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5000 Spezialisten treffen sich in Dresden zum Neurologenkongress

5000 Spezialisten treffen sich in Dresden zum Neurologenkongress

Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) vom 18. bis 21. September werden über 5500 Gäste in Dresden erwartet. Der größte Kongress für Neurologie in Europa versammelt nahezu alle Spezialisten aus dem deutschsprachigen Raum und gibt faszinierende Einblicke in die Erforschung, Diagnose sowie Therapie von neurologischen Erkrankungen wie Demenz, Parkinson und Multiple Sklerose.

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Prof. Heinz Reichmann ist Direktor an der Klinik und Poliklinik für Neurologie am Uniklinikum Dresden. Der 60-Jährige hat den Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) nach Dresden geholt.

Quelle: Christian Juppe

DNN-Redakteurin Katrin Tominski sprach mit Heinz Reichmann, Cheforganisator und Dekan der Medizinischen Fakultät der TU-Dresden.

Professor Reichmann, darf man gratulieren? Sie haben sich den Kongress zum 60. Geburtstag gewünscht.

Ja, in der Tat. Ich habe mir von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie gewünscht, die Tagung noch einmal organisieren zu können. Schon damals 1997, kurz nach meiner Ankunft in Dresden, habe ich den Neurologenkongress hier auf die Beine gestellt. Das war ein großer Erfolg. Es war der größte Kongress, den wir je hatten.

Nun sind die Neurologen also wieder in Dresden?

Man hat uns zugetraut, dass wir ein attraktives wissenschaftliches Programm auf die Beine stellen. Wir bieten eine Fortbildungsakademie, ein Forum für junge Neurologen und natürlich Sitzungen über die Neuigkeiten in der Forschung. Die Tagung wird der größte Kongress in Europa, wir erwarten fast alle Experten der Neurologie und verwandter Fächer aus dem deutschsprachigen Raum.

Das Thema der Konferenz heißt "Medizin in Bewegung"?

Wir sind überzeugt, dass körperliche Bewegung die Leistungen des Gehirns anregt. Es ist nachgewiesen, dass sich durch Sport etwa 200 bis 400 Nervenzellen am Tag nachbilden. Sport vermindert zudem Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Diabetes.

Gibt es bahnbrechende neue Erkenntnisse?

Wir werden immer erfolgreicher in der Behandlung von Krankheiten. Früher waren die Neurologen nicht so beliebt, oft mussten wir Diagnosen stellen, für die es wenige oder keine guten Heilungschancen gab. Das hat sich geändert, wir sind zunehmend selbstbewusster, erstmalig können wir den Patienten wirklich etwas anbieten. Endlich können auch Neurologen sagen: 'Wir kriegen das hin. Sie brauchen nicht wiederkommen.'

Was verbirgt sich hinter der Neurologie?

Neurologie kümmert sich um die Fehlfunktionen des Gehirns, des Rückenmarks und der Nerven. Wir behandeln Volkskrankheiten wie Diabetes und Alzheimer, aber auch Multiple Sklerose (MS) und andere Erkrankungen. Besonders in der Schlaganfallforschung haben wir uns fulminant verbessert, Thromben können heute einfach aufgelöst werden. Große Fortschritte gibt es in der MS-Forschung. Früher lag die Wahrscheinlichkeit, dass eine junge MS-Patientin im Rollstuhl landet, bei 30 bis 50 Prozent. Heute können Betroffene in der Regel sogar im Berufsleben bleiben. Das größte Problem bleibt Alzheimer.

Warum?

Bislang haben wir nur Medikamente, die den Verlauf der Krankheit sechs bis zwölf Monate herauszögern. Setzt sich die derzeitige Entwicklung fort, müssen wir müssen befürchten, dass wir in Deutschland bald bis zu zwei Millionen Alzheimer-Patienten haben. Neue Methoden sind essenziell, um die Behandlung volkswirtschaftlich tragen zu können.

Warum sind Sie von der Stadt Dresden als Tagungsstandort überzeugt?

Der erste Kongress 1997 ist vielen Teilnehmern nachhaltig im Gedächtnis geblieben. Noch Jahre später habe ich Rückmeldungen bekommen. Nirgends anders seien die Taxifahrer so nett, die Menschen so aufgeschlossen und die Hoteliers so hilfreich gewesen. Das hat die Leute damals schwer beeindruckt.

Was empfehlen Sie den Gästen in Dresden?

Dresden ist eine Stadt der Kultur und der Wissenschaft. Mir wäre es wichtig, dass jetzt endlich alle kapie-ren, dass Ost und West zusammenge-hören. Wir können locker mit west- deutschen Städten mithalten. Nur die Anbindung ist manchmal ein bisschen schlecht.

Gibt es denn gegenüber Ostdeutschland immer noch Vorbehalte von westdeutschen Kollegen?

Ja, manchmal schon. Einige bewundern die Stadt, argumentieren dann aber mit dem Soli. Denen erkläre ich dann, dass auch die Ostdeutschen Soli bezahlen. Als Westdeutscher vom Bodensee, der schon seit 1996 in Dresden lebt, bin ich jetzt ein Wossi.

Apropos Verkehrsanbindungen: Haben Sie einen Wunsch an Bahnchef Rüdiger Grube?

Das ist der Job des Ministerpräsidenten. Er muss dafür sorgen, dass Grube die Priorität auf Dresden legt. Wir wollen doch nicht wieder in das Tal der Ahnungslosen zurückfallen. Die Verbindung nach Berlin ist so lang- sam, dass man nebenbei Gänseblümchen pflücken kann. Wir brauchen unbedingt schnellere Verbindungen nach Frankfurt, München und Berlin. Eine schnellere Sachsenmagistrale wäre auch zu begrüßen. Wenn die Bahnverbindungen besser wären, würden noch viel mehr Unternehmen hier ihren Standort wählen.

Die 5500 Teilnehmer tuckern also mit der Bahn nach Dresden?

Viele werden in Flugzeugen kommen. Damit alle Kongressteilnehmer rechtzeitig da sind, haben wir extra mit den Fluglinien verhandelt. Sie schicken jetzt größere Maschinen aus Frankfurt, München, Stuttgart und Köln.

Zum Kongress werden nicht nur Ärzte, sondern auch ehemalige Profifußballer erwartet?

Die Deutsche Neurologen-Fußballmannschaft spielt gegen Profis, angefragt haben wir unter anderen Lars Jungnickel, Steffen Heidrich und Torsten Gütschow. Die Erlöse aus dem Spiel bekommen krebskranke Kinder. Übrigens können alle Dresdner Bürger zu unserer Publikumsveranstaltung am 17. September, 18.30 Uhr, in das Zentrum für Regenerative Therapien Dresden (CRTD) kommen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.09.2013

Tominski, Katrin

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