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Studentinnenverbindung Regina Maria-Josepha zu Dresden ist in Sachsen einzigartig

Studentinnenverbindung Regina Maria-Josepha zu Dresden ist in Sachsen einzigartig

Hier, auf den Stufen zur Hofkirche, sind Jennifer Wagner und Yvette Wahl ein richtiger Blickfang. Mit violettem Hütchen und grün-violett-gold gestreiften Schärpen um die Hüften posieren die jungen Frauen ein bisschen so, als hätten sie ihr Leben lang nichts anderes getan.

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Immer schön lächeln: Die "Reginen" Yvette Wahl (l.) und Jennifer Wagner (r.) wissen genau, wie man damenhaft posiert.

Quelle: Susann Schädlich

Eine Traube asiatischer Touristen zückt die Foto-Apparate. Der eigentümliche Aufzug, der die Touristen so anzieht, hat weder etwas mit Karneval noch mit einer Misswahl zutun. Wahl und Wagner gehören der Akademischen Damenverbindung Regina Maria-Josepha zu Dresden an, der einzigen ihrer Art in Sachsen. "Die Farben zeigen nach außen hin unsere innere Zugehörigkeit zu dem Frauenbund", erklärt Wahl.

Lange galt die Welt der Studentenkorporationen als Männerdomäne, militärisch-elitäres Drumherum inklusive: Uniformen, Fechtübungen, Trinkspiele, Volkslieder und Gelage in vertäfelten Sälen. Junge Männer schworen sich lebenslange Treue, im Gegenzug gab es oft ein günstiges Zimmer in Studientagen. Dass sich nun auch Frauen in solchen Bünden organisieren, ist ein recht junges Phänomen. Von den knapp 50 derzeit in Deutschland existierenden Damenverbindungen gründete sich über die Hälfte erst im 21. Jahrhundert.

Auch die Akademische Damenverbindung Regina Maria-Josepha zu Dresden steckt sozusagen noch in den Kinderschuhen. Der 2009 gebildete Bund zählt derzeit elf Mitglieder. Dennoch wollen die "Reginen" dem Vorbild der Herren in nichts nachstehen - fast. "Lebenslange Freundschaft, das ist auch unser oberstes Gebot", erläutert Jennifer Wagner. Wer also einmal in die Verbindung eintritt, bleibt ihr bis ans Ende seiner Tage als sogenannte "Hohe Dame" treu und unterstützt nachfolgende Generationen. Das Wappen und die Erkennungsfarben tragen die Studentinnen mit Stolz: Gold steht dabei für die Wissenschaft, Violett für den Mut und Grün, na klar, für die Freundschaft.

Sturztrinken, erzkonservative Gesinnung und Fechtübungen? Von diesen Burschenschaften-Klischees wollen sich die Dresdnerinnen allerdings deutlich abgrenzen. Die Verbindungsdamen fechten nicht und Trinkspiele sind absolut tabu. Einen gewisser Hang zu leicht antiquiert anmutenden Verhaltensweisen ist jedoch nicht von der Hand zu weisen. Für gemeinsame Feste hüllen sich die jungen Frauen in Abendgarderobe. Zum Trinken gibt es dort ausschließlich Wein oder Sekt. "So ein Humpen Bier und ein Abendkleid, wie sieht das denn bitteschön aus?", stellt Forstwissenschaftsstudentin Yvette fest. Unter den Damen gibt es zudem eine klare Hierarchie. Jennifer nennt sich "Seniora" und ist derzeit die Präsidentin der "Reginen", Yvette als "Conseniora" ihre Stellvertreterin. Auch ist die Teilnahme an offiziellen Verbindungstreffen Pflicht. Neuzugänge müssen vor dem Beitritt die wichtigsten Standardtänze pauken. "Damit man im richtigen Moment einfach so lostanzen kann", erläutert Wahl. Sogar eine eigene Sprache pflegen die Bundesschwestern: Partys heißen im Verbindungsjargon "Kneipen", dabei sitzen die Studentinnen an einer festlichen Tafel und trällern alte, volkstümliche Lieder wie "Ännchen von Tharau" oder "Gaudeamus Igitur". Neuzugänge heißen "Fähen" (weibliche Füchse), wer "pault", stichelt sich gegenseitig an.

Wegen dieser Verhaltenscodes und des gängigen Klischees, Studentenverbindungen seien erzkonservativ bis rechtsaußen, ernten Wahl und Wagner von vielen Kommilitonen Kritik. "Unser Bund ist aber in keinster Weise irgendwie politisch zu sehen", protestiert Jurastudentin Jennifer Wagner. Jeder, egal welcher Hauptfarbe, ob dick oder dünn, ob reich oder arm, könne den Damen beitreten. "Nur weiblich muss man sein und einen akademischen Hintergrund haben - das ist alles", erläutert Yvette.

Ihren Namen haben die Dresdner Verbindungsmädels übrigens der Gemahlin von Friedrich August II. zu verdanken. 1719 heiratete die Österreicherin Maria Josepha den Kurfürsten von Sachsen und König von Polen. Ihr Leichnam ruht seit ihrem Tod 1757 unter der Dresdner Hofkirche.

Finanziert wird die Verbindung über Mitgliedsbeiträge. Dabei gilt: "Fähen", also wer noch ganz frisch dabei ist, zahlen einen Euro. Wer bereits beruflich Fuß gefasst hat, muss ein wenig tiefer in die Tasche greifen. "Das Verbindungsleben bereitet uns auf die Zukunft vor", antwortet Jennifer Wagner auf die Frage, welchen Nutzen sie eigentlich aus der Mitgliedschaft zieht. Durch den engen Kontakt zu den "hohen Damen" erhalte man oft schneller einen Namen oder Ansprechpartner für Praktika. Etikette, Pflichtbewusstsein oder freies Reden vor Publikum, Soft Skills eben, all das hätten sie, so Wahl, ohne die Studentenverbindung nie gelernt. Im Herbst können die Dresdner Damen dann zeigen, wie gut sie tatsächlich diese Soft Skills beherrschen. Von 3. bis 5. Oktober richten sie in Dresden das 25. Damenverbindungstreffen aus. Etwa hundert Mädels aus Deutschland werden in Elbflorenz zu Gast sein, sich über Gepflogenheiten, Traditionen und das Verbindungsleben austauschen. "Und natürlich werden wir auch einfach ein bisschen feiern", fügt Yvette Wahl mit einem Kichern hinzu. Dann aber bitte nur mit Sekt oder Wein.

Schädlich, Susann

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