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500 Kilometer im Alleingang: Mit 200 Euro in der Tasche wanderte Lisa Schmidt fünf Wochen über den Jakobsweg

500 Kilometer im Alleingang: Mit 200 Euro in der Tasche wanderte Lisa Schmidt fünf Wochen über den Jakobsweg

Viele sind ihn schon gegangen und noch viel mehr werden ihn wohl noch beschreiten: den Jakobsweg. Die Pilgertour ist eine Anzahl von mehreren Strecken durch ganz Europa.

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Lisa Schmidt (25) verwirklichte ihren Traum und pilgerte innerhalb weniger Wochen über den französischen Jakobsweg. Die Herausforderung: ihr knappes Budget.

Quelle: Privat

Wenn man die religiösen Aspekte mal beiseite lässt, ist es das Ziel einer solchen Reise, sich selbst oder sogar das Glück zu finden. Nicht wenige erleben auf dieser Strecke spirituelle Erfahrungen, sagt man. Ist das alles Humbug oder findet der Reisende nach hunderten von Kilometern tatsächlich doch die Erleuchtung?

Mit nichts als einem 15 Kilogramm schweren Rucksack und ihrer liebsten Gitarre startete Lisa Schmidt im Mai von Dresden aus ihre Reise nach Nordfrankreich, um dort den französischen Jakobsweg entlang zu wandern. Doch was bringt jemanden dazu, 500 Kilometer alleine durch Frankreichs verlassene Landschaften zu staksen? "Die Gründe für mein Vorhaben waren eher spiritueller Natur. Ich war so unzufrieden mit mir selbst und wollte auf der Reise etwas Kraft für die Zukunft tanken", so die 25-Jährige. Nach abgebrochenen Ausbildungen und vergeigtem Studium wollte Lisa einfach alles auf Null stellen und ihren Kopf für neue Ideen frei kriegen.

Am 12. Mai dieses Jahres startete Lisa mit Bus und Bahn ihre Reise Richtung Thann, einer Stadt in der Nähe von Strasbourg im Elsass. Dort begann die Wanderung zu Fuß. In der Reisekasse: 200 Euro. Ihr Ziel: 500 Kilometer bis zum Pilgerort Le Puy en Velay zu laufen. Die Herausforderung war, die Reise mit so wenig Geld wie möglich zu bestreiten. Mit 200 Euro in fünf Wochen bleibt einem nichts anderes übrig, als sich tagtäglich von Baguette, Käse und etwas Obst zu ernähren. Nicht unbedingt die beste Grundlage für eine kilometerlange und vor allem kräftezehrende Wanderung, doch Lisa hat den Verzicht gelernt. Um sich dennoch über Wasser zu halten, verdiente sie sich mit Straßenmusik etwas Kleingeld dazu. Dafür war schließlich die Gitarre gedacht.

Geschlafen hat die Pilgerin jede Nacht in einer anderen Unterkunft. Dass die Pilgerunterkünfte umsonst sind und jeder freundlich seine Tür für Pilger offen hält, ist ein Trugschluss. Für ein Bett und ein Dach über den Kopf muss man pro Nacht um die 15 Euro berappen. Mit etwas Geschick im Handeln konnte Lisa die Preise ein wenig runterdrücken. "Ich hatte Begegnungen mit Menschen, die so himmlisch waren, dass ich es kaum in Worte fassen kann", schwärmt sie. Ein Moment, der ihr besonders im Gedächtnis geblieben ist, war ein Aufenthalt bei einer älteren Dame, der sie als Gegenleistung für einen kostenlosen Schlafplatz im Haushalt half. "Ich wurde so herzlich aufgenommen, als würde ich zur Familie gehören. Man wuchs innerhalb eines Tages so sehr zusammen, alles wurde geteilt." Auch mit den anderen Pilgern kam sie dann und wann in Kontakt. Nach gemeinsamen Fußmärschen entschied sie sich aber doch für eine Weiterreise im Alleingang. Angst hatte sie nie, behauptet Lisa. Schwer zu glauben, wenn man überlegt, dass man mutterseelenallein durch verlassene Berglandschaften pilgert.

Dass es auf der Pilgerroute aber schon einmal einsam werden kann, erlebte Lisa am eigenen Leib. Hilflosigkeit und das Gefühl des Verlorenseins waren Teil des Alltags. Eben solche Emotionen kochen in einem schon mal hoch, erklärt die Dresdnerin. Nicht nur mental, auch körperlich stieß sie an die Grenzen ihrer Belastbarkeit: Bei einem Aufstieg auf 1100 Metern beschlich sie kurzzeitig das Gefühl, alle ihre Kräfte zu verlieren.

Nach fünf langen Wochen erreichte sie aber glücklich und zufrieden das Städtchen Le Puy. Für die Pilgerer gab es dort in der Kathedrale einen Gottesdienst, dazu bekam jeder eine Medaille überreicht.

Die 25-Jährige zieht für sich ihr Resumee: "Das waren die bewegendsten fünf Wochen meines Lebens. Ich habe mich selbst kennen gelernt und mehr Glück und Selbstvertrauen gewonnen." Und eine Medaille.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.07.2014

Juliane Weigt

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