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Trixi Steiner hält beim Semperopernball in Dresden die Fäden in der Hand

Trixi Steiner hält beim Semperopernball in Dresden die Fäden in der Hand

"Wir sind alle Verrückte, lacht Trixi Steiner und ihre Augen blitzen. "Der Semperopernball ist unser Baby, das wächst und größer wird. Keiner von uns rechnet die Stunden auf, die er dafür investiert.

Von Catrin Steinbach

" Die fröhliche und quirlige junge Frau mit dem bayrischen Dialekt ist Projektleiterin des Semperopernballs und von Anfang an dabei.

"Ich absolvierte ein Praktikum beim damaligen Operndirektor Hans-Joachim Frey. Im ersten Balljahr wurde ich dann vom Verein Vollzeit als Projektassistentin angestellt", erklärt die gebürtige Passauerin. "Ich war damals gerade 25 Jahre alt und dann ein solch großes Projekt. Ich wurde ins kalte Wasser geschmissen." Aber sie ging nicht unter, sondern schwamm offensichtlich mit Bravour. Denn seitdem ist sie "die stabile Größe, die das Projekt begleitet", wie sie selbst formuliert.

Unterstützt wird Trixi Steiner mittlerweile jedoch von Franziska Weiß (ebenfalls Projektleiterin), Andrea Mylo und Philipp Rülke. Im Gegensatz zu ihren drei Mitstreitern ist Trixi Steiner aber beim Verein nicht mehr fest angestellt, sondern bekommt ein Honorar. "Der Semperopernball ist mein Hobby, dem ich einen großen Teil meiner freien Zeit widme", sagt sie. "Wir setzen um, was sich der Vorstand - allen voran Herr Frey - ausdenkt. Hans-Joachim Frey ist die Triebfeder, der kreative Kopf", weiß Trixi Steiner. Sie sieht sich als "Spinne im Netz, die die Fäden zusammenhält".

Die 33-Jährige hat Kulturwirtschaft studiert, arbeitete bisher hauptberuflich als Persönliche Referentin, Leiterin Development bzw. Leiterin Kommunikation am Theater Bremen. Jetzt wechselt sie als Leiterin Programm und Leiterin des künstlerischen Betriebsbüros des Brucknerhauses nach Linz. Wie in Bremen wird sie dort ebenfalls SemperOpernball-Vereinschef Hans-Joachim Frey begegnen. "Er ist ab Januar künstlerischer Gesamtleiter der Linzer Veranstaltungsgesellschaft, die das Brucknerhaus betreibt."

Ihre Stärken sieht die 33-Jährige nicht nur im Organisieren und ihrer unkomplizierten Art, sondern auch darin, dass sie Gelassenheit, Kraft und Ruhe ausstrahlt. "Wenn ich die Nerven verliere, bringt das gar nix." Dabei gab es durchaus schon mehr als einmal Situationen, wo Nerven blank liegen können. Zum Beispiel als einer Hauptakteurin des Balls kurz vor ihrem Auftritt das Kleid platzte. Oder als kurz vor der Ehrung von Bob Geldof mit dem Orden des SemperOpernballs klar war, dass der Laudator nicht kommt. Oder als Hans-Dietrich Genscher im Zug nach Dresden feststeckte, weil aufgrund des Orkans Kyrill Bäume die Gleise blockierten. "Wir sind dann hingefahren und haben ihn aus dem Zug geholt." Trixi Steiner weiß mittlerweile: "Auch wenn alles noch so gut vorbereitet ist, mit Pannen muss man rechnen. Es geht darum, sie professionell zu überspielen, damit niemand sie bemerkt."

Am Ballabend bekomme sie trotzdem "kurz das Flattern, und zwar gegen 21 Uhr, wenn die Gäste schon in der Oper sind". Doch das sei schnell wieder vorbei. Genießen könne sie den Ball nicht so richtig, denn der Fokus liege auf der Arbeit. "Deswegen kommt mein Mann auch nicht mehr mit. Er hat an dem Abend eh nichts von mir. Wir alle kommen in der Woche vor dem Ball kaum zum Schlafen. Fürs Styling bleibt wenig Zeit. Wichtig ist, dass die Frisur den ganzen Abend hält. Als Frau darf man da nicht so eitel sein. Auch um stundenlang ein Kleid auszusuchen habe ich keinen Nerv. Zum Glück kennt Uwe Herrmann meine Größe und meinen Geschmack. Er hängt mir was hin und das zieh ich kurz vorm Ball schnell in irgendeiner Ecke drüber."

Das große Aufatmen kommt für Trixi Steiner zehn Minuten vor fünf Uhr morgens, kurz vorm Ende des Balls. "Dann lege ich das Headset ab und tanze. Ein Moment, in dem wir alle entspannt zusammensitzen und uns freuen können, ist dann sieben Uhr zum Frühstück." Und welcher Moment ist Trixi Steiner bisher besonders eindrücklich im Kopf geblieben? "Als ich mit 25 Jahren, als die Oper für den ersten Ball nach 51 Jahren umgebaut wurde, auf der riesigen Bühne stand und plötzlich begriff, welche Dimension das Ganze hat."

Das kostet der Ball

Für den Opernball in Frankfurt kam in diesem Jahr das wirtschaftliche Aus. Für die Fortführung des defizitären Nürnberger Opernballs haben sich in letzter Sekunde offenbar Sponsoren gefunden. Der SemperOpernball in Dresden dagegen steht auf gesunden Füßen. Wieso?

"Wir setzen nicht hauptsächlich auf Sponsoren, 1,5 Millionen Euro unseres Gesamtetats von 1,6 Millionen Euro werden durch die Eintrittsgelder eingespielt", sagt Rai-ner Naseband. Er ist der Schatzmeister des SemperOpernball-Vereins. Denn Dresdens größtes gesellschaftliches Ereignis wird von einem gemeinnützigen Verein organisiert. Der muss auch ordentlich wirtschaften, darf aber keinen Gewinn machen.

"Wir haben sieben Bälle hinter uns und immer eine schwarze Null geschrieben", betont Naseband. Zwischen 16 000 und 24 000 Euro seien immer übrig geblieben. Ein Grundstock, um den nächsten Ball vorzubereiten und laufende Kosten zu decken. Überschreitet der Überschuss ein Limit, kommt dieses Geld der Oper zugute.

Dafür gibt der SemperOpernballverein Geld aus (Auswahl):

■ 70 000 Euro Miete und 130 000 Euro für den Umbau der Oper

■ zwischen 300 000 und 350 000 Euro Künstleretat

■ 130 000 bis 140 000 Euro für die Organisation den Open-Air-Balls

■ 27 000 Euro Floristik

■ 60 000 Euro für Mobiliar, Geschirr etc., 40 000 Euro für Essen und 30 000 Euro für den Bau von Küchenzelten und Aufzügen

■ 4000 Euro für die Schneeberäumung des Theaterplatzes

■ 18 000 Euro Ausfallversicherung, denn laut Vereinsrecht sind die Vorstände persönlich haftbar

Doch was verdienen die Vorstände des SemperOpernball-Vereins? "Nichts. Wir arbeiten ehrenamtlich, bekommen aber eine Aufwandspauschale, um Reisekosten oder ähnliches abzudecken", sagt der Vereins-Schatzmeister. Insgesamt schlage die Position Personalkosten mit durchschnittlich 80 000 Euro pro Jahr zu Buche. Fest angestellt sind drei Personen. Alles andere werde über Honorare abgedeckt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.01.2013

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