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"Wir sehen jährlich über 1000 Patienten" - Immer mehr Frauen und Männer legen sich unters Messer

"Wir sehen jährlich über 1000 Patienten" - Immer mehr Frauen und Männer legen sich unters Messer

Jana Scholze aus Dresden ist 26 Jahre alt und hat sich freiwillig unters Messer gelegt, um ihre Brüste vergrößern zu lassen. Schon längst ist das nichts Außergewöhnliches mehr - Jana liegt mit ihrer Entscheidung sozusagen voll im Trend.

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Dr. Holger Pult und Dr. Stefan Zimmermann haben viele Brustimplantate. Um die passende Größe zu finden, sind lange Beratungsgespräche nötig.

Quelle: Carola Fritzsche

Grund: Immer mehr Menschen lassen sich für ein besseres Lebensgefühl freiwillig operieren. So auch Jana: "Meine eine Brust war kleiner als die andere. Das war einfach nicht schön. Ich hab die Brüste sozusagen angleichen lassen und dann noch um eine Größe erweitert. Kann man ja gleich mitmachen lassen, wenn man schon unter dem Messer liegt", erklärt Jana lachend. In den vergangenen sieben Jahren arbeitete sie als Foto- und Laufstegmodel. Ein perfekter Körper ist dabei enorm wichtig. Genau das vermitteln auch Castingshows wie Heidi Klum's "Germany's Next Topmodel" und haben damit ein neues Schönheitsbild in der Gesellschaft erzeugt. Viele fühlen sich zu dick oder finden ihre Brüste zu klein. Die Folge ist der Gang zum Chirurgen.

Auch die beiden Fachärzte für Plastische und Ästhetische Chirurgie Dr. Holger Pult und Dr. Stefan Zimmermann haben den Trend in den vergangenen Jahren - auch in Dresden - beobachten können. "Wir sehen inzwischen über 1000 Patienten jährlich", erzählt Pult. "Aus diesem Grund sind wir mittlerweile zu zweit in der Praxis, denn die Nachfrage wird auch weiterhin steigen."

"Vertrauen ist das Wichtigste"

Weiterhin sollte man beachten, dass zwischen dem Begriff Schönheitschirurg und Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie ein Unterschied besteht. "Wir beide haben unsere Facharztausbildung zum Plastischen Chirurgen insbesondere in Richtung Ästhetische Chirurgie konzentriert. Es gibt aber viele Ärzte, die dies nicht getan haben und dennoch Eingriffe vornehmen. Sie nennen sich Schönheits-chirurgen, da diese Berufsbezeichnung in Deutschland nicht geschützt ist", erklärt Pult, der sich vor fünf Jahren in Dresden mit seiner Praxis niedergelassen hat. Im Herbst des vergangenen Jahres ist sein Kollege Zimmermann hinzugekommen.

Beide versuchen, ihre Arbeit so seriös wie möglich zu gestalten, denn das Wichtigste bei ihnen ist, das Vertrauen der Patienten zu gewinnen. "Es ist für uns immer schwierig, wenn irgendwelche Skandale in den Medien hochgekocht werden. Das verunsichert die Menschen und macht sie berechtigterweise auch skeptisch", erklärt Pult. Deswegen setzen sie vor einer Behandlung immer mindestens zwei Beratungsgespräche an. Diese dauern je nach Eingriff zwischen einer halben und einer ganzen Stunde. Zusammen decken die beiden Fachärzte sämtliche Bereiche der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie ab. Zimmermann hat sich vor allem auf Faltenbehandlungen und Körperformungen - wie Fettabsaugen und Bauchstraffungen - spezialisiert, Pult dagegen macht sehr viele Eingriffe am Gesicht - wie zum Beispiel Lid- oder Nasenkorrekturen. Gemeinsam führen sie immer wieder Brustoperationen durch - die wohl häufigste Schönheitskorrektur in Deutschland. Dies belegte auch eine Statistik der Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) für das Jahr 2011/12 unter 1107 befragten Patienten. Demnach seien 29,2 Prozent aller durchgeführten Operationen bei Frauen Brustvergrößerungen gewesen. Auf Platz eins bei den Männern schaffte es mit 18,9 Prozent das Fettabsaugen. Fast ein Drittel aller Patienten ist zwischen 18 und 30 Jahren alt.

Dresdner sind realistisch

Die ermittelten Zahlen treffen auch auf Dresden zu. Die Fachärzte Pult und Zimmermann haben häufig junge Frauen, die sich die Brust vergrößern und Männer, die sich das Fett absaugen lassen. Aber eines stellen sie klar: Sie können nicht zaubern und den Männern ein Sixpack verschaffen. "Das ist medizinisch so nicht möglich. Was wir aber machen können, ist, den Bauch von der Fettdicke zu befreien. Dann ist der Patient selbst gefragt. Nach der OP regelmäßig Sport zu treiben, kann am Ende wirklich zu einem 'Waschbrettbauch' führen", erklärt Zimmermann.

Allgemein scheinen die Dresdner aber sehr bodenständige Wünsche den Chirurgen gegenüber zu äußern. "Das ist es auch, was ich an der Gegend hier besonders mag. Die Dresdner kommen mit Wünschen zu uns, die sehr realistisch und nachvollziehbar sind. Ich musste viel weniger Operationen ablehnen als beispielsweise während meiner Zeit in Hamburg", erzählt Pult, der ursprünglich aus Freiburg stammt. "In der Hafenstadt hatten wir teilweise sehr verrückte Ideen. Das lag aber vor allem an dem St.-Pauli-Rotlicht-Milieu", erklärt Zimmermann weiter.

Verständlich war auch die Anpassung der Brüste bei der 26-jährigen Jana. Durch das neue Dekolleté fühlt sie sich wieder richtig wohl in ihrer Haut und hat das Geld auch gern ausgegeben. "Nur die Suche nach einem BH erweist sich mittlerweile als schwierig, da in der 75F nur noch selten was da ist", erzählt das Model.

Auch Zimmermann und Pult sind immer wieder überrascht, wie sich ihre Patienten nach einer Operation verändern. "Viele haben vorher einen traurigen Blick. Nach der Korrektur strahlen sie plötzlich wieder Lebensfreude aus und sind viel selbstsicherer. Das bestätigt uns in dem, was wir machen", erklärt Pult.

Ihre Leidenschaft scheint für die nächsten Jahre auch ein gesichertes Berufsfeld zu sein. Vor fünf Jahren haben sich gerade mal zwölf Prozent der Männer unters Messer gelegt, im vergangenen Jahr war es bereits jeder fünfte. Auch bei den Frauen steigen die Eingriffe beim Chirurgen stetig und Holger Pult ist sich sicher, dass ein Ende noch nicht in Sicht ist.

In Amerika sind sie schon längst verbreitet und sorgen immer wieder für viel Aufsehen: die Schönheitsoperationen. Auch immer mehr Deutsche treten den Gang zum Chirurgen an. Mittlerweile gibt es 808 Fachärzte für Plastische und Ästhetische Chirurgie in ganz Deutschland. Vor zehn Jahren waren es gerade mal 285. In Dresden sind derzeit vier Fachärzte ansässig.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.09.2012

Nadine Steinmann

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