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18 weiße Särge auf der schwarzen Dresdner Elbe

Särge für Lampedusa 18 weiße Särge auf der schwarzen Dresdner Elbe

Am Tag der Deutschen Einheit ließen 15 Demonstranten 18 Särge unterhalb der Dresdner Albertbrücke zu Wasser. Mit der Aktion wollten die jungen Aktivisten die prekäre Lage an Europas Außengrenze anprangern und der Schiffskatastrophe vor Lampedusa gedenken. Die DNN sprachen mit zwei von ihnen.

Am 3. Oktober 2013 ertranken 390 Menschen im Mittelmeer vor Lampedusa – 15 Aktivisten gedachten der Opfer mit einer Protestaktion.
 

Quelle: Paul Felix Michaelis

Dresden.  Am Tag der Deutschen Einheit ließen 15 Demonstranten 18 Särge unterhalb der Dresdner Albertbrücke zu Wasser. Mit der Aktion wollten die jungen Aktivisten die prekäre Lage an Europas Außengrenze anprangern und der Schiffskatastrophe vor Lampedusa gedenken. Die DNN sprachen mit zwei von ihnen.

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15 Aktivisten gedenken der 390 Ertrunkenen von Lampedusa. Die DNN waren vor Ort und begleiteten die Aktion.

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Wer seid ihr?

Clara G.*: Wir sind eine Gruppe von Freunden, Nachbaren und Bekannten. Uns verbindet Frustration – Frustration über die deutsche und europäische Abschottungspolitik. Frustration über Rassismus in der Gesellschaft. Frustration darüber, dass für viele der eigene Wohlstand und ein Leben ohne Veränderungen wichtiger sind als Menschenleben.

Und die Motivation lässt uns aktiv werden, denn wir geben uns nicht geschlagen und wollen dazu beitragen, die Welt offener werden zu lassen!

Simon K.*: Wir wollen unseren Unmut ausdrücken und mit kreativen Aktionen Menschen zum Nachdenken bewegen.

Wie kamt ihr auf die Idee?

Clara G.: Die Idee ist während einer Diskussion entstanden. Vor drei Jahren löste das Bootsunglück vor Lampedusa noch große Bestürzung in den Medien, bei Politikern und natürlich auch bei meinen Freunden und mir aus.

Aber neulich erschrak ich vor mir selbst: Am 21. September starben wieder viele Menschen im Mittelmeer, aber statt traurig, wütend und bestürzt zu sein, überflog ich den sehr kurzen Bericht nur.

Simon K.: Wir wollen nicht, dass es normal ist, wenn Männer, Frauen und Kinder im Mittelmeer ertrinken. Wir wollen nicht in einer Gesellschaft leben, die es kalt lässt, wenn Flüchtlinge sterben. Und wir wollen nicht weiter hinnehmen, dass diese Flüchtlinge aufgrund deutscher Asylpolitik sterben. Deswegen hatten wir die Idee mit den Särgen, um greifbar zu machen, dass es nicht um Zahlen, sondern um Menschenleben geht.

Was erhofft ihr euch von der Aktion?

Clara G.: Wenn Menschen im Mittelmeer ertrinken, dann ist das sehr weit weg. In der Zeitung stehen bloß Zahlen: Wieder soundso viele Tote. Wir hoffen, dass unsere Aktion Menschen betroffen macht. Ihnen soll bewusst werden, zu welchem Preis wir versuchen, unseren Wohlstand und unsere Privilegien zu schützen.

Warum zur Einheitsfeier?

Simon K.: Es gibt mehrere Zusammenhänge. Am 3. Oktober jährt sich das Bootsunglück von Lampedusa zum dritten Mal. Während hier in Deutschland gefeiert wurde, sind 390 Menschen im Mittelmeer ertrunken. Immer noch sterben fast täglich Menschen an Europas Außengrenzen.

Clara G.: Außerdem wird auch der Fall der Mauer gefeiert. Aber wie können wir ein Deutschland ohne Grenze feiern und gleichzeitig riesige Grenzzäune durch und um Europa bauen, an denen Menschen sterben? Das widerspricht sich offensichtlich! Durch die Medienpräsenz hoffen wir, mehr Menschen auf diesen Widerspruch aufmerksam zu machen.

Wie sieht euer Engagement aus?

Simon K.: Die meisten von uns engagieren sich ehrenamtlich in Vereinen oder Initiativen. Wir versuchen möglichst oft an Demonstrationen für eine offene Asylpolitik, gegen Rassismus und rassistische Bewegungen wie Pegida teilzunehmen.

Plant ihr weitere Aktionen?

Clara G.: Sicherlich sind noch viele solcher Aktionen von vielen verschiedenen Menschen und Gruppen nötig, um etwas zu verändern. Und Grund für solche Demos gibt es in Dresden, Bautzen, Heidenau, Bischofswerda und Claußnitz leider immer und immer wieder.

Was muss die Gesellschaft ändern?

Clara G.: Mit sehr großer Sorge sehen wir die rassistischen und menschenfeindlichen Strömungen. Diesen muss immer und immer wieder widersprochen werden. Und da sind wir alle gefragt. Fremdenfeindliche Äußerungen bei einer Familienfeier? Widerspruch! Rassistische Beleidigungen in der Bahn? Widerspruch! Rassistische und geschmacklose Witze auf Arbeit? Widerspruch! Wer sich argumentativ dem Gegenüber nicht gewachsen fühlt, sollte sich informieren. Wir dürfen nicht zulassen, dass rechtes Gedankengut noch salonfähiger wird.

Simon K.: Und wir hoffen auf Mitgefühl. Es geht hier nicht um Zahlen, sondern um Menschen geht – Menschen mit Sehnsüchten, Sorgen, Träumen, Ängsten und Hoffnungen. Menschen von unschätzbarem Wert. Menschen wie du und ich.

Was würdet ihr den Politikern gerne ausrichten?

Simon K.: Wir fordern, dass alle Ankommenden die Möglichkeit erhalten, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Es kann nicht sein, dass das Recht auf Asyl immer weiter ausgehöhlt wird. Weil angeblich die Infrastruktur nicht ausreicht, um allen Schutz zu bieten.

Clara G.: Aber das ist nicht die Schuld der Schutzsuchenden, sondern liegt an den Versäumnissen der Regierungen. Wir wollen, dass diese unmenschliche Vorgehensweise ein Ende hat. Es müssen legale, sichere und schnelle Wege nach Europa und Deutschland geschaffen werden.

 *Namen von der Redaktion geändert

Von Paul Felix Michaelis

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