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Schauspielerin Tanja Schumann im DNN-Gespräch: "Ich bin keine Cindy aus Marzahn"

Schauspielerin Tanja Schumann im DNN-Gespräch: "Ich bin keine Cindy aus Marzahn"

Erst vor wenigen Wochen sahen Millionen Fernsehzuschauer, wie sich Tanja Schumann im fernen Australien als Teilnehmerin des "Dschungelcamps" schlug. Mittlerweile ist die Schauspielerin wieder zurück in Deutschland und momentan in Dresden.

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Nahm vor wenigen Wochen im fernen Australien am "Dschungelcamp" teil und spielt jetzt in der Comödie die "Perle Anna": Schauspielerin und Synchronsprecherin Tanja Schumann.

Quelle: Ralf U.Heinrich

Denn mit dem Stück "Die Perle Anna" feiert die 51-Jährige heute Abend an der Comödie Premiere. Die DNN hatten vorab Gelegenheit zu einem Interview mit Tanja Schumann.

Frage: Frau Schumann, Hand aufs Herz. Haben auch Bühnenprofis noch so etwas wie Lampenfieber?

Tanja Schumann: Auf jeden Fall, denn es gibt ja so unendlich viele Kleinigkeiten, die einen verwirren. Zum Beispiel rauche ich als Perle Anna gleich in der ersten Szene eine Zigarette, was wir in den Proben natürlich nur andeuteten. Während der eigentlichen Show stehst du dann aber auf der Bühne, hältst wirklich die brennende Zigarette in den Händen und musst daran ziehen. Es krümelt, plötzlich ist da Glut im Aschenbecher, du bist aber mit deinem Text schon weiter. Solche eigentlich nebensächlichen Dinge tragen definitiv zur Aufregung bei.

Im Stück stehen Sie als "Perle Anna" ganz schön zwischen den Stühlen-

Diese Komödie von Marc Camoletti ist schon so etwas wie ein Klassiker. Die Fassung, die wir spielen, stammt, glaube ich, aus den 1950er Jahren, wurde aber freilich modernisiert. Es geht halt um eine Haushälterin, die Perle Anna, die schon sehr lange für ein Ehepaar arbeitet. Bei den beiden läuft es nicht mehr rund, sie haben sich jeweils einen Gespusi angelacht. Irgendwann tauchen die Madame und der Monsieur zeitgleich in der vermeintlich leeren Wohnung mit ihren Geliebten auf, ohne dass die Paare einander wahrnehmen. Nur die Perle Anna weiß alles und überlegt nun, wen sie wohin kuppelt.

Sie leben mit Ihrem Mann in Hamburