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T34 gegen Leopard - Debatte über Geschichtsverständnis nach geplanter Verstrickung in Dresden

T34 gegen Leopard - Debatte über Geschichtsverständnis nach geplanter Verstrickung in Dresden

Welcher Panzer macht sich besser als Zeichen gegen Krieg und für Frieden, ein sowjetischer T 34 oder ein Leopard 1 der Bundeswehr? Vor dieser Frage stehen derzeit die Extremstrickerinnen des "Louisen Kombi Naht".

Von Jane Jannke

Für viel Aufsehen hatte im September deren Idee gesorgt, einen Panzer umgarnen zu wollen. Das Militärhistorische Museum hatte damals spontan ein Exemplar des legendären T 34 aus dem Zweiten Weltkrieg zur Verfügung gestellt (DNN berichteten). Doch nun ist das originelle Projekt ganz unvermittelt zum Politikum geworden, denn die Wahl des T 34 stößt nicht überall auf Gegenliebe.

"Vor allem aus dem linken Spektrum gab es Kritik", berichtet Kristina Krömer, eine der Projektleiterinnen. Sie bestätigt damit Aussagen eines Sprechers des Militärhistorischen Museums, wonach den Friedensaktivisten wegen des Panzers ein "rauer Wind" entgegenwehe. Den "Panzer der Befreier" einzustricken projiziere ein falsches politisches Bild und stelle die falschen Fragen, so die Bedenken einiger.

"Ich persönlich sehe das anders. Ich denke schon, dass der T 34 geeignet wäre für das Projekt", widerspricht Krömer. Der Panzer sei eben nicht nur Symbol der Befreiung vom Faschismus, sondern auch ein Mittel der Zerstörung, die auch nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges - etwa bei der Niederschlagung des Aufstandes vom 17. Juni 1953 in der DDR - eine Fortsetzung fand. "Genau dieses Spannungsfeld, das den T 34 umgibt, macht ihn so interessant für ein Projekt, das dazu anregen soll, sich politisch zu positionieren." Die Positionen prallten unlängst bereits in einem Streitgespräch beim alternativen Radiosender "Coloradio" aufeinander.

Den unerwartet unter Beschuss geratenen Strickerinnen eilte das Museum zu Hilfe - indem es kurzentschlossen ein weniger umstrittenes Modell anbot: Ein Panzer des Typs Leopard 1 der Bundeswehr buhlt nun mit dem T 34 um das kuschelige Strickkleid. Steht die Frage: Welcher darf denn nun verstrickt werden? Die Entscheidung fällt spätestens morgen beim gemeinsamen Stricken, kündigte Krömer an. "Wir lassen uns durch die Kritik nicht unter Druck setzen, auch wenn sie streckenweise wenig konstruktiv war."

Vielmehr habe man die konstruktiven Elemente herausgefiltert und einen Denkprozess angestoßen. "Im Grunde ist es toll, was daraus entstanden ist. Es war spannend, zu beobachten, wie Menschen, die eher weniger politisch sind und nur zum Stricken kommen, über diese Diskussionen begannen, über die größeren politischen Zusammenhänge von Krieg und Geschichte nachzudenken." Und letztlich, so Krömer, offenbare die Option des Leopard zusätzliche Möglichkeiten. "Sie bringt uns von der Vergangenheit weg hin zu Gegenwart und Zukunft. Es ist uns wichtig, zu schauen: Wo sind Panzer eigentlich gegenwärtig in der Welt unterwegs? Ein Leopard 1 wäre da sehr viel näher dran als ein Wehrmachtspanzer oder ein T 34."

Vor allem der seitens der Bundesregierung geplante Verkauf von 800 Leopard-Panzern an Saudi-Arabien ließe sich hervorragend mit der Wahl des Leopard 1 aufgreifen, sagt Krömer. Zwar müsse für das deutsche Modell erheblich mehr gestrickt werden, "aber zum Glück liegen wir derzeit sehr gut im Plan." Wolle sei genug vorhanden, und auch an Zuspruch in Form tatkräftiger Hilfe fehle es nicht. "Im Ernstfall richten wir zusätzliche Stricktermine ein, um das größere Pensum zu schaffen", ist Krömer optimistisch. Na denn: Auf ins Geflecht!

Am Sonnabend wandelt das "Louisen Kombi Naht" auf den Spuren von NS-Tätern. An historischen Plätzen werden Mahnungen gestrickt und hinterlassen. Beginn ist 10 Uhr am "Kombi Naht", Louisenstraße 72. Zur kostenlosen Teilnahme kann man sich unter info@geflechtsbereit.de anmelden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.12.2012

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