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2020 könnte der Neumarkt komplett sein: Dresdens Stadtplaner im Interview

2020 könnte der Neumarkt komplett sein: Dresdens Stadtplaner im Interview

Die Stadt Dresden steht kurz vor dem Verkauf ihres letzten großen Grundstücks am Neumarkt. Öffentliche Flächen sind gestaltet bzw. es existiert die Planung dafür.

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Vier große freie Flächen (im Bild rechts vor dem Polizeipräsidium und Mitte hinter dem Kulturpalast) müssen noch bebaut werden, um dem Neumarkt ein harmonisches Bild zu geben.

Quelle: Schulter

In dieser Phase des großen Endspurts stellte DNN-Mitarbeiterin Genia Bleier Dipl.-Ing. Stefan Szuggat einige Fragen. Der gebürtige Kieler, der an der TU Dortmund ein Studium der Raumplanung absolvierte, ist seit 2011 Amtsleiter im Stadtplanungsamt der Stadt.

Herr Szuggat, sehen Sie die Wiederbelebung des Neumarkts als eine Erfolgsgeschichte an, die auch anderen Städten Vorbild sein kann?

Den Wiederaufbau am Neumarkt sehe ich als Erfolgsgeschichte. Die Quartiere und die dort gewünschten Leitbauten und Leitfassaden entstehen anders als beispielsweise in Frankfurt/Main einzig durch private Vorhabenträger. Der Markt hat also die Wiederbelebung selbst getragen. Die Entstehungszeit liegt in Dresden bemerkenswerter Weise noch vor dem durch den eingesetzten Bevölkerungszuwachs ausgelösten Entwicklungsimpuls. Auch parallele Investitionen in der übrigen Innenstadt haben keine begrenzenden Signale für die Wiederbelebung gesetzt. Das Ziel der Wiedergabe eines Stadtraumes, der im Mittelalter fußt und seine Ausprägung in der Renaissance und im Barock erhielt, konnte umgesetzt werden. Die besondere Lage schafft sich ihre eigene Wertigkeit. Dieser bekannte immobilienwirtschaftliche Effekt lässt sich nicht beliebig auf andere Städte oder Standorte übertragen.

Was ist Ihrer Meinung nach besonders gelungen, welche Mängel haben sich gezeigt?

Die Wiederherstellung der Raumstruktur der historischen Straßen und Plätze um die Frauenkirche konnte mit sehr geringen Abweichungen umgesetzt werden. Die historischen Raumfolgen sind somit wieder erlebbar, das Verhältnis zwischen der Frauenkirche, den Plätzen und den umliegenden Quartieren ist wieder sichtbar. In der Tat tragen aber die Rekonstruktionen der historischen Straßen in ihrer geringen Bemessung sowie die Rekonstruktion von Gebäuden durch die notwendige Anwendung auf zeitgemäße Nutzungen Konflikte in sich. Heutige Erwartungen an Wohnkomfort, Mobilität, Konsum und Energiehaushalt führten immer wieder zu Widersprüchen in Bezug auf die engen Maße der historischen Straßenräume, Grundrisse, Fassadenrekonstruktionen, Öffnungsgrößen und Materialität der Fassaden sowie die Möglichkeit, historische Kellersubstanz in die neue Bebauung zu integrieren.

Warum konnte sich kein wirklich herausragendes modernes Gebäude am Neumarkt behaupten?

Das ist Ihre Behauptung, ich sehe das anders. Der Reiz des historischen Gebäudeensembles war nicht von der Einzigartigkeit jedes einzelnen Gebäudes bestimmt, sondern vielmehr von einem Zusammenspiel der einzelnen Gebäude durch gestalterische Bezüge untereinander zu einer Art "vielfältiger Einheit". Die Frauenkirche ist in dem Ensemble durch reine Größe herausragend und das ist so genau richtig. Die Maßstäblichkeit und die kleinteilige Vielfalt der Umgebung unterstreicht gerade diese Wirkung. Auch die modernen Gebäude ordnen sich gezielt in dieses Ensemble ein und ich bin der Meinung, dass wir inzwischen auch eine ganze Reihe moderner Fassaden im Gebiet finden, die sich, jede für sich, geschickt und innovativ zwischen den Leitbauten und Leitfassaden einordnen - aber ich gebe Ihnen insofern recht, hier zählen vielleicht nicht immer nur die großen Gesten.

Wären andererseits nicht mehr historische Keller und andere Bauteile erhaltenswert gewesen?

