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22-jähriger Jannik Harneit gibt bei "Gasparone"-Premiere am Dresdner Haus sein Debüt in der Räuberoperette

22-jähriger Jannik Harneit gibt bei "Gasparone"-Premiere am Dresdner Haus sein Debüt in der Räuberoperette

Mit gerademal 22 Jahren dürfte der in der Nähe von Lüneburg geborene Tenor Jannik Harneit derzeit jüngster Sänger im Ensemble der Staatsoperette Dresden sein.

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Jannik Harneit

In der Operette "Gasparone" von Carl Millöcker, die gerade von Matthias Oldag inszeniert wird, singt, spielt und tanzt er einen flotten jungen Partygeist, der immer gerade nicht da ist, wo er sein sollte. Das ärgert besonders seinen Vater, denn der möchte das Frischfleisch des Nachwuchses gerne als Köder nutzen, um eine verwitwete Gräfin wieder in den Ehestand zu bringen und sich so deren Millionen zu sichern. Wir sind in der Operette, eine mit Räuberpersonal dazu, es kommt anders und geht dennoch gut aus.

Für den jungen Sänger Jannik Harneit, der auch privat ein flotter Typ ist mit strahlend blauen Augen und lässig auf den Hüften sitzenden Hosen, bietet die Rolle beste Gelegenheit, sich erstmals in einem so versierten Ensemble wie dem der Dresdner Staatsoperette auszuprobieren. Er findet, dass er unverschämtes Glück habe, eben jenen Konflikt zwischen Vater und Sohn spielen zu können, der ihm selbst ja alles andere als fremd sein dürfte, auch wenn es im alltäglichen Leben nicht immer um millionenschwere Witwen gehe. Aber dass Söhne gerne andere Wege gehen, als für sie Väter planen, das kennt man ja.

Aber kennt man im Alter von 22 Jahren auch Operetten? Interessiert man sich dafür? Nein, ein Operettenspezialist sei er nicht, sagt Jannik Harneit, für ihn bedeute diese Gattung, insbesondere die aktuelle Rolle in "Gasparone", so etwas wie das Feld des künstlerischen Überganges von den klassischen Formen der Opern, der heiteren insbesondere, hin zu den vielfältigen Formen des Musicals und weiter vielleicht zu ganz neuen Möglichkeiten im unterhaltenden Musiktheater der Zukunft.

Und eigentlich ist es ja auch das Musical, zu dem es den jungen Tenor zieht. Es liegt ihm, zu singen und zu tanzen. Und über das Musical ist der Student der Bayerischen Theaterakademie August Everding auch zu seiner ersten Operettenrolle in Dresden gekommen. Beim letzten Bundeswettbewerb Gesang erhielt er in der Musicalsparte den Förderpreis, und Intendant Wolfgang Schaller bot den praktischen Teil der Förderung dazu an. Wer könnte da nein sagen?!

In einem Jahr ist das Studium zu Ende, und praktische Erfahrungen können nur hilfreich sein für den weiteren Weg, der vielleicht an ein Stadttheater führt und Vielseitigkeit im Musiktheater verlangt. Seinem Münchner Gesangslehrer Andreas Kohn ist Jannik Harneit dankbar für das gute Fundament und für die Breite der Anforderungen. Um seine Möglichkeiten auszuloten, musste der Student schon mal Taminos große Arie aus Mozarts "Zauberflöte" studieren.

Mit Begeisterung spricht er von den Begegnungen mit der großartigen Sängerin Vicki Hall, die sich nach Beendigung ihrer Opernkarriere - in Dresden sang die Amerikanerin anlässlich der ersten Musikfestspiele die Sophie in "Der Rosenkavalier" - ganz der Ausbildung widmete und die Münchner Musicalsparte an der Theaterakademie leitet. Ein solcher Weg vermittelt ja auch, wie vielseitig die Ausbildung sein muss, wie wesentlich frühe praktische Erfahrungen sind, und die gibt es in der Arbeit mit den Dresdner Kollegen reichlich.

Und früh hat es Jannik Harneit auch schon gepackt und seitdem nicht mehr losgelassen, das Musical-Fieber. Die Eltern besuchten mit dem Sechsjährigen in Hamburg eine Aufführung "Cats", das traf wie ein Paukenschlag, das will ich auch, und es gab kein Halten. Musicalprojekte in der Schule, Statisterie, Chor und kleine Rollen am Stadttheater in Lüneburg und sogar erste Kinderrollen, etwa in "Emil und die Detektive", am Hamburger Operettenhaus, wo der Traum mit "Cats" begonnen hatte. Bald war klar, privater Gesangsunterricht und Gelegenheitsauftritte reichen nicht mehr, der Sprung in die professionelle Ausbildung gelingt, nach etlichen Studioproduktionen im Münchner Prinzregententheater, letzten Sommer auch als Russe Fedja in "Anatevka" auf die große Open-Air-Bühne bei den Festspielen in Bad Hersfeld.

Ja und jetzt möchte man gerne die Daumen drücken, dass in Dresden auch der Sprung ins Operettenfach gelingen möge, als kleiner Gigolo Sindolfo, immer unterwegs und immer genau in eine andere Richtung, als Vater Nasoni, Podestá von Syrakus es möchte. Jannik Harneit freut sich auf seinen Operettenstart, und er freut sich, dass der ihn nach Dresden geführt hat. Von der Stadt ist er begeistert, Kunst in der Altstadt, Kneipen in der Neustadt. Trotz knapper Freizeit, für einen Ausflug in die Sächsische Schweiz hat es gereicht, da sind dem gebürtigen norddeutschen Flachländer die Augen ganz schön aufgegangen.

Und wir machen die Augen auch groß auf, wenn sich der Operettenvorhang öffnet zum heiteren und musikalisch ausgesprochen schwungvollen Spiel um richtige und falsche Räuber unter der südlichen Sonne Siziliens. Lassen wir uns überraschen, denn unter dieser Sonne gedeihen weitaus mehr Gewächse und Blüten als nur die bekannten dunkelroten Rosen.

Carl Millöcker, "Gasparone", Operette in drei Akten: Premiere an der Staatsoperette am Freitag, 19.30 Uhr. Dirigent: Christian Garbosnik, Regie: Matthias Oldag

www.staatsoperette-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.10.2012

Boris Michael Gruhl

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