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Unbeliebte "13" und "Essen auf Rädern": Wer reinigt eigentlich Dresdens Straßenbahnen

Unbeliebte "13" und "Essen auf Rädern": Wer reinigt eigentlich Dresdens Straßenbahnen

Es ist 18 Uhr im Betriebsbahnhof Gorbitz: Während die meisten ihren Feierabend genießen, fängt für die Mitarbeiter der Firma Sasse und für die Servicefachleute der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) der Arbeitsalltag gerade an.

Von Nadine Steinmann

Sieben Männer und eine Frau wuseln in der 100 Meter langen Werkhalle zwischen den langen Bahnen umher und räumen Dreck weg - jede Nacht von 18 bis 4 Uhr. Sie sind für die Unterhalts- und Grundreinigung der Straßenbahnzüge verantwortlich.

Ein Job, der den Fachkräften zwar viel Spaß macht, aber vor allem am Wochenende auch so einige Überwindungen kostet. "In der Woche ist das alles nicht ganz so schlimm. Aber wenn am Wochenende die Partygänger unterwegs sind, haben wir besonders viel Arbeit", erzählt Schichtführer Michael Schildhauer. Der 49-Jährige arbeitet bereits seit drei Jahren im Betriebshof Gorbitz und ist zufrieden mit seinem Job: "Wir verstehen uns hier alle sehr gut. An die Nachtarbeit muss man sich zwar gewöhnen, aber das geht recht schnell."

Er und seine Mitarbeiter von der Firma Sasse sind für die Unterhaltsreinigung von 55 Bahnen pro Nacht zuständig. Dazu gehören Durchfegen sowie Staub und Boden wischen. Zusätzlich werden in jeder Schicht auch noch zwei Bahnen einer Grundreinigung unterzogen. Das bedeutet, dass zur normalen Unterhaltsreinigung auch noch das Putzen der Fenster und der Decken hinzukommt. "Diese Reinigung ist einfach intensiver. Deswegen schaffen wir auch bloß zwei pro Nacht", erklärt Schildhauer.

Aber nicht nur seine Leute putzen wie die Weltmeister, auch die Servicefachkräfte der DVB haben immer genügend zu tun. "Wir überprüfen alle technischen Angelegenheiten. Wenn etwas nicht funktioniert, wird der Wagen in die Werkstatt gebracht. Kleinere Sachen wie eine Glühbirne wechseln machen wir natürlich selbst", erläutert Daniel Gröger seinen Aufgabenbereich. Er und seine Kollegen sorgen auch für die Außenreinigung der Bahn und für genügend Sand in den Vorratsbehältern. Sprich: Wie ein ganz normales Auto wird auch die Bahn in eine extra Halle gefahren, in der sowohl die "Tankstelle" als auch die Waschstraße integriert sind. Getankt wird eben nur kein Benzin, sondern Sand. Der sorgt für eine höhere Reibung zwischen Schienen und Rädern, wenn der Straßenbahnfahrer mal eine Vollbremsung hinlegen muss. Also vor allem im Winter und Herbst ist es sehr wichtig für die Sicherheit der Fahrgäste, dass immer genug Bremssand "getankt" ist.

Die Arbeiten der Firma Sasse und der Serviceleute der DVB müssen immer parallel verlaufen - beide Seiten müssen sich perfekt abstimmen. Laut Schildhauer kann man sich über das Arbeitsklima nicht beschweren, auch die Arbeitsverhältnisse könnten seiner Meinung nach nicht besser sein: "Wir haben hier ja eine beheizte Halle. Der Betriebsbahnhof Trachenberge zum Beispiel ist nicht mal überdacht und der Bahnhof in Reick ist eine Kalthalle. Uns geht es also recht gut hier."

Ein weiterer Vorteil am Standort Gorbitz: Hier werden "nur" die Linien 1, 2, 6, 7, 8, 10, 11 und 12 gereinigt. Warum das von den Reinigungskräften für positiv erklärt wird? "Die Linie 13, die in Trachenberge gereinigt wird, ist eine sehr unbeliebte Linie. Sie fährt direkt durch die Neustadt und ist im Regelfall ziemlich heftig verschmutzt. Auch unsere Fahrer mögen die Strecke nicht", berichtet Schildhauer.

Dennoch müssen auch die Sasse-Mitarbeiter so einiges ertragen. Das Codewort "Essen auf Rädern" spielt dabei eine bedeutende Rolle, denn es bedeutet nichts anderes als "Erbrochenes". "Da müssen unsere Mitarbeiter leider auch durch", erzählt der Schichtführer. Besonders anstrengend ist es aber vor allem in der Silvesternacht, wenn nicht nur ordentlich getrunken und Müll herum geschmissen wird, sondern gerne auch Konfetti flächendeckend durch die Straßenbahn fliegt. "Da stehen dann die Müllbehälter schon direkt an den zu säubernden Bahnen", erklärt Schildhauer. Aber auch im normalen Alltagsgeschäft kommen täglich rund 20 Kilogramm Müll pro Schicht zusammen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.09.2012

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