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115 Jahre Dresdner SC: Sportmuseum Friedrichstadt möchte bewegte Geschichte erlebbar machen

115 Jahre Dresdner SC: Sportmuseum Friedrichstadt möchte bewegte Geschichte erlebbar machen

Exakt vor 115 Jahren wurde der Dresdner SC im Dresdner Hotel Stadt Coblenz gegründet. Seither erlebte der Verein Höhen und Tiefen, verschwand für Jahrzehnte sogar komplett von der Bildfläche.

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eine Szene aus dem Halbfinalspiel um die deutsche Meisterschaft zwischen dem DSC und dem Berliner TuFC Union 92 von 1905.

Quelle: Repro Archiv Sportmuseum Friedrichstadt

Nun möchten einige langjährige Fans des Vereins dessen bewegte Geschichte erlebbar machen. Dazu gründeten sie das Sportmuseum Friedrichstadt.

„Vor etwa zehn Jahren habe ich lose damit begonnen, DSC-Andenken zu sammeln“, erinnert sich Initiator Roy Helbig. Zunächst habe er unter anderem Programmhefte und Eintrittskarten aus der Nachwendezeit des 1990 wiedergegründeten DSC zusammengetragen. „Irgendwann bin ich dann auch auf ein paar richtig alte Sachen gestoßen. Das hat mich fasziniert, seitdem sammle ich alles aus der Vereinsgeschichte“, erklärt Helbig.

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Das Friedrichstädter Sportmuseum sammelt zur Geschichte des Dresdner SC. Uns zeigen die Macher einige ihrer Schätze.

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Mittlerweile liegt der Schwerpunkt seines Sammelgebiets in der Zeit vor 1950 – dem Jahr, als mit der Zwangsauflösung des von der SED-Führung ungeliebten, frischgebackenen DDR-Vizemeisters SG Dresden-Friedrichstadt der „alte“ Dresdner SC unterging. Das war der Verein des Weltrekordläufers Rudolf Harbig, der langjährigen Fußballnationalspieler Richard Hofmann und Willibald Kreß sowie des späteren Fußballweltmeistertrainers Helmut Schön.

Funde aus den Gründungsjahren

„Extrem interessant für mich sind natürlich die Gründungsjahre bis hinein in die 1920er“, berichtet Helbig. Eines seiner ältesten Stücke ist eine Postkarte vom Juni 1905, die eine Szene aus dem Halbfinalspiel um die deutsche Meisterschaft zwischen dem DSC und dem Berliner TuFC Union 92 zeigt. Für den Wettbewerb hatte sich Dresden durch den Gewinn seiner ersten mitteldeutschen Meisterschaft qualifiziert. Das Spiel ging mit 5:2 an den späteren deutschen Meister aus Berlin, der damals erst sieben Jahre alte DSC war letztendlich immerhin Meisterschaftsdritter geworden – ein erster von vielen überregionalen Erfolgen.

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1934 gastierte das heutige Real Madrid in Dresden.

Quelle: Repro Archiv Sportmuseum Friedrichstadt

Allerdings sammelt Helbig nicht nur Fußballutensilien, sondern auch Memorabilia aller anderen DSC-Abteilungen. So besitzt er beispielsweise Ehrenpokale sowie Medaillen aus Speerwurf- und Weitsprungwettbewerben des Jahres 1926, an denen DSC-Athleten erfolgreich teilgenommen hatten. Als Leihgabe findet sich ein Wimpel zum 30-jährigen Bestehen des Sportclubs aus dem Jahr 1928 in seinen Beständen. Auch Biergläser und alte Anstecknadeln aus der Zeit vor 1945 gehören zu seiner Sammlung.

Sein Interesse teilt Helbig mit mehreren Mitstreitern. Thomas Roesner beispielsweise ist Experte für Programmhefte, die er in die Sammlung einbringt. „Insgesamt haben wir deutlich über 1000 Einzelstücke aus der DSC-Geschichte“, schätzt Roy Helbig. Als einer seiner großen Schätze bezeichnet er eine Fotomappe vom Meisterschaftsendspiel am 18. Juni 1944, das der DSC im Finale im Berliner Olympiastadion mit 4:0 gegen den Luftwaffen-SV Hamburg für sich entschied.

