelständischer Unternehmen hatte die Initiative "Antrieb Mittelstand" zur fünften Station ihrer Tour durch deutsche Großstädte eingeladen.

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Vor allem Finanzdienstleister, Händler und Kfz--Betriebe sind einer aktuellen Studie zufolge schon digital unterwegs. Gesundheitswesen und Gastgewerbe halten sich noch zurück.

Rund 30 Unternehmen, darunter die Telekom, Dell und Microsoft wollen gemeinsam mit dem Bundesverband für mittelständische Wirtschaft (BVMW) vor allem kleinen Firmen den Weg ins Online-Zeitalter ebnen - mit Tipps für die Praxis und ohne "Fachchinesisch", wie sie versprechen.

Rolf Zimmer von der Kamenzer Bildungsgesellschaft gGmbh war nach Dresden gekommen, weil man in der Firma überlegt, die alte ISDN-Telefonanlage auszutauschen. Auf den Heimweg nahm er eine Menge Ideen mit, Bereiche im Unternehmen stärker zu vernetzen, Informationen für alle verfügbar zu machen und so eine interne Kommunikation zu entwickeln, die weit über das Telefonieren hinausgeht.

Um die Vermarktung von Kühlschränken geht es Carina Mäusezahl. Sie ist bei der Gunter Engineering UG & Co. KG in der Verwaltung beschäftigt und war im ICC dabei, weil keiner der IT-Leute Zeit hatte. Die neuesten Geräte des Unternehmens mit Niederlassungen in Dresden, Berlin, München und Annaberg-Buchholz können Energie speichern und so ihren Inhalt auch kühl halten, wenn mal eine Zeit lang kein Strom da ist. Einen Markt dafür gibt es weltweit. Vor allem der Vortrag über soziale Netzwerke im Marketing habe ihr Ansätze für die Kundenakquise im Ausland geliefert, sagt sie.

Oft haben die Mittelständler kleine Fragen, und es gibt den einen oder anderen Aha-Effekt, wenn sie erfahren, warum BVMV-Präsident Mario Ohoven immer wieder betont, sie könnten nur mit digitaler Kompetenz im weltweiten Rennen mithalten.

"Diese kleinen Betriebe befinden sich in einer gefährlichen Sandwich-Position", sagt Christian Rätsch, Marketingleiter für Kleine und mittelständische Unternehmen bei der Telekom und Initiator von "Antrieb Mittelstand". Auf der einen Seite seien sie Zulieferer großer Konzerne, die immer stärker auf das Internet setzen. Aber auch ihre Endkunden seien schon digital unterwegs. Bei Google & Co. gefunden zu werden, sei in Zukunft ein entscheidendes Kriterium. Noch habe aber jedes fünfte mittelständische Unternehmen in Deutschland - bei Betrieben mit weniger als zehn Mitarbeitern sogar mehr als die Hälfte - keine eigene Homepage. Auch die einzelnen Branchen sind sehr unterschiedlich digital unterwegs, wie das erste Digitalisierungsbarometer der Initiative ergab.

Wenn Rätsch sagt, man wolle den kleinen Firmen auf dem Weg ins Online-Zeitalter helfen, stecken dahinter auch handfeste ökonomische Interessen. Der Mittelstand sei ein riesiger, zum Teil noch brachliegender Markt. So sei es kein Widerspruch, dass bei "Antrieb Mittelstand" Konzerne wie Telekom und Strato AG zusammenarbeiten, die eigentlich Konkurrenten sind. Wettbewerb ist erst möglich, wenn Marktpotenzial erschlossen ist. "Da hat auch die Telekom in der Vergangenheit etwas falsch gemacht", sagt Rätsch. "Antrieb Mittelstand" sei bewusst nicht als Werbeveranstaltung oder Produktmesse angelegt, sondern als Kontakt- und Ideenbörse. Es gehe um Beispiele erfolgreicher Produktvermarktung im Internet über bessere Kommunikation bis hin zur Auslagerung von IT-Strukturen in die Cloud. Nahezu jede Branche könne von der Digitalisierung profitieren.

Gerade das Thema Cloud Computing stößt aber bislang quer durch Branchen und Betriebsgrößen auf Skepsis. Der Studie zufolge nutzen nur acht Prozent der deutschen Mittelständler Geschäftssoftware und zehn Prozent Sicherheitslösungen aus der "Datenwolke". Vor allem beim Datenschutz ist sie vielen zu nebulös. Obwohl die Hälfte der befragten Firmen angab, professionelle Datensicherung sei für sie am ehesten ein Grund, Cloud-Dienste zu nutzen, sahen fast ebenso viele das größte Hemmnis in Bedenken, ihre Daten seien nicht sicher vor Diebstahl. "Bezahlen mit EC-Karte und Online-Banking sind auch Cloud-Anwendungen", sagt Rätsch. Mit der Zeit werde das Vertrauen wachsen. Bei den Mittelständlern ist davon noch wenig zu spüren. "Ich werde meine Daten bei mir behalten, solange es geht", sagt Rolf Zimmer, obwohl er in der Cloud auch Chancen sieht. Abgesehen von Sicherheitsbedenken, die vor dem Hintergrund aktueller Datenschnüffelskandale wachsen, kritisiert er die Telekom: "Wer weiß, ob mir meine Daten zu vertretbaren Kosten zur Verfügung stehen, wenn immer die Gefahr droht, dass der Anbieter die Geschwindigkeit drosselt." Rätsch räumt politische Fehler ein, verteidigt aber die Entscheidung im Grundsatz als ökonomisch notwendig.

Beim Thema Sicherheit setzt "Antrieb Mittelstand" auf das Argument, mit "Cloud" sei ja nicht jene Nebelwolke gemeint, die zurzeit Google und Facebook in Verruf bringt. "Unsere Lösungen beruhen auf Servern in Deutschland", sagt Rätsch. Da seien Vertrauenswerte sehr hoch. Er will "Antrieb Mittelstand" im nächsten Jahr fortsetzen und hat schon neue Ideen. Ein Video-Portal im Internet soll Lernangebote für Mittelständler bereitstellen. Die sollen sich zudem künftig in einer Community im Netz über ihre IT-Probleme und -Lösungen austauschen können.

@www.antrieb-mittelstand.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.06.2013

Holger Grigutsch

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