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13. Februar: Dresden will vom Gedenken zum Nachdenken

Bürgerbegegnung statt Gedenkritual 13. Februar: Dresden will vom Gedenken zum Nachdenken

Die Stadt Dresden will den 13. Februar in diesem Jahr verstärkt nutzen, um für Frieden, Demokratie und Menschenrechte zu werben. Die Menschenkette am Jahrestag der Bombardierung Dresdens werde beibehalten, dafür gibt es erstmals keine offizielle Gedenkveranstaltung.

Quelle: dpa

Dresden. Die Stadt Dresden will den 13. Februar in diesem Jahr verstärkt nutzen, um für Frieden, Demokratie und Menschenrechte zu werben. Die Menschenkette am Jahrestag der Bombardierung Dresdens werde beibehalten, dafür gibt es erstmals keine offizielle Gedenkveranstaltung. Stattdessen ist eine Bürgerbegegnung geplant, in der alte wie neue Einwohner der Stadt zum Dialog finden sollen.

„Wir sind sehr gespannt, ob das gelingen wird“, so Matthias Neutzner, Mitglied der AG 13. Februar. Die Frage, die im Zentrum des Dialogs stehe ist, warum und mit welchem Ziel Dresden erinnern soll. Die Veranstaltung ist von 13 bis 16 Uhr im Haus an der Kreuzkirche geplant und stehe jedem Bewohner der Stadt offen, gleich welchen Alters, welcher Religion und welcher Herkunft, so Neutzner über die geplante kritische Auseinandersetzung mit dem Dresdner Gedenken.

Gedenken auf Heidefriedhof wird individuell

Gestrichen ist dafür die offizielle Gedenkzeremonie auf dem Dresdner Heidefriedhof. Man sei mit dem dortigen Ablauf nicht wirklich zufrieden gewesen, sagte Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP). Neutzner sprach von einer „Inszenierung“, die am Ende nicht mehr funktioniert habe. Das offizielle Gedenken wurde in Dresden seit Jahren als unreflektiert kritisiert. Zudem bot es jahrelang Neonazis die Gelegenheit, sich zu inszenieren. Schon 2015 war die Zeremonie zu Gunsten der Feierstunde in der Frauenkirche weggefallen.

Neutzner stellte allerdings klar, dass es trotzdem jedem Dresdner und jeder Gruppierung freistehe, in eigener Initiative zum Heidefriedhof zu kommen. Zudem bereiten verschiedene Gruppen Wege zum Gedenken vor, unter anderem auf Friedhöfen aber auch an anderen Gedenkorten wie der Mathildenstraße oder dem Güterbahnhof Neustadt.

Menschenkette soll erhalten bleiben

Während der Heidefriedhof zur Privatsache wird, hält die AG 13. Februar an der Menschenkette fest, die sich erneut mit erhofft 10.000 Teilnehmern ab 18 Uhr schließen soll. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen in Dresden wird die Route aber leicht verändert. Ausgangspunkt ist erneut der Altmarkt. In diesem Jahr führt die Menschenkette aber erstmals über den Neumarkt, zum Neustädter Elbeufer und danach quer über den Augustusplatz und durch den Zwinger.

Aufruf der AG zum 13. Februar 2016

Die Menschenkette ist ein Symbol für Menschlichkeit und für Respekt vor dem anderen. Sie ist auch ein Zeichen dafür, dass wir eine offene Gesellschaft sind, die sich einander die Hände reicht. Und diese Hände reichen sich, ganz unabhängig davon, wo der Einzelne herkommt, welche Hautfarbe er hat oder welcher Religion er angehört", so Oberbürgermeister Dirk Hilbert.
Die AG 13. Februar lädt alle am Sonnabend, 13. Februar 2016 zu einer Bürgerbegegnung ein, die gemeinsames Erinnern mit Diskussion und Engagement verbinden soll. Anschließend soll mit der Menschenkette ein weit sichtbares Zeichen des Miteinanders gesetzt werden. Die Erinnerung an das millionenfache Leid, welches Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg verursacht haben, soll uns mahnen, die Grundfesten menschlichen Zusammenlebens zu schätzen und zu schützen: Respekt, Menschenwürde, Freiheit, Frieden und Solidarität. Die Würde des Menschen ist unantastbar - sie ist unabhängig vom Ort der Geburt, der Hautfarbe, dem Geschlecht, der Sprache, der Weltanschauung oder der Religion, dem Alter oder dem Einkommen . Niemandem darf diese Würde abgesprochen werden. Wir müssen und wollen gemeinsam handeln. Die Erinnerung an die Zerstörung Dresdens ist Appell, eine lebenswerte Zukunft für alle Menschen in dieser Stadt zu gestalten. Wir danken Ihnen, wenn Sie sich in diesem Sinne engagieren - ob im Beruf, Ehrenamt oder privat - undam 13. Februar an der Menschenkette teilnehmen. Wir laden ein:
13 Uhr: Bürgerbegegnung im Haus an der Kreuzkirche, 17 Uhr: Musikalischer Auftakt durch die Staatsoperette Dresden Ansprachen von Oberbürgermeister Dirk Hilbert und Prof. Dr. Hans Müller-Steinhagen, Rektor der Technischen Universität Dresden und 17.20 Uhr: Aufbau der Menschenkette, 18 Uhr: Zusammenschluss der Menschenkette beim Geläut der Kirchenglocken in der Innenstadt.

Der Theaterplatz gehöre zum demokratischen Gemeinwesen, so Joachim Klose, Moderator der Arbeitsgruppe. Auch Oberbürgermeister Hilbert bestätigte, dass die Route ein klares Signal an die aktuellen Gegebenheiten sei, in denen Pegida den Platz wöchentlich auf Aufmarschort nutzt.

Die Route der Menschenkette 2016

Die Mitglieder der AG 13. Februar verhehlen nicht, dass die Entwicklungen rund um das islam- und fremdenfeindliche Pegida-Bündnis bei den Planungen eine Rolle spielten. Für Oberbürgermeister Hilbert sei die Entwicklung des 13. Februars durchaus ein Vorbild zur aktuellen Situation. Durch die Arbeit der AG und durch viele Dialoge sei es gelungen, beim 13. Februar einen deutlichen Schritt nach vorne zu kommen. Daher setze er auch in der aktuellen Debatte weiter auf den Dialog.

Der soll auch mit dem Bündnis Nazifrei möglich sein, so Moderator Joachim Klose. Die AG 13. Februar stehe einem eventuellen Gesprächsangebot mit Dresden Nazifrei offen gegenüber. Zudem werde man auch in diesem Jahr den Mahngang Täterspuren in den offiziellen Veranstaltungskalender aufnehmen, erhoffe sich dafür, dass Nazifrei seinen Teilnehmern anschließend auf die Menschenkette hinweise.

Dresden Nazifrei besucht mit dem Mahngang Täterspuren Orte der NS-Herraschaft in Dresden um zu zeigen, dass die Stadt kein unschuldiges Opfer im Krieg war sondern ein wichtiger Ort der Nazi-Diktatur. Ob das Bündnis darüber hinaus an diesem Tag gegen Neonazis auf die Straße gehen muss, ist noch unklar. Bisher gebe es eine Anmeldung von Rechts, die sich aber in den vergangenen Jahren jeweils als reiner Platzhalter herausstellte. In den vergangenen zwei Jahren waren die Neonazis auf umliegende Tage ausgewichen.

Stephan Lohse

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