Der Dresdner SC profitierte dabei von den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs. Viele gegnerische Mannschaften litten noch stärker unter fronteinsatzbedingtem Spieler- und Ausrüstungsmangel oder unter Reiseproblemen. Der in der damals noch unzerstörten Stadt beheimatete Sportclub gewann 1940 und 1941 den deutschen Fußballpokal und wurde 1943 und 1944 zum letzten großdeutschen Meister, ehe der Krieg auch in Dresden ankam. „Diese Zeit war auch sportgeschichtlich ein dunkles Kapitel“, so Helbig. Neutral darstellen lasse sich ohnehin nur die Zeit vor 1933, dem Jahr der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten.

Schwere Suche nach historischen Stücken

„Aus dieser Zeit heute noch etwas zu bekommen, wird aber immer schwerer“, beklagt Helbig, dem in diesem Fall sein noch junges Alter zum Verhängnis wurde. Andere Sammler wie Jens Genschmar vom Dresdner Fußball-Museum standen in den 1990er Jahren in Kontakt mit damals noch lebenden alte DSC-Größen, erhielten die Erinnerungsstücke direkt aus erster Hand. Helbig erhält heute nur noch ab und zu etwas von Nachkommen früherer DSC-Akteure aus dem Westen Deutschlands. Sonst bleibt ihm nur noch der Weg über Internetauktionen oder den Flohmarkt, um an Andenken an alte Zeiten heranzukommen.

Übrigens erst etwa vor drei Jahren wurde Roy Helbig angesprochen, was er aus seiner Sammlung, die er bei sich zu Hause hortet, denn eigentlich machen wolle. So entstand die Idee für das Sportmuseum Friedrichstadt. „Geplant ist, dass wir irgendwann einen eigenen Raum im DSC-Stadion erhalten“, so Helbig. Innerhalb des kommenden Jahres möchte er zudem die Geschäftsstelle des Vereins ein bisschen historisch gestalten. Grünes Licht dafür habe er bereits erhalten, doch bislang scheiterte das Vorhaben an Zeit und Geld.

Helbig hat seine Sammlung komplett privat finanziert und betreibt dies auch nur als Hobby neben Familie und Beruf. „Ich möchte das Museum nicht aus Profit betreiben. Es ist eine Herzensangelegenheit für mich“, sagt er. Sein Ziel sei, die Geschichte des DSC in Dresden öffentlich und erlebbar zu machen. „Und auch unsere Nachwuchsspieler sollen wissen, bei welchem Verein sie sind. Er wurde 1898 gegründet – das ist viel mehr als nur zwei Meisterschaften.“

Wechselvolle Nachwendezeit

Vor allem die Zeit seit dem 100. Vereinsgeburtstag 1998 hat es in sich. Damals machte sich die Kicker-Abteilung des Vereins als DSC Fußball 98 selbständig, kämpfte sich im Jahr 2000 bis auf Rang zwei der damaligen Regionalliga Nordost vor. Dann folgten 2002 schwere Ausschreitungen im Stadtderby gegen Dynamo Dresden, bei dem mehr als Tausend Randalierer Polizisten und DSC-Fans attackierten. Kurz zuvor hatte das Elbhochwasser das Heinz-Steyer-Stadion unter Wasser gesetzt. Schließlich stürzten die Fußballer ins Bodenlose – aus Liga drei wurde innerhalb von nur fünf Jahren Liga acht. Die Nachwuchsmannschaften liefen teils davon, als Herren-Bezirksklässler schloss man sich schließlich wieder dem Hauptverein an.

„In den vergangenen 15 Jahren ist viel passiert“, blickt Roy Helbig zurück. Derzeit bewege sich aber wieder etwas in positiver Richtung. Der heutige DSC sei in seinen Strukturen ganz anders als damals und werde auch verändert wahrgenommen. „Er ist heute viel akzeptierter in der Stadt“, glaubt Helbig. Daran haben nicht nur die Volleyballerinnen, die seit Jahren in der 1. Bundesliga erfolgreich sind, ihren Anteil. Die Fußballer sind mittlerweile wieder in der Bezirksliga angelangt. „In den unteren Ligen ist der Fußball viel ehrlicher“, meint Helbig, „und ich frage mich manchmal, ob der DSC überhaupt wieder die höheren Sphären anstreben sollte“. Für einen echten Sammler gibt es ohnehin in jeder Liga etwas zu holen.

Stefan Schramm

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