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Standesamtsaufsicht erlaubt im Jahr rund 100 Dresdnern einen Namenswechsel

Standesamtsaufsicht erlaubt im Jahr rund 100 Dresdnern einen Namenswechsel

Anleihen aus der indischen Mythologie machen sich gut, wenn man Yoga-Lehrer ist und eigentlich Horst-Dieter Schulze heißt.

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Kerstin Zenker und Regina Hoffmann (v.l.) von der Standesamtsaufsicht räumen die letzten Umzugskisten aus.

Quelle: Carola Fritzsche

Mahavishnu Parameshwara. Von Madeleine Arndt

Simone Mehwald von der Standesamtsaufsicht erinnert sich an einige Yoga-Lehrer, die zu gern mit einer Namensänderung ihr Image auf exotisch polieren wollten. Sämtliche Anträge wurden abgelehnt. "Man kann sich hier weder Namen noch Adelstitel kaufen", betont Rechtsamtsleiter Martin Weber. Seinen Namen kann man sich nun mal nicht aussuchen. Es sei denn, der alte wird zur echten Qual.

Zwischen 70 und 100 Anträge auf Namensänderung gehen jährlich bei der Standesamtsaufsicht, einer kleinen dem Rechtsamt unterstellten Behörde ein. Während in den letzten Jahren zwei Drittel der Anliegen den Familiennamen betrafen, gebe es jetzt auch vermehrt den Wunsch nach einem anderen Vornamen, hat die Leiterin Simone Mehwald beobachtet. Wer nicht mehr Hans heißen möchte, weil er möglicherweise als Kind gehänselt wurde, habe aber keine Chance, so Weber. Es braucht triftige Gründe. So eine vom Gutachter bestätigte psychische Belastung aufgrund eines anstößig oder lächerlich klingenden Namens. Auch Opfer und Leidtragende von Gewalttaten, wie der vom Stiefvater misshandelte Sohn oder die Tochter eines Serientäters, haben gute Chancen auf eine andere Identität. Sammelnamen wie Müller und Schmidt können ebenfalls geändert werden, wenn der Namensträger sich vor körbeweise fremder Post nicht mehr zu retten weiß.

"Jeder Fall wird von uns ausführlich geprüft", sagt Mehwald. Es handle sich ja um einen schwerwiegenden Eingriff, bei dem sehr viele Dokumente geändert werden müssen. "Man löscht ja mit einem neuen Namen auch seine Spuren." Das Prozedere ist deshalb immer mit einer Recherche bei der Polizei verbunden. 2011 hat die Standesamtsaufsicht 31 Anträge auf Vornamensänderung genehmigt und zwei abgelehnt. Bei den Familiennamen wurden 44 geändert, fünf wurden nicht genehmigt. Fünf Verfahren wurden eingestellt. Die meisten Dresdner überlegen sich laut Mehwald den Schritt im Vorfeld sehr genau.

Darf der alte Name abgelegt werden, ist die Entscheidung für den neuen nicht ganz frei. Er sollte schon aus dem familiären Umkreis kommen, von den Großeltern zum Beispiel, so Mehwald. Etwa zwei Monate dauert der Wandel zur anderen Identität. Die Gebühren für einen neuen Rufnamen liegen zwischen 2,50 und 255 Euro, für eine Familiennamen zwischen 2,50 und 1022 Euro. Die Abrechnung erfolgt jedoch nicht nach Anzahl der geänderten Buchstaben, sondern nach dem Verwaltungsaufwand.

Seit dieser Woche sitzt die Standesamtsaufsicht in einem Haus mit dem Rechtsamt, im ehemaligen Robotron-Gebäude an der Grunaer Straße 2. Mit zwei Lkw voller Akten sind die Mitarbeiter am Freitag aus dem Klotzscher Ortsamt ins Stadtzentrum umgezogen.

Standesamtsaufsicht: Sprechzeiten: Mo 9 - 12 Uhr, Di u. Do 9 - 18 Uhr, Fr 9 - 12 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.03.2012

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