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Tresen statt Studium - René Förster arbeitet seit sechs Jahren erfolgreich als Barkeeper

Tresen statt Studium - René Förster arbeitet seit sechs Jahren erfolgreich als Barkeeper

"Ich bin ein Koch, der mit flüssigen Zutaten arbeitet". So beschreibt Barkeeper René Förster seinen Beruf. Oder eher seine Berufung. Denn, wenn man wie er, in einer Bar arbeitet, sind arbeitsfreie Wochenenden und abendliche Unternehmungen mit der Partnerin eine Seltenheit.

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In der Twist-Skybar des Innside Hotels ist er der Chef: René Förster.

Beinahe jede Nacht - so auch in der Silvesternacht - steht er bis drei, vier oder fünf Uhr morgens in der Bar. Der Freundeskreis beschränkt sich dadurch nahezu auf Gastronomen. Und dennoch sagt er: "Bei mir dreht sich alles um Spirituosen und ihre Verarbeitung. Selbst im Urlaub besuche ich Destillerien und Weingüter. Denn wenn man mit Herzblut dabei ist, kann man es weit bringen."

Für diese These ist der 30-Jährige selbst das beste Beispiel. Allein in diesem Jahr konnte er den "Riemerschmid Null Promille Cup" mit seiner alkoholfreien Kreation "Roger Rabbit" für sich entscheiden und er sicherte sich außerdem Platz zwei bei dem internationalen Giffard-Awards. Seit 2008 hat er sich vorgenommen, mindestens einen Wettbewerb pro Jahr in der Bartender-Branche zu gewinnen und dieses Vorhaben auch erfolgreich umgesetzt.

Dass es Förster mal so professionell hinter den Tresen bringen würde, stand allerdings nicht von Beginn an fest. Zwar arbeitet er seit seinem 18. Lebensjahr in Bars, entschied sich aber zunächst für ein Studium in Musikwissenschaften, Kunstgeschichte und Erziehungswissenschaften in Dresden. Das Studium hatte Priorität und nebenbei wurde gearbeitet. "Nach zehn Semestern hat sich das Ganze aber gedreht: Ich hab gearbeitet und nebenbei studiert. Also hab ich das Studium abgebrochen und mich vor sechs Jahren dazu entschlossen, professioneller Barkeeper zu werden", erinnert sich der 30-Jährige. Für seine Eltern sei diese Entscheidung erst einmal ein Schock gewesen, aber Förster wusste, was er wollte. Er investierte viel Geld und Zeit in Weiterbildungen und konnte sich durchsetzen.

Zunächst bewirtete er die Gäste im ehemaligen "Living", dann arbeitete er an der Pianobar im Maritim-Hotel und später zog es ihn nach Hamburg in das Side Hotel. Vor zwei Jahren aber hat seine Heimatverbundenheit gesiegt und seitdem ist er Barchef der Twist-Skybar im Innside Hotel Dresden. Drei Mitarbeiter arbeiten unter seiner Führung. Förster wählt die Waren selbst aus, kauft sie ein, kalkuliert und hat auch das Konzept der Bar selbst erstellt.

Individuell, besonders und qualitativ hochwertig geht es in der Skybar zu. Die üblichen Cocktailklassiker Pina Colada oder Caipirinha sucht man auf der Karte vergebens. Förster setzt dagegen auf bessere Grundprodukte, frisch gepresste Säfte, neue Aromenzusammensetzungen und eine individuelle Beratung. Und das hat seinen Preis - um die 11 bis 13 Euro bezahlt man im Twist für seinen Drink.

"Viele haben mir vorher gesagt, dass dieses Konzept in Dresden nicht funktioniert. Aber hier ist Publikum vorhanden, das auch mal mehr ausgibt. Es läuft sehr gut", ist der 30-Jährige stolz. Bis zu 80 Prozent der Gäste an den Wochenenden sind Dresdner, das sei eine enorm hohe Zahl für eine Hotelbar. Und die schlürfen neuerdings gerne "Twists" im Twist. "Twists" sind Neuinterpretationen alter klassischer Drinks. "Damals war Alkohol fast ein Grundnahrungsmittel. Deswegen muss man die Klassiker ein wenig leichter machen und an den heutigen Geschmack anpassen", erklärt der Fachmann, der selbst gern schlichte Drinks mit maximal vier Zutaten trinkt.

Förster denkt auch an seine Zukunft: "Mit 55 möchte ich natürlich nicht mehr jede Nacht hinterm Tresen stehen." Eine eigene Bar könnte er sich vorstellen und er möchte er mehr und mehr den Nachwuchs schulen und beratend in der Gastronomie tätig werden. Dann hätte auch seine Freundin mehr von ihm.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.01.2012

Christin Grödel

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