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30 neue Betten: Dresdner Herzzentrum investiert zehn Millionen Euro

30 neue Betten: Dresdner Herzzentrum investiert zehn Millionen Euro

Das Dresdner Herzzentrum feiert in diesem Jahr seinen 20. Geburtstag. Ein Vierteljahrhundert nach der Wende können die Herzspezialisten der Landeshauptstadt auf eine Erfolgsgeschichte zurückblicken.

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Stefan Todtwalusch ist Geschäftsführer des Dresdner Herzzentrums, das zum Sana-Klinikverbund gehört.

Quelle: Anja Schneider

Gleichzeitig zeigt sich besonders hier der demografische Trend: Immer mehr ältere Menschen sind auf Hilfe der Ärzte angewiesen. Die DNN sprachen mit Geschäftsführer Stefan Todtwalusch über Operationen, Mediziner-Boni, Patientenandrang und den Tod in einer modernen Gesellschaft.

Frage: Ein 20-jähriges Jubiläum ist ein Grund zu feiern. Gilt das auch für ein Krankenhaus?

Stefan Todtwalusch: Menschen feiern ihren Geburtstag, weil sie sich freuen, wie sie sich entwickelt haben. Das gilt auch für uns. Wir schreiben jedes Jahr schwarze Zahlen. In Sachsen ist es der Politik nach der Wende gelungen, eine lebensfähige Krankenhaus-Infrastruktur aufzubauen. Vor 20 Jahren gegründet, können wir unsere Entwicklung heute als Erfolgsgeschichte bezeichnen.

Warum?

Was wir heute tun, war vor 20 Jahren nicht denkbar. Keiner hat damals geahnt, dass es einmal möglich ist, Herzklappen mit einem Katheter über eine kleine Öffnung in der Leiste einzusetzen. Früher musste immer der Brustkorb geöffnet werden. Wir können medizinische Innovationen anbieten und sind gleichzeitig eine feste Größe bei der Versorgung von Herzpatienten geworden.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind im Freistaat Todesursache Nummer 1. Werden die Sachsen immer kränker?

Nun, das würde ich nicht so formulieren. Die Menschen werden immer älter und somit anfälliger. Das Durchschnittsalter der Patienten in unserer Kardiologie betrug 2014 knapp 70 Jahre, in der Herzchirurgie genau 68 Jahre. Zur Altersdimension kommt die Tatsache, dass die Behandlungsmöglichkeiten gestiegen sind. Minimalinvasive OPs bekommen heute Menschen, die früher gestorben wären. Etwa 350 Eingriffe dieser Art führen wir mittlerweile jedes Jahr durch.

Wie hoch ist die Zahl der Herzpatienten?

Im vergangenen Jahr haben wir etwa 9800 Menschen stationär bei uns behandelt. Im Jahr 1995 sind es mit 3100 Fällen nur etwa ein Drittel der heutigen Patientenzahl gewesen. Insgesamt etwa 40 000 Männer und Frauen sind seit unserem Bestehen mit Herz-Lungen-Maschine operiert worden. Ambulant behandeln wir jedes Jahr etwa 14 000 aus der gesamten Region Ostsachsen. Wir sind zu über 95 Prozent ausgelastet. Im jetzigen Gebäudebestand können wir nicht mehr Menschen aufnehmen. Deswegen planen wir auf unserer letzten freien Fläche einen Erweiterungsbau für 30 zusätzliche Betten. Das Gesundheitsministerium fördert den Bau mit 5,15 Millionen Euro. Zudem entsteht ein neues Herzkatheter-Labor für die Rhythmologie, die sich mit der elektrischen Erregung des Herzens beschäftigt. Hier ist es uns gelungen, mit Christopher Piorkowski einen der weltweit renommiertesten Experten nach Dresden zu holen.

Es gibt oft Kritik, dass in Deutschland zu viel operiert wird.

Ja, die Diskussionen gibt es. Allerdings wäre ich hier vorsichtig zu pauschalisieren. Wenn ein Auto kaputt ist, können Sie das sofort erkennen, bei Menschen ist das anders. Den Vorwurf würde ich niemanden unterstellen. Einen ganzen Berufsstand zu diffamieren, halte ich nicht für angemessen. Wichtig ist, dass man sogenannten Zielvereinbarungen für Ärzte kritisch gegenübersteht, das tun wir auch. Die Gehälter unserer Chef- und Oberärzte sind nicht an die Anzahl ihrer Operationen geknüpft. Das halte ich auch für in Ordnung. Diesen (Effizenz)Überlegungen wollen wir unsere Ärzten nicht aussetzen.

Ist es ethisch vertretbar, einem 86-Jährigen einer großen OP zu unterziehen?

Ist es ethisch, dies nicht zu tun? Das ist eine Frage, die sich die Gesellschaft beantworten muss. In Deutschland stehen allen Menschen alle Behandlungsmöglichkeiten offen. In andern Ländern werden die medizinischen Optionen mit dem Alter eingeschränkt. Der Frage, wie viel und welches Leben wir uns als Gesellschaft erlauben, müssen wir uns dringend stellen. Natürlich gibt es immer wieder Grenzfälle. Aus diesem Grund haben wir uns dem Ethik-Komitee des Uniklinikums angeschlossen. Ein Krankenhaus ist ein Ort, in dem generell geboren und gestorben wird. Bei uns wird nur gestorben, weil wir keine Geburtenstation haben. Bei der Trauerbewältigung lassen wir unsere Mitarbeiter nicht allein. Pfarrer und Fachkräfte bieten Unterstützung in den Stunden des Abschieds.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.03.2015

Katrin Tominski

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