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3500 Jahre Handwerkskunst: Goldene Meisterbriefe in Dresden verliehen

3500 Jahre Handwerkskunst: Goldene Meisterbriefe in Dresden verliehen

Nicht alltägliche Feier in Dresden: 70 Handwerksmeister aus ganz Sachsen haben gestern ihren "Goldenen Meisterbrief" erhalten. Vor 50 Jahren absolvierten sie erfolgreich die Meisterprüfung.

Dresden.

Ein anwesender Tischlermeister legte die Prüfung sogar bereits vor 60 Jahren ab. Damit waren mehr als 3500 Jahre Handwerkskunst an einem Ort versammelt.

Wer bei dem Wort Handwerksmeister aber denkt, dass nur Männer ausgezeichnet wurden, der irrt. Auch neun Frauen waren unter den Geehrten. Eine von ihnen war die 71-jährige Ellen Klingner-Großmann. Bereits im zarten Alter von 21 Jahren machte sie ihren Meister als Schlosserin. Obwohl sie damals in eine klassische Männerdomäne eingedrungen ist, hatte sie keine Probleme damit. "Für mich persönlich war das kein Thema. Ich bin gut klargekommen", sagt Klingner-Großmann.

Vollkommen alltäglich war es trotzdem nicht, dass eine Frau in den 1950er Jahren diesen Weg eingeschlagen hat. Das war auch daran zu erkennen, dass die Dresdner Firma Nicolaus, bei der sie von 1958 bis 1961 ihre Lehre absolvierte, eine Sondergenehmigung brauchte, um zusätzlich zu einem Jungen auch ein Mädchen ausbilden zu dürfen. Nachdem diese Hürde genommen war, ging Ellen Klingner-Großmann aber zielstrebig ihren Weg. Ein leuchtendes Vorbild war für sie dabei immer ihr Großvater Max Großmann, der in Dresden ein bekannter Kunstschmied war. "Aus diesem Grund habe ich mich auch in dieser Richtung spezialisiert", sagt die 71-Jährige. Eigentlich wollte sie auch einmal seinen Betrieb in der Rosenstraße übernehmen. Nicht zuletzt deshalb hatte sie sich auch so mit dem Meisterbrief beeilt. Aber spätestens nachdem ihr Vater in den Westen geflohen war, machte ihr der Staat einen Strich durch die Rechnung.

Selbstständig gearbeitet hat sie trotzdem. Seit dem 1. Januar 1965 hatte sie zunächst einen Betrieb auf der Hoyerswerdaer Straße und später auf der Goetheallee. Dort stellte sie gemeinsam mit zwei Mitarbeitern u.a. Fahrradständer, Tore und Zäune her. Neben den Alltagsprodukten gehörten zudem Bühnenaufbauten fürs Theater zum Repertoire des Betriebes. Bis zur politischen Wende in der DDR war dort immer jede Menge zu tun. Zum Leidwesen von Ellen Klingner-Großmann änderte sich dies Anfang der 1990er Jahre. "Die Leute haben ihr Geld lieber für Autos und Reisen ausgegeben und nicht für Schlosserarbeiten." Zum Glück pendelte sich später alles wieder ein und die Aufträge kamen zurück. Bis 2001 führte Ellen Klingner-Großmann noch ihre Firma und arbeitete von 2002 bis 2004 bei ihrem Sohn, der inzwischen auf der Rosenstraße eine eigene Werkstatt aufgemacht hatte. Dann ging sie in den wohlverdienten Ruhestand.

Ein ähnlich inniges Verhältnis wie Ellen Klingner-Großmann hatte auch Wolfgang Rentzsch zu seiner Arbeit. Insgesamt 48 Jahre war er als Orgelbauer für die Dresdner Firma Jehmlich im Einsatz. Bereits in jungen Jahren durfte er sich dabei großen Herausforderungen widmen. Als 25-jähriger Konstrukteur hat er ab 1963 die große Orgel für die Kreuzkirche konstruiert. "Es gab damals im Betrieb einen alten Konstrukteur, der schon im Rentenalter war. Als dieser Auftrag hereinkam, hat er gesagt, dass er es nicht mehr macht. Und so bekam ich meine Chance", denkt der heute 77-Jährige an den damaligen Zeitpunkt zurück.

Trotz der enormen Aufgabe erhielt er für diese Arbeit jedoch nicht seinen Meisterbrief. "Ich hatte gehofft, dass ich es anerkannt bekomme, aber das war nicht möglich." Er habe dann als Meisterprüfung 1964 eine kleine Orgel für die St. Wolfgangs-Kapelle in Geyer im Erzgebirge konstruiert. "Neben der Konstruktion habe ich bei dieser Arbeit auch alle Teile selbst hergestellt, montiert und die Orgel intoniert, was bei einer großen Orgel vom Arbeitsumfang her nicht möglich gewesen wäre", so Rentzsch.

Dass er seine Sache sehr gut gemacht haben muss, wurde auch daran deutlich, dass er später als Lehrmeister für den Orgelbauernachwuchs gefragt war. 18 Jahre lang unterrichtete er in Joachimsthal Orgelbauer aus der ganzen DDR theoretisch. Und auch international wurde seine Handwerkskunst geschätzt. Allein fünf Mal arbeitete er in Japan und konstruierte dort u.a. die Orgel für ein Konzerthaus in Tokio-Sumida. Die Techniken, die er dabei angewendet hat, haben sich im Laufe der Jahre kaum verändert. "Das meiste ist gleich geblieben. Der Grundberuf ist der des Tischlers", sagt Rentzsch.

Stephan Hönigschmid

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