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20 Jahre "arche noVa": Von Haiti bis Japan - Helfer aus Dresden in Krisengebieten unterwegs

20 Jahre "arche noVa": Von Haiti bis Japan - Helfer aus Dresden in Krisengebieten unterwegs

Ein ausgedienter Lkw der DDR-Volksarmee, mit Fußbällen, alten Hemden und Medizingeräten bepackt - so sah vor knapp 20 Jahren die erste Hilfslieferung nach Irakisch-Kurdistan aus.

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Eine vom Verein Arche noVa installierte Trinkwassernanlage auf Haiti.

Quelle: Universität Potsdam

Drei Wochen lang waren Sven Seifert und seine Freunde damals unterwegs, fuhren 6000 Kilometer durch Wüsten und Gebirge, passierten elf Ländergrenzen. „Es war chaotisch und eher ein großes Abenteuer“, erinnert sich der Geschäftsführer der Dresdner Hilfsorganisation „arche noVa“. Inzwischen hat sich der kleine Haufen Idealisten zu Ostdeutschlands größter Hilfsorganisation gemausert.

„Den Idealismus haben wir behalten, sind aber professionell geworden“, sagt der 49-Jährige mit den langen blonden Haaren und den stechend blauen Augen. Längst laufen die Projekte koordiniert und durchgeplant, das Spendenkonto wächst, die Organisation ist anerkannt vom Auswärtigen Amt und Unicef. Seifert, gelernter Schlosser und Diplomingenieur, ist Entwicklungshelfer aus Leidenschaft. „Eigentlich wollte ich schon immer in diesem Bereich arbeiten, deshalb habe ich damals mit anderen den Verein gegründet.“

Etwa zehn Teilzeitkräfte arbeiten heute für „arche noVa“, zudem zahlreiche freiwillige Helfer, die auf Abruf für Auslandseinsätze bereit stehen. Allein in diesem Jahr gingen rund 470.000 Euro an Spendengeldern ein, erst kürzlich hat der Verein mit 115.000 Euro die größte Spendensumme seit seiner Gründung erhalten. Wenn irgendwo die Erde bebt, erfährt es Seifert in weniger als zehn Minuten per SMS. „Wir sind an das internationale Erdbebenwarnzentrum angeschlossen“, erklärt er.

Zuletzt blinkte es rot - die höchste Warnstufe - bei Haiti und Japan. Dann muss es schnell gehen: Die Helfer beraten sich untereinander und sprechen sich mit dem Bündnis „Deutschland hilft“ ab, das die Einsätze deutscher Organisationen im Ausland koordiniert. In ein bis zwei Tagen sind „arche noVa“-Helfer dann vor Ort.

Seifert leitet die Auslandseinsätze. Dafür ist er etwa drei bis vier Monate pro Jahr auf der ganzen Welt unterwegs. Die Helfer bauen Brunnen, errichten Regenwasserspeicher, Sanitäranlagen oder sorgen mit mobilen Trinkwasseranlagen, die je rund 500 Liter sauberes Wasser pro Stunde produzieren, für die Versorgung der Menschen in Krisengebieten. Derzeit hilft die „arche“ in neun krisengeplagten Ländern, darunter Sri Lanka, Pakistan, Kongo, Haiti und Japan.

Es gibt vor Ort zwar deutsche Projektleiter. „arche noVa“-Helfer aber setzen vor allem auf Unterstützung aus den Dörfern oder Flüchtlingslagern. „Wir wollen nicht als Weiße auftreten, die alles besser wissen“, sagt Seifert. Vielmehr gehe es darum, mit den Menschen zu sprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. „Das Wissen soll schließlich im Land bleiben.“

Immer wieder geraten die Helfer dabei auch in gefährliche Situationen. Wie in den 1990er-Jahren, als sie eine Spende von zehn Tonnen Dresdner Christstollen für Hungernde in Bosnien auslieferten. Mitten im Kriegsgebiet wurden sie von Heckenschützen beschossen. „Wir haben uns gerettet, weil wir in einen Straßengraben gesprungen sind“, erinnert sich Seifert.

Die Arbeit als Entwicklungshelfer ist hart. Dabei erleben sie nicht nur das Leid der Opfer, sondern müssen ständig auch gegen bürokratische Hürden und Korruption kämpfen. „Aber es gibt ja zum Glück vieles, was einen antreibt“, sagt Seifert. Ein gutes Team, der Gedanke, den Menschen zu helfen und etwas Sinnvolles zu tun. „Und immer mal wieder ein Abenteuer zu erleben.“

dpa, Christiane Raatz

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