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Tausende besuchten Barockfest "Pillnitzer Schlossnacht"

Tausende besuchten Barockfest "Pillnitzer Schlossnacht"

Die Dresdner Schlössernacht am Elbhang ist erst wenige Wochen her, da wartete am Sonnabend schon das nächste Schloss mit viel Programm und Unterhaltung auf: Pillnitz, das Lustschloss August des Starken.

Von Annette Thoma

Seit 2007 können die Besucher der "Pillnitzer Schlossnacht" durch das 28 Hektar großes Gelände flanieren und zwischen Lustgärten und Prachtbauten allerhand entdecken. Kleine und größere Bühnen mit Musikern, Schauspielern oder Artisten lockten dieses Jahr mehrere Tausend Besucher an - genauere Angaben waren vom Veranstalter leider nicht zu erfahren. Insgesamt traten über 300 nationale und internationale Künstler an rund 20 verschiedenen Spielorten auf.

Das Spektakel wurde erstmals live vom MDR übertragen. Entsprechend prominent waren auch die Gäste: Auf der Bühne hinter dem Bergpalais gaben sich das Kammerensemble "Rondò Veneziano", der italienische Sänger und Liedermacher Angelo Branduardi, Schauspieler Peter Bause, Schlagerstar Nino de Angelo, die Sopranistin Eva Lind und - gemessen am Applaus wohl der Star des Abends - der englische Tenor Paul Potts die Klinke in die Hand. Potts wurde vom Publikum regelrecht umjubelt. Nach seinem Auftritt stellte er sich bereitwillig Autogrammjägern und Fotografen. Durch den Abend führten Ruth Moschner und Gunther Emmerlich, die, ganz nach dem Motto des Abends, in festlich barocker Robe als Gräfin Cosel und August der Starke begannen.

Doch so unterhaltsam das Programm auf der großen Bühne auch war - schade war es für die anderen, kleineren Spielorte, die während der großen Show von keinen oder nur wenigen Zuschauern besucht wurden. Das Publikum versammelte sich vor der Hauptattraktion, statt die Vielfalt des Abends zu genießen. Denn auch abseits in den Parkanlagen wurde den Gästen ein wunderbares (Klein-)Kunstprogramm geboten.

Nicht nur die barocken Herrschaften, die durch die gesamte Anlage flanierten, auch die musikalischen und schauspielerischen Akteure versprühten barockes Zeit- und Lebensgefühl. Unter freiem Himmel vor der Orangerie erzählten die Mimen des "Weissen Theaters" aus Berlin, wie man Schönheit, Anmut und Grazie erlernen kann. Ziel der lustigen Pantomime war, eine "Oper ohne Gesang mit verschlanktem Orchester" aufzuführen.

Ebenfalls sehr unterhaltsam und lebendig erzählte Suse Weisse am Palmenhaus alte Märchen und Geschichten, begleitet von dem Cellisten Frank Zimmermann. Schauspielerin Cora Chilcott bot als "Erlkönigs Tochter" schaurige Dramen und schreckliche Tragödien dar. Mimik und Gestik der gebürtigen Leipzigerin nahmen dabei jeden Zuschauer gefangen.

An der Löwenkopfbastei versprühte der chilenische Musiker José Miguel Márquez, begleitet durch den peruanischen Gitarristen David Sandoval, lateinamerikanische Klänge und pure Lebensfreude. Sobald Márquez zu spielen begann, war er in einer anderen Welt - sobald er aufhörte, wurde er sogleich persönlich mit dem Publikum und erklärte ihm den Aufbau und die Spielweise seiner Instrumente. Von denen beherrscht er übrigens zwölf virtuos.

Sehr persönlich mit dem Publikum wurde auch die Leipziger Schauspieltruppe "Les Amis de la Cour Saxonne - Freunde des sächsischen Barocks" auf der Freitreppe vor dem Wasserpalais. Barock-Komponist Georg Friedrich Händel persönlich veranstaltete dort für sein neues Werk ein Casting und so wurde das Publikum kurzerhand zu Schauspielern umfunktioniert. Unter fachmännischer Anleitung und vorherigem Einsingen spielten die Laien Ovids Metamorphose "Acis und Galatea" nach.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.08.2012

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