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22 Bohrlöcher im Weg der Roten Fahne: Denkmalschützer bemängelt Umgang

22 Bohrlöcher im Weg der Roten Fahne: Denkmalschützer bemängelt Umgang

Der "Weg der Roten Fahne" scheint unergründlich. Hatte die Stadt erst kürzlich angekündigt, das seit 1996 geschützte Mosaik-Wandbild nach den Umbau des Kulturpalastes im August zu restaurieren, kommt nun eine ungemütliche Wahrheit ans Tageslicht: Das Denkmal ist durch die Bauarbeiten bereits beschädigt.

Genau 22 Anker wurden für das Fassadengerüst in die Fugen des Wandbildes gebohrt. Darüber informiert ein internes Protokoll, dass der DNN vorliegt. Demnach könnten sich Erschütterungen des Gerüstes direkt auf das Denkmal übertragen und zu langfristigen Schäden führen. Außerdem sei die Sicherheit nicht gewährleistet, da einige Anker nicht in der dicken Ziegelwand, sondern lediglich im Wandbild befestigt sind.

"Das Problem wird uns per Lippenbekenntnis bestätigt, leider ist bislang nicht gehandelt wurden", sagte Thomas Danzl von der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) Dresden. Der Professor für Konservierung und Restaurierung von Wandmalerei und Architekturfarbigkeit hatte mit seinen Kollegen die Restaurierung des Wandbildes vorbereitet. "Die Zusammenarbeit war prima", erinnert sich Danzl. Doch vor dem Aufbau des Gerüstes sei der Kontakt abgebrochen. "Offensichtlich wurde unsere restauratorische Begleitung nicht mehr als notwendig angesehen", erklärte Danzl. "Die Schadensdynamik lässt sich definitiv nicht abschätzen", sagte auch Anne Hierholzer, Diplom-Restauratorin und Mitarbeiterin der HfBK. Eine Bestandsaufnahme - in Form einer sogenannten Kartierung - der Bausubstanz liege zwar vor. Bisher fehlten jedoch Vorkehrungen, um die Auswirkungen der baubedingten Erschütterungen auf das Wandbild beobachten zu können. Maßnahmen dazu würden von den Restauratoren seit Baubeginn immer wieder dringend empfohlen. "Es handelt sich jetzt um eine Black Box, sollte ein Schaden entstehen", sagte Danzl. Der Professor kann den "lapidaren" Umgang mit modernen Denkmälern nicht verstehen. "Warum werden Denkmäler der Moderne und Postmoderne nicht so behandelt, wie andere Denkmale auch?"

Einwände kamen auch vom Landesdenkmalamt: "Bei der Begutachtung des Kunstgutes zu Beginn der Planungen waren wir involviert. In der Bauausführung sind wir jedoch verwundert gewesen", erklärte Torsten Nimoth aus dem Referat Restaurierung, Wandmalerei und Architektur des sächsischen Landesdenkmalamtes. "Wir möchten als Fachbehörde, dass der Bau restauratorisch begleitet wird." Jetzt müsse geklärt werden, ob die Anker so tief befestigt seien, dass sich Erschütterungen nicht negativ auf das Wandbild auswirken können. Die Ergebnisse würden in zwei bis drei Wochen erwartet. Zudem solle geklärt werden, wie das Denkmal künftig ausreichend geschützt werden kann.

Thomas Löther vom Institut für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen (IDK) hat ein Gutachten zur Substanz des Wandbildes im Vorfeld der Bauarbeiten erstellt. Er sieht die Gefahr in der Statik. "Das Gefährliche ist, dass die Verankerung nicht im tragenden Mauerwerk, sondern innerhalb der Bildplatten erfolgte", sagte Löther. "Der Verbund zwischen Bildplatten und tragendem Mauerwerk ist nach derzeitigem Wissen nicht ausreichend belastbar."

Die Stadt Dresden bestätigt die Bohrungen gegenüber den DNN. "Beim Aufbau von Fassadengerüsten mit vollflächigen Verkleidungen durch Planen, bestehen - infolge Windbelastung - höhere statische Anforderungen", teilte Stadtsprecher Karl Schuricht im Auftrag des Amtes für Kultur- und Denkmalschutz mit. Deshalb habe man das Gerüst auch im Wandbild verankern müssen. Die Bohrungen für die Dübel seien jedoch lediglich in den Plattenfugen angelegt. "Teilweise wurden bereits vorhandene Dübellöcher genutzt", sagte Schuricht. Diese seien bereits in den vergangenen Jahren bei der Reinigung des Wandbildes und beim Spannen des grünen Schutznetzes entstanden. Die Stadt gestand jedoch ein: "Im gegenwärtigen Bauprozess besteht weiterhin grundsätzlich die Gefahr von Schäden durch baubedingte Erschütterungen", so Schuricht. Dies besage ein Gutachten.

Die Vorwürfe einer mangelnden Zusammenarbeit wies das Amt für Kultur- und Denkmalschutz zurück. Bei einer Begehung der Baustelle am 20. Juni seien Restauratoren und Mitarbeiter des Instituts für Diagnostik anwesend gewesen. Es sei gemeinsam festgestellt worden, dass bei einer "ordnungsgemäßen Verankerung des Gerüstes im Fugenbereich des Wandbildes bis in die tragende dahinterliegende Wandkonstruktion keine Gefährdung für das Wandbild besteht". Die Restauratoren kontern: Zu diesem Zeitpunkt habe das Gerüst schon längst gestanden. Bei dem Treffen, sei es nicht darum gegangen, im Vorfeld das Vorgehen zu besprechen, sondern im Nachhinein die Schäden einzuschätzen.

In einer neuen Baustellenbegehung mit Gerüstbauer, Bauherr und Bauleitung soll in den nächsten Wochen nun geklärt werden, ob die Anker tief genug befestigt sind. Sei dies nicht der Fall, würden laut Stadt "gegebenenfalls Korrekturen nötig". Es könnte also sein, dass das Gerüst am "Weg der Roten Fahne" wieder abgebaut werden muss.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.07.2014

Katrin Tominski

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