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49. Grundschule in Dresden: Komplettsanierung beginnt

Denkmalschutz 49. Grundschule in Dresden: Komplettsanierung beginnt

Die Komplettsanierung der denkmalgeschützten 49. Grundschule beginnt in diesem Sommer. Seit Mitte der Woche läuft der Umzug ins etwa zwei Kilometer entfernte Ausweichquartier am Höckendorfer Weg 2.

 Die Sanierung der 49. Grundschule beginnt.
 

Quelle: Tanja Tröger

Dresden.  Die Komplettsanierung der denkmalgeschützten 49. Grundschule beginnt in diesem Sommer. Seit Mitte der Woche läuft der Umzug ins etwa zwei Kilometer entfernte Ausweichquartier am Höckendorfer Weg 2 (Südhöhe). Schließlich soll dort pünktlich zum Ferienbeginn am kommenden Montag die Hortbetreuung starten. Mehr als 1000 Umzugskartons stapelten sich in den Klassenzimmern und Fluren, unzählige Bänke, Stühle, Schränke sind zu transportieren. Aber Schulleiter Uwe Schmidt schreckt das nicht. Er freut sich über die anstehende Sanierung, für die er und die Elternvertreter jahrelang gekämpft haben. Miefende Sanitäranlagen, marode Elektrik, nicht belüftbare und zu heiße Klassenzimmer hatten sie moniert. Anfang 2015 waren auch noch Putzbrocken von einer Klassenzimmer-Decke gefallen, so dass zur Sicherheit der Deckenputz großflächig entfernt werden musste.

Im Januar 2016 hatte der Stadtrat schließlich die Sanierung der Schule beschlossen – entweder komplett oder nur teilweise, falls sich nicht genügend Geld auftreiben ließe. Dank Schulbau-Fördermitteln, die das Land Sachsen erst vor wenigen Wochen zusagte, kann nun das gesamte Gebäude saniert und erneuert werden. Rund 11 Millionen Euro kostet das voraussichtlich.

Architekten stellen Konzept vor

Bei einem Informations-Abend am Montag haben die Architekten den Eltern ihre Umbaupläne vorgestellt. Susanne und Bernard Isfort kennen die Schulgebäude vom Typ „Dresden Atrium“ gut. Einige solche Plattenbauten haben sie bereits saniert, beispielsweise die 113. Grund- und die 107. Oberschule. Allerdings gehörten die zu jenen Schulen, die in den 1970er Jahren in einer „abgespeckten“ Variante errichtet wurden, um Kosten zu sparen. Alle Besonderheiten, die das Gebäude auszeichneten, waren dem Rotstift der DDR-Wirtschaft zum Opfer gefallen. In und an der 49. Grundschule, die 1968 eröffnet wurde, gibt es sie jedoch noch: bodentiefe Fenster im Erdgeschoss, verputzte Decken, Einbauschränke und -regale, große Innenhöfe, ein Dach über dem Eingang. „Hier ist vieles anders und schöner“, fasste Susanne Isfort zusammen.

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Die 49. Grundschule muss dringend saniert werden. Jetzt beginnen die Arbeiten.

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All diese Elemente sollen erhalten oder wiederhergestellt werden, auch die ursprüngliche Farbgebung: Die horizontalen Brüstungsbänder an der Fassade werden hellblau und die Flurdecken in einem dezenten Gelb gestrichen, der Fußboden bekommt einen Rotton. So entsteht ein freundlicher Eindruck, der zum lichtdurchfluteten Schulhaus passt. An der Südseite kommt auch wieder Sonnenschutz vor die Fenster, damit es im Sommer nicht mehr so heiß wird. Die Einbauregale in den Klassenräumen werden ebenso aufgearbeitet wie die historischen Fensterrahmen. Diese Arbeitsleistung sei ein großer Posten auf der Rechnung, sagte Ines Neumer vom städtischen Hochbauamt. Aber ein detailgetreuer Nachbau der Fenster wäre genauso teuer gewesen, und zudem sei das Holz noch gut in Schuss. „Wir sind wirklich mit vielen Tischlern rumgegangen, und alle haben gesagt: Die Qualität ist gut.“

Die beiden quadratischen Innenhöfe werden so umgestaltet, dass sie endlich wieder genutzt werden können, beispielsweise als „grünes Klassenzimmer“ mit schattigen Sitzgelegenheiten.

Kompromiss in Sachen Energie

In puncto Wärmedämmung haben sich Denkmalschützer, Architekten, Schulverwaltungs- und Hochbauamt geeinigt: Das Gebäude erhält eine vier Zentimeter dicke Dämmschicht. Damit werden künftig etwa 50 Prozent Heizenergie eingespart, aber sie ist nicht so dick, dass sie die Ästhetik der Fassade zerstört.

Modernisierung nach aktuellen Anforderungen

Natürlich soll die Schule künftig auch modernen Standards entsprechen. Sanitäranlagen und Elektrik werden komplett erneuert, Klassenzimmer und Speiseräume erhalten Schallschutzelemente, Brandschutztüren und eine gläserne Schutzwand am zu niedrigen Treppengeländer werden eingebaut. Menschen mit Handicap können künftig einen Aufzug nutzen.

Der Fahrstuhl wird mit einem Funkspruch Juri Gagarins verziert – in den DDR-Jahren trug die 49. POS nämlich den Namen des ersten Menschen im Weltall. Das Thema Weltraum findet sich auch in anderen Gestaltungselementen wieder: Die Raketen-Skulptur im Innenhof wird der Erschaffer Dieter Bock von Lennep restaurieren, zudem werden zwei große Fenster mit farbigen Kosmonauten-Motiven eingebaut, die aus einer inzwischen abgerissenen Dresdner Schule gerettet wurden.

„Jetzt wird mein Kind am Höckendorfer Weg eingeschult“

Nicht alle Eltern sind glücklich über die umfangreiche Sanierung und die Auslagerung der Schule. „Jetzt wird mein Kind am Höckendorfer Weg eingeschult“, sagte eine enttäuschte Mutter. Zudem sei die aufwendige Fenster-Aufarbeitung rausgeworfenes Geld und koste unnötig Zeit. Architekturhistoriker Daniel Fischer, der die Geschichte der „Dresden Atrium“-Schulen erforscht hat, kontert: „Das ist nachhaltig und fördert Unternehmen der Region.“ Außerdem werde dank des Denkmalstatus‘ die Schule komplett saniert, nicht nur energetisch, wie es ursprünglich vorgesehen war.

Schulleiter Uwe Schmidt hingegen verlässt „sein“ Haus ohne Wehmut. „Wir kommen ja immer mal wieder.“ Die Arbeitsgemeinschaft Schulgeschichte, die sich bereits in den vergangenen zwei Jahren mit der Historie befasst hat und dafür im Spätsommer den Pegasus-Preis erhält, werde regelmäßig die Baustelle besuchen.

Einzug zum 50. Schulgeburtstag

Läuft beim Bau alles gut, können die rund 400 Schüler im Februar 2018 zurückziehen – einen Monat vor dem 50. Schuljubiläum. Sowohl die Architekten als auch die zuständigen Mitarbeiter des Hochbauamtes sind zuversichtlich, dass sie den Termin halten können. „Wir haben bei dieser Schule schon enorm viele Vorarbeiten geleistet, sodass es hoffentlich kaum Überraschungen geben wird. Aber gefeit ist man davor natürlich nie“, meinte Architekt Bernard Isfort und schloss mit einem forschen „Na denn: Fangen wir an!“

Von Tanja Tröger

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