Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
10 Jahre nach Vereins-Gründung: Lingnerschloss-Sanierung im Endspurt

10 Jahre nach Vereins-Gründung: Lingnerschloss-Sanierung im Endspurt

Als der Physiker und Unternehmer Peter Lenk mit sechs Gleichgesinnten am 16. September 2002 zum Notar ging, um einen "Förderverein Lingnerschloss" zu gründen, hatte er nur ein verfallenes Schloss vor Augen, oben, auf dem Elbhang, und den festen Vorsatz: "Das musst Du in Ordnung bringen!" "Das war schon ein wenig verrückt", erinnert sich der heute 73-Jährige, der bis 2007 den Hightech-Betrieb "Von Ardenne Anlagentechnik" leitete.

Voriger Artikel
Springbrunnen „Der Flugwille des Menschen“ in Dresden-Johannstadt wird saniert
Nächster Artikel
Kostenloser Klobesuch: Initiative "Nette Toilette" in der Dresdner Neustadt gestartet

Für engagierte Dresdner wie Peter Lenk ist die Wiederbelebung des Lingnerschlosses zur Herzensangelegenheit geworden. Anfangs habe er eine Komplettfinanzierung durch sein Firma "Von Ardenne" erwogen, sagt er. "Doch eine private Nutzung hätte gegen Lingners Testament verstoßen und wir hätten uns auch bestimmt übernommen."

Quelle: Dietrich Flechtner

Von Heiko Weckbrodt

"Wir hatten nichts in der Hand außer unsere Pläne und das informelle Okay vom Liegenschaftsamt, aber keinen Vertrag mit der Stadt."

Heute, genau 20 Jahre später, nähert sich der Traum von Lenk und seinen Getreuen der Vollendung: Dreck und Gerümpel sind verschwunden, die rund elf Millionen Euro teure Sanierung des Lingnerschlosses setzt zum Endspurt an. "Es ist jeden Abend ein persönliches Vergnügen für mich, vorbeizugehen und zu sehen, wie viel wieder geschafft worden ist", freut sich der Vereins-Chef.

Das war nicht immer so: Anfangs schlug den engagierten Dresdnern, die da ein ganzes Schloss rekonstruieren wollten, nicht nur Begeisterung, sondern auch viel Skepsis entgegen. "Gerade aus der Politik trauten uns viele nicht zu, dass wir das schaffen", entsinnt sich Lenk. "Aber wir haben nicht nur geredet, sondern gehandelt, Fakten geschaffen - und Fakten überzeugen nun mal am Besten."

Zuerst sanierte der Verein das kleine Torhaus an der Bautzner Straße, um Spendern etwas vorzeigen zu können. Diese Anpack-Mentalität zahlte sich aus: Im Juni 2003 genehmigte der Stadtrat nahezu einmütig einen Erbbauvertrag über 66 Jahre für den Verein. Dass der Spendenfluss zu sprudeln begann, hänge auch mit der Starthilfe durch "Von Ardenne" zusammen, meint Lenk. "Ich kann jeder Bürgerinitiative, die ein großes Projekt angeht, nur raten, sich auch ein potentes Wirtschaftsunternehmen zu suchen, das den Prozess begleitet."

Auch herbe Rückschläge erlebt

Dennoch blieben die Anfangsjahre hart: Damals konkurrierte noch das Wiederaufbauwerk der Frauenkirche um willige Spender, mehr als eine halbe Million Euro im Jahr waren für das Lingnerschloss kaum drin. "Es gab schon Momente, da waren wir völlig niedergeschlagen", räumt Lenk ein. Zum Beispiel damals, als man den Spenden-Wettbewerb im MDR-Fernsehen knapp verlor, oder als die UNESCO Dresden den Welterbetitel aberkannte und damit sieben beim Bund beantragte Fördermillionen passé waren. "Aber aufgeben - das kam uns nie in den Sinn."

Nach dem "Torhaus" machte sich der Verein an das "Schweizer Haus" vor dem Schloss, dann an die Schlosstürme, den Ostflügel - alles Schritt für Schritt, wie gerade Spenden eingingen. "In dem Tempo hätten wir allerdings 20 Jahre gebraucht", sagt Lenk. "Da hätte ich die Vollendung wohl nicht mehr erlebt."

Den entscheidenden Schub erlebte das Projekt 2011, als die Serumwerk-Belegschaft die Konzernmutter "GlaxoSmithKline" (GSK) zu einer Fünf-Millionen-Euro-Spende für das Lingnerschloss bewegte und so die Bauzeit drastisch verkürzte. "Jetzt fehlt uns nur noch eine Million", sagt Lenk. "Ich denke, wir bekommen das Schloss Ende 2014 fertig."

Warum aber buckelten sich Leute wie Lenk und Reißmann, die selbst als Geschäftsführer mittelständischer Unternehmen genug zu tun hatten, solch ein großes Vorhaben überhaupt auf? Schon als Mitarbeiter von Manfred von Ardenne habe er gelegentlich den "Dresdner Club", der zu DDR-Zeiten im Lingnerschloss residierte, besuchen können, erinnert sich Lenk. Bereits damals hätten ihn der Bau und die Aussicht begeistert.

Privatisierung löst nicht alles

Und: "Ich bin seit über 50 Jahren in Dresden und ich fühle mich als Dresdner", erklärt er. "Ich fand diesen Glasturm, den die Tschira-Stiftung 2002 in den schönen englischen Garten des Lingnerschloss setzen wollte, völlig unakzeptabel. Noch dazu wäre das Schloss durch diese private Nutzung der Öffentlichkeit nicht zugänglich gewesen. Ich finde: Eine Stadt kann mit Privatisierung nicht all ihre Probleme lösen."

Als SAP-Gründer Klaus Tschira im März 2002 eine "Denkpause" für sein Projekt verkündete, ergriff Lenk die Chance: "Ich habe am 22. März 2002 Oberbürgermeister Ingolf Roßberg angerufen und ihm meine Idee geschildert, das Schloss durch Bürger sanieren zu lassen. Und ich habe gleich gemerkt: Er war mit dem Tschira-Glasturm auch nicht glücklich." So kamen die Steine ins Rollen, die sich inzwischen zu einem präsentablen Schloss gefügt haben.

Dort ist eben erst die Dachbalustrade fertig geworden, die Arbeiter werkeln nun mit Volldampf daran, bis Oktober Außenfassade, Dach und Westflügel fertig zu bekommen. Insofern werden die Gäste des Festempfangs, mit dem der Förderverein heute im Schloss sein "Zehnjähriges" begeht, noch eine Baustelle vorfinden - aber eine, die schmucke Pracht schon erahnen lässt.

So was geht nur in Dresden

"Mit dem Fest wollen wir jenen danken, die uns in all den Jahren geholfen haben", sagt Lenk. "Ich hoffe, dass diese Hilfe auch weitergeht, wenn das Schloss fertig ist." Denn rund 320 000 Euro pro Jahr wird es kosten, den laufenden Betrieb im Lingnerschloss zu bestreiten, hat der Verein ausgerechnet. Lenk hofft da voll auf die engagierten Dresdner. "Das ist doch etwas ganz Typisches für Dresden, dass die Bürger hier derart Anteil an allen öffentlichen Dingen nehmen", glaubt er. "Ich weiß nicht, ob so ein bürgerschaftlich getragenes Projekt in dieser Dimension in einer anderen Stadt möglich gewesen wäre."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.09.2012

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
25.09.2017 - 16:32 Uhr

Die Verletzung hat sich der 30-jährige Innenverteidiger im Heimspiel gegen Arminia Bielefeld zugezogen. 

mehr
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.