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55 Jahre Mauerbau: Zwei Dresdner nehmen beim Mauerweglauf die 100 Meilen in Angriff

Ankommen als Ziel 55 Jahre Mauerbau: Zwei Dresdner nehmen beim Mauerweglauf die 100 Meilen in Angriff

Was ist die optimale Vorbereitung darauf, so weit zu laufen, wie man es noch nie getan hat? Das ist die Kernfrage, die Marcus Trocha und Martin Ehrhardt aus Dresden in den letzten Wochen bewegt hat.

Marcus Trocha und Martin Ehrhardt laufen entlang der Elbe in Dresden. Am Sonnabend gehen sie beim Mauerlauf in Berlin an den Start.
 

Quelle: Anja Schneider

Dresden.  Was ist die optimale Vorbereitung darauf, so weit zu laufen, wie man es noch nie getan hat? Das ist die Kernfrage, die Marcus Trocha und Martin Ehrhardt aus Dresden in den letzten Wochen bewegt hat. Die beiden Ultra-Läufer nehmen als Zweier-Staffel am heutigen Sonnabend am Mauerweglauf über 100 Meilen in Berlin teil. 100 Meilen sind knapp 161 Kilometer. Erhardt läuft 90 und Trocha 70 Kilometer. Für beide ist das ein Sprung über die eigene Leistungs-Schallmauer.

„Ich habe in den letzten Wochen nur noch leichte Läufe absolviert“, berichtet Physiotherapeut Trocha über seine Vorbereitung. Leichte Läufe, darunter versteht der 42-Jährige einen 50-Kilometer-Lauf am vergangenen Sonntag und ein Acht-Kilometer-Läufchen zum Interviewtermin am Dresdner Elbufer. Die meisten Menschen wären für Tage bewegungsunfähig.

Ankommen als großes Ziel

Ankommen als großes Ziel. Dann gibt es die Finisher-Medaille.

Quelle: Alexander von Uleniecki

Für den sonnabendlichen Lauf peilen die zwei eine Laufzeit von etwa 16 Stunden an, das entspricht etwa 10 Kilometern pro Stunde. Der Fokus liegt dabei eindeutig darauf, anzukommen. Marcus Trocha hat abgesehen von den erwähnten 50 Kilometern zur Übung bisher nur Marathon-Distanzen bewältigt, Martin Ehrhardt als regelmäßiger Rennsteig-Läufer bisher maximal 70 Kilometer. Beide sind ob der Herausforderung doch leicht kribbelig. „Eine gewissen Grundnervosität fördert aber die Motivation“, weiß Trocha, der sich beruflich auch mit Laufanalysen und Lauftherapie beschäftigt.

„90 Kilometer lang den Lauf zu genießen wird mir nicht gelingen.“

Nun ist es aber nicht so, dass die zwei Dresdner bei 100 Meilen Berlin nur mitlaufen, um laufen zu können. Vielmehr beschäftigt sie auch die historische Dimension, denn die Strecke führt entlang des ehemaligen Patrouillenweges der Grenzsoldaten an der Berliner Mauer und in diesem Jahr auch erstmals durch das Brandenburger Tor, statt nur daran vorbei.

Der 2016er Lauf ist dem am 16.12.1966 von Grenzsoldaten erschossenen 18-jährigen Karl-Heinz Kube gewidmet. „Jemand, der nichts Schlimmeres getan hat, als vielleicht die Beatles gut zu finden und gegen die FDJ zu reden, sah sich dazu gezwungen, seinen Heimat und seine Familie unter tödlicher Gefahr zu verlassen. Das ist schon erschütternd“, meint Trocha, der selbst in Köln geboren ist, aber schon lange in Dresden lebt. Martin Ehrhard ist in der DDR groß geworden. Als die Mauer fiel, war er 16 Jahre alt. „Ich habe in dieser Zeit gerade angefangen, mich gegen Autoritäten aufzulehnen. Zur Armee wollte ich sicher nicht. Wäre die Mauer nicht gefallen, wer weiß, was mit meinem Leben passiert wäre“, erzählt der Sozialpädagoge. Es sei eine großartige Idee, den Mauerbau und –Fall nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, ob nun mit einem Ultra-Lauf oder anderweitig.

100 Meilen Berlin (Mauerweglauf)

Datum: Seit 2011 am Wochenende nach dem Jahrestag des Mauerbaus (13. August)

Start/Ziel: Jahn-Sportpark

Strecke: 160,9 Kilometer entlang des früheren Verlaufs der Mauer, u.a. Checkpoint Charlie, Brandenburger Tor, Reichstag; jährlicher Richtungswechsel

Teilnehmer: 350 Einzelläufer sowie Zweier-, Vierer- und Zehn-Plus-Staffeln

Zeitlimit: 30 Stunden (Solo) bzw. 27 Stunden (Staffeln)

Streckenrekorde Solo: Mark Perkins in 13:06:52 (2014) und Patricia Rolle in 15:57:39 (2015)

Widmung: Karl-Heinz Kube, von Grenzsoldaten am 16.12.1966 erschossen; jährlich wechselnd

Das manche Menschen ihre Ultra-Lauf-Leidenschaft mit Skepsis beobachten, ist den Freunden klar. „Nicht alle haben Spaß an so einer Schinderei“, erklärt Ehrhardt verschmitzt. Auch in der Familie könne er die Freude, die er bei Anstrengung empfindet, nicht unbedingt überzeugend vermitteln. Er würde aber Lügen, wenn er behauptete, Laufen wäre nur Spaß. „90 Kilometer lang den Lauf zu genießen wird mir nicht gelingen. Ich freue mich zwar immer wie ein kleines Kind darauf. Unterwegs merke ich dann aber, wie anstrengend das doch ist“, erklärt er seine Gefühle beim Laufen.

An den Start ging es für Ehrhardt heute um 7 Uhr früh. Vorher wurde noch gemeinsam gefrühstückt – gegen 4 Uhr, denn mit vollem Magen wird nicht gelaufen. Wenn alles klappt, wird Trocha als zweiter Staffelläufer etwa um 22 Uhr den Start- und Zielpunkt im Jahn-Sportpark erreichen. Natürlich schmerzen dann auch bei trainierten Athleten Muskeln, Knochen und Gelenke. Wenn er den nächsten Tag freihändig eine Treppe abwärts laufen kann, sei aber alles in Ordnung, weiß Trocha aus langjähriger Erfahrung. Nach zwei bis drei Tagen stellt sich die Lust zum Laufen bereits wieder ein.

Von Franziska Schmieder

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