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39 weitere Stolpersteine für Dresden – erste in Wilsdruff

Gedenken an Nazi-Opfer 39 weitere Stolpersteine für Dresden – erste in Wilsdruff

Am kommenden Montag und Dienstag wird der Kölner Künstler Gunter Demnig 39 weitere Stolpersteine im Dresdner Stadtgebiet verlegen. Wilsdruff erhält am Dienstag seine ersten beiden Gedenksteine für Opfer des Nazi-Regimes.

39 neue Stolpersteine werden kommende Woche in Dresden verlegt. Die kleinen Messingtafeln für die Familie Schneck wurden im September 2014 in den Fußweg an der Seestraße eingesetzt.

Quelle: Tanja Tröger

Dresden/Wilsdruff.. Am kommenden Montag und Dienstag wird der Kölner Künstler Gunter Demnig 39 weitere Stolpersteine im Dresdner Stadtgebiet verlegen. Mit den kleinen Messingquadern, die in Fußwege eingelassen werden, wird an Opfer des Nazi-Regimes erinnert. Der Begriff Stolperstein ist dabei symbolisch zu verstehen: Die quadratischen Gedenktafeln sollen nur „Stolperfallen“ für Augen und Kopf sein, nicht aber für die Füße. Seit 2009 hat Demnig rund 150 Gedenksteine ins Dresdner Pflaster eingelassen, europaweit sind es über 50.000.

In diesem Jahr wird unter anderem der antifaschistische Tischler, Kletterer und Sänger Kurt Schlosser geehrt, dessen Namen der Dresdner Bergsteigerchor seit 1949 trägt. Der Chor hat auch die Patenschaft für den Gedenkstein übernommen. Der Stolperstein wird an der Leipziger Straße 72 verlegt, wo Kurt Schlosser im Hinterhaus eine Werkstatt betrieb, in der er eine Zeitlang wohnte und die auch als Treffpunkt für Nazigegner diente.

Ein weiterer Stein wird in Pieschen für den gebürtigen Trachauer Albert Hensel verlegt. Er gehörte der Widerstandsgruppe um Fritz Schulze und Eva Schulze-Knabe an, wurde 1941 verhaftet und 1942 in Berlin hingerichtet.

Erstmals Ehrungen für Zeugen Jehovas

In diesem Jahr wird erstmals mit Stolpersteinen an Ernste Bibelforscher (heute Zeugen Jehovas) erinnert, die aufgrund ihrer Verweigerung des Kriegsdienstes hingerichtet wurden. Für die in Meißen beheimateten Hermann Max Dietze und Ernst Fritz Gottschling, die beide an der Herstellung des Porzellanglockenspiels im Zwinger beteiligt waren, werden zwei Stolpersteine vor dem Glockentor auf der Sophienstraße verlegt.

Auch des Schlagerkomponisten Siegfried Sonnenschein wird gedacht. Sonnenschein war in den 1920er Jahren ein deutschlandweit bekannter Komponist, der 1932 mit dem Titel „Auf der Terrasse vom romanischen Café“ einen Hit hatte. Als Jude diffamiert, entkam er in letzter Minute der Verhaftung, emigrierte über Shanghai in die USA. In den 60er Jahren siedelte er für kurze Zeit wieder nach Deutschland über, wo er weiter als Komponist tätig war. Schließlich kehrte er in die USA zurück, wo er im Jahre 1980 verstarb.

Erste Stolpersteine in Wilsdruff

Am Dienstagnachmittag gegen 15.15 Uhr erhält Wilsdruff seine ersten beiden Stolpersteine, und zwar für Johanna und Richard Pöthig, das frühere Verwalterehepaar auf Keils Gut. Richard erlitt ab 1939 häufig epileptische Anfällen, wurde mehrfach in Kliniken eingewiesen und verstarb 1944 in der vom nationalsozialistischen Euthanasieprogramm geprägten Landesheilanstalt Großschweidnitz. Wegen der Erkrankung des Vaters wurde die Familie von  den Behörden schickaniert. Die Tatsache, dass Richard und Johanna Pöthig dem Naziregime kritisch gegenüberstanden, verschärfte ihre Situation zusätzlich.

Feierstunde am Montagabend

Anlässlich der Verlegungen richtet der Stolpersteine für Dresden e.V. am Montag ab 19 Uhr eine öffentliche Feierstunde in der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB) aus. Angehörige und Paten werden über die Schicksale hinter den Stolpersteinen berichten, die musikalische Umrahmung übernimmt der Bergsteigerchor „Kurt Schlosser“.

Für Freitag und Sonnabend hat die Stadt Dresden ein Programm für die Angehörigen organisiert. Sie wurden unter anderem von Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) empfangen, besichtigten Rathaus und Synagoge und besuchen das Militärhistorische Museum.

Termine für die Verlegungen am Montag und Dienstag

ttr

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