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Unbemerkte tolle Tage - Fasching interessiert nicht viele Dresdner

Unbemerkte tolle Tage - Fasching interessiert nicht viele Dresdner

Während das Dresdner Umland zur Faschingszeit Kopf steht, gehen die tollen Tage an so manchem Dresdner fast unbemerkt vorüber. Bis auf ein paar Pfannkuchen beim Bäcker und den Kinderfasching des eigenen Nachwuchses entsagen die Bewohner der Landeshaupt größtenteils der Tradition, die an Rhein und Main alle Altersgruppen und Schichten eint.

Doch es gibt ihn, den Dresdner Karneval. Wenn auch nicht so auffällig, wie andernorts. Michael Thiele sorgt seit mehr als 20 Jahren emsig dafür. Er ist Präsident des Dresdner Carneval Club (DCC) und weiß auch: "Dresden ist nicht Radeburg!" Vor der sächsischen Karnevalshochburg zieht der DCC, der immerhin derzeit 74 Mitglieder zählt, geschlossen den Hut. Doch trotz der großen Karnevalsignoranz: Thieles Club hat sich seit der Wende neben vier weiteren Dresdner Faschingsvereinen behaupten können.

Dass der Fasching im Elbflorenz keine so wirklich große Sache ist, liegt laut Thiele an zwei Dingen: "Einerseits ist das Kulturangebot derart übersättigt, dass viele gar nicht auf die Idee kommen, in einen Faschingsverein einzutreten", sagt der Club-Präsident. Andererseits müssten die städtischen Vereine untereinander stärker zusammenarbeiten. "Der Langebrücker Karnevalsverein schwimmt immer nur in seiner eigenen Brühe", wirft er der Konkurrenz vor.

Er habe bereits mehrfach eine Zusammenarbeit angesteuert, ohne Ergebnis. "Die haben kein Interesse am Landesverband und zum Karnevals-Präsidentenstammtisch wollte auch niemand kommen", klingt bei Thiele ein wenig Verbitterung durch. Dabei könne der Fasching in Dresden nur wieder beliebter werden, wenn die Vereine gemeinsame Sache machten.

Hans-Egbert Korb sieht das etwas anders. Der Präsident des Langebrücker Karnevalvereins meint: "Für eine Zusammenarbeit mit den restlichen Dresdnern haben wir gar keine Kapazitäten." Mit gerade einmal 25 Mitgliedern könnten sich die Langebrücker nicht auch noch um das Wohl der restlichen Dresdner Narren kümmern. "Ein großer Dresdner Fasching - das wird meiner Meinung nach nicht funktionieren", meint der 63-Jährige. Die Vereine hätten in seinen Augen nur eine Chance, wenn sie sich auf kleine Gebiete und einzelne Stadtteile begrenzen.

Das sei auch das Erfolgsrezept der Langebrücker: "Bei uns kennt jeder jeden, das verbindet die Leute miteinander", meint Korb. Außerdem sei das Kulturangebot im Ort weniger groß als direkt im Stadtzentrum. "Viele suchen sich dann eben ein Vereinshobby." Das Konzept scheint aufzugehen, jedes Jahr kommen mehr als 300 Besucher zum Langebrücker Faschingsumzug. Zahlen, von denen der Dresdner Saalfasching nur träumen kann.

Bei einer Sache sind sich Korb und Thiele jedoch einig: "Es ist viel schwieriger geworden, ein Faschingsprogramm zu schreiben, über das die Leute lachen können", sagt Thiele. Die DDR-Politik lieferte, wie beide als langjährige Szene-Experten bestätigen, beste Vorlagen für hintersinnige Pointen. "Damals musste man nur eine kleine Spitze bringen und der Saal hat auf den Tischen gelegen", erzählt Thiele.

Zu DDR-Zeiten gab es in Dresden neun Faschingsvereine, nur fünf davon sind übrig geblieben. "Nach der Wende hatten die Dresdner erst einmal mit sich zu tun", weiß Thiele. Zudem seien viele Vereine an die damaligen Betriebe geknüpft gewesen. "Nach dem Mauerfall konnten und wollten viele Unternehmen sich nicht mehr um die Freizeitgestaltung der Mitarbeiter kümmern", fügt er hinzu.

Auch die Zukunft des elbflorentinischen Karnevalstreibens sehen sowohl Thiele als auch Korb wenig rosig. "Vor allem wenn es darum geht Verantwortung zu übernehmen, mangelt es an Nachwuchs", berichtet Korb schulterzuckend. Besonders an jungen Männern fehle es in beiden Vereinen. "Die gehen irgendwie lieber in den Fußballverein", glaubt Thiele. In den letzten Jahren sank die Mitgliederzahl des DCC langsam aber stetig von etwa 100 auf 74 - der Abwärtstrend wird sich in den kommenden Jahren weiter fortsetzen. "Dresden war nie eine Karnevalshochburg und wird nie eine werden", gibt er zu. "Davon lassen wir uns aber nicht den Spaß verderben", legt Thiele schmunzelnd nach.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.02.2014

Susann Schädlich

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