Grundsätzlich sind die historischen Keller die wichtigste materielle Verbindung mit der Geschichte des Neumarkts vor 1945. Dennoch stellt sich auch hier die Frage für Bauherren und Nutzer, wie sich die Integration der historischen Bausubstanz mit den Erwartungen und Anforderungen an heutige Nutzungen, beispielsweise die Unterbringung von Pkw, verbinden lassen. Als Stadt unterstützen wir nach einer bautechnischen und finanziellen Überprüfung den Erhalt von denkmalgeschützten Kellern in Verbindung mit den Leitbauten durch die Übernahme der Mehrkosten (bis dato hat die Stadt hierfür 880 000 Euro eingesetzt). Nicht alle Keller sind aber im besonderen Maße erhaltenswert.

2004 begann die Neubelebung des Platzes - neben dem Bau der Frauenkirche. Zehn Jahre später klaffen immer noch große Lücken - ein angemessener Zeitrahmen für das Projekt?

Auf der einen Seite soll der Wiederaufbau am Neumarkt schneller vorangetrieben werden, auf der anderen Seite sollen keine vorschnellen Lösungen umgesetzt werden. Beide Kritikansätze sind durchaus nachvollziehbar, lassen sich aber nur schwer verbinden. Aus meiner Sicht ist es erstaunlich, was binnen zehn Jahren entstanden ist!

Errichtet wurden die Quartiere I, II, in Teilen III, IV, V.2 sowie VIII.1 und 2. Lediglich die Quartiere V.1, VI, VII.1 und 2 fehlen noch, sind aber bereits überwiegend mit konkreten Vorhaben untersetzt. Für die Bauabläufe untereinander stellt das "Nacheinander bauen" von öffentlichem Raum und quartiersweisem Hochbau eine Erleichterung dar. Letztendlich baut die Stadt nicht selbst und so liegt die Umsetzung einerseits in der Verantwortung der einzelnen Akteure und ist andererseits Spiegel des Immobilienmarktes.

Welches Objekt am Neumarkt sollte aus stadtplanerischer Sicht unbedingt bald gebaut werden?

Wir gehen zuerst davon aus, dass die im städtebaulich-gestalterischen Konzept vorgesehenen Quartiere mit den Leitfassaden und Leitbauten realisiert werden. Da es sich um eine Ensemblewirkung handelt, die durch die Quartiere entsteht, kann es nicht darum gehen, ein Einzelobjekt zu benennen. Aber selbstverständlich sind in diesem Zusammenhang Gebäude wie das Dinglinger Haus und das Regimentshaus am Jüdenhof oder die Leitfassaden in der Frauenstraße und Schloßstraße wichtige Komponenten.

Sind Sie mit der Anbindung des Areals an das städtische Umfeld zufrieden oder wo liegen die Schwachstellen?

Mit der Bebauung der letzten Quartiere bin ich zuversichtlich, dass wir einen lebendigen und funktionierenden Stadtteil haben werden. Ich sehe auch einen großen Wert darin, dass das Ensemble tatsächlich als Wiederaufbau im gesamtstädtischen Zusammenhang ablesbar ist. Es bleibt eine Herausforderung, die Übergangsbereiche hinter dem Kulturpalast und entlang der Wohnbebauung an der Wilsdruffer Straße mit hoher Aufenthaltsqualität zu gestalten.

Dresdner wünschen sich häufig mehr Grün und mehr Sitzgelegenheiten auf dem Platz. Was fehlt noch, um ein wirklicher Lebensraum zu werden?

Eben diese Wünsche vieler Dresdner sind inzwischen bereits Teil der Planung. Als Teilergebnis des Bürgerdialogs "Dresdner Debatte" ist auf dem historischen Gewandhausgrundstück eine Begrünung mit schattenspendenden Bäumen, Bänken und einem Trinkbrunnen vorgesehen. Dies ist ein Beitrag, um den Neumarkt als Treffpunkt für Dresdner und Besucher zu stärken. Der Abschluss des Wiederaufbaus ist dann tatsächlich nur als Anfang zu verstehen, denn die neuen Stadtquartiere wollen mit nachhaltigem Leben und Wirken - sowohl der Geschichte als der Zukunft verpflichtet - erfüllt werden.

Wann sollte der Neumarkt spätestens fertig bebaut sein?

Diese Frage können wir nur gemeinsam mit den tatsächlichen Akteuren beantworten. Wenn es uns gelingt, die Ziele gemeinsam zu verfolgen und umzusetzen, können wir um 2020 durch die fertiggestellten Quartiere flanieren.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.05.2014

Bleier, Genia

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