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Von wegen matt: Dresdner reformiert Schach

Von wegen matt: Dresdner reformiert Schach

Der 46-jährige Dresdner Rico Kratzenberg hat ein neues Schachspiel entwickelt. Figuren wie König oder Dame sucht man darin vergebens. Und das hat einen ganz bestimmten Grund: "Ich habe mich vor zehn Jahren einmal mit unserer Sprache beschäftigt und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass sie sehr patriarchalisch ist", so Kratzenberg.

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Ergebnis zehnjähriger mühevoller Kleinarbeit: Rico Kratzenberg und seine moderne Version von Schach.

Quelle: Dietrich Flechtner

Von Stephan Hönigschmidt

Überall werde nur "man" gesagt oder in der Kirche vom "Vater" gesprochen. "Da ich schon seit meinem achten Lebensjahr Schach spiele, ist mir in diesem Zusammenhang aufgefallen, dass auch hier Frauen eigentlich keine Rolle spielen." So sei die Dame zwar die spielstärkste Figur auf dem Brett, aber letztendlich gehe es nur um den Sieg der Könige, ergo der Männer.

Den 46-jährigen Elektriker störte diese Konstellation ganz gewaltig. Aus diesem Grund wollte er etwas ändern und überlegte sich in zehnjähriger mühevoller Kleinarbeit, wie er das 1500 Jahre alte Spiel revolutionieren könnte. "Das war sowieso einmal notwendig, weil die letzte grundlegende Änderung bereits 500 Jahre zurückliegt. Damals kam die Dame neu als Figur hinzu", erklärt Kratzenberg.

Seine eigene Neuentwicklung "SchachZwo" ist erst vor wenigen Tagen fertig geworden. Statt einem König gibt es in dem Spiel auf jeder Seite einen halben Zenit. Dieser kann genauso schachmatt gesetzt werden wie im klassischen Schach der König. Allerdings gibt es dafür nur einen halben Punkt. Lohnenswerter ist es bei "SchachZwo", mit dem Zenit bis auf einen Kreis in der Mitte des Spielfeldes vorzurücken. Automatisch muss dann auch der komplementäre Zenit der Gegenseite in der Mitte postiert werden. Symbolisch steht der helle Zenit laut Rico Kratzenberg für das Licht und der dunkle für die Wahrheit. Die Vereinigung von Licht und Wahrheit bringt dem Spieler, der zuerst im Kreis - der als Nadir bezeichnet wird - angelangt ist, zwei Punkte.

Weitere Figuren sind "Wächter" statt Bauern, "Männer" statt Türmen und "Frauen" statt Läufern. Außerdem heißt die Dame in Kratzenbergs Spiel "Wissen". "Wissen ist heute durch das Internet sehr beweglich. Diese Eigenschaft entspricht dem, was die Figur der Dame ausgemacht hat." Gegenüber dem sieben mal sieben Felder großen Spiel kommt bei der Version neun mal neun noch die Figur "Glaube" als Neuschöpfung hinzu. Um sich das Patent für das Geschmacksmuster sowie den Namen "SchachZwo" sichern zu lassen, investierte Rico Kratzenberg zusammen mit den Materialkosten insgesamt 6000 Euro. Jetzt sucht er nach einem Investor, um sein Spiel in großen Stückzahlen auf den Markt zu bringen.

SchachZwo@gmx.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.03.2012

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