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"Todesstoß für Straßenmusik" - Dresden fordert künftig für jede Art der Straßenmusik eine Erlaubnis

"Todesstoß für Straßenmusik" - Dresden fordert künftig für jede Art der Straßenmusik eine Erlaubnis

Schlechte Neuigkeiten für Straßenmusiker: Voraussichtlich Mitte Mai müssen die Künstler für jeglichen Auftritt in Dresdens Straßen eine Sondergenehmigung beantragen.

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Michael Pritzke spielt seit über zehn Jahren auf den Straßen Deutschlands. Er sei stets bemüht, niemanden mit seiner Musik zu stören, sagt er. Die neue Regelung für Dresden lässt ihn schwarz sehen für die Zukunft der Straßenmusik.

Quelle: Martin Förster

Bewohner der Innenstadt, Gewerbetreibende und auch Touristen fühlen sich von den Darbietungen belästigt und beschweren sich.

Viele Dresdner kennen wohl den charmanten Straßenmusiker Mr. Campfire - oder wie er im richtigen Leben heißt: Michael Pritzke. In den vergangenen elf Jahren nutzte er die Straßen der Altstadt als seine ganz persönliche Bühne, begleitete sich musikalisch selbst mit der Gitarre, spielte Mundharmonika und bediente mit seinen Füßen Trommel und Tamburin. Seit dem vergangenen Jahr hat Pritzke sogar einen Plattenvertrag und seine erste Single "Alles hat seine Zeit" ist derzeit auf dem Markt.

Dennoch liebt er es auch weiterhin, auf den Straßen Deutschlands zu spielen. Dass nun gerade in seiner Heimatstadt Dresden mit Einschränkungen zu rechnen ist, empört den 43-Jährigen. "Das ist der Todesstoß für die Straßenmusik", erklärt Pritzke. Nicht nur, dass die Künstler nun für jeden Auftritt eine Sondergenehmigung brauchen, macht es den Musikern schwer, auch die Tatsache, dass Verstärker nicht mehr genutzt werden dürfen, bringt einige Schwierigkeiten mit sich. "Ich habe mich vor vielen Jahren dafür engagiert, dass wir Musiker mit Verstärkern auftreten dürfen. Nun ist wieder alles hinfällig", beschwert sich Pritzke.

Hintergrund seiner Empörung: Seit 2003 tourt der Dresdner mit seiner Gitarre und seinem Kleinbus durch Deutschland. Sein erstes Jahr als Musiker war allerdings schwierig, seine Musik fand nur wenig Gehör auf den Straßen. Doch Aufgeben kam für ihn nicht in Frage, stattdessen investierte er in bessere Technik: "Nach einiger Zeit kaufte ich mir einen Miniverstärker und das war mein großes Glück." Plötzlich wurde er ganz anders auf der Straße wahrgenommen. Als Mr. Campfire spielte er bekannte Rock- und Popsongs, welche die Menschen zu Scharen anlockten. Mit dem neu gewonnen Mut traute sich Michael Pritzke schließlich auch, seine eigenen deutschen Lieder zu spielen. In der Regel handeln sie von Freiheit, Glaube und Selbstvertrauen, davon, seine Chancen zu ergreifen und nicht aufzugeben.

Aufgeben kommt auch jetzt für den Musiker nicht in Frage. "Ich werde mich dafür einsetzen, dass diese neue Regelung nicht in Kraft tritt. Gerade Gitarrenspieler werden ohne Verstärker überhaupt nicht wahrgenommen", erklärt Pritzke. Eine Mail an Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) ist bereits geschrieben.

Aber ob die Stadt ihre Meinung noch mal ändern wird, bleibt fraglich. "Es sind zu viele Beschwerden eingegangen", erklärt Stadtsprecher Karl Schuricht. Kontrolliert werden soll die neue Regelung vom Ordnungsamt. Mit Geldstrafen müssen die Musiker allerdings noch nicht rechnen. "Bei Verstößen wird es erst mal eine Verwarnung geben", so der Sprecher. Zumindest so lange, bis die veränderte Regelung sich herum gesprochen hat.

Ganz legal können die Dresdner Michael Pritze aber am kommenden Sonntag beim Frühjahrsmarkt auf dem Altmarkt erleben. Am 19. Mai kann man seinen Liedern zudem beim Dixieland Festival lauschen.

Nadine Steinmann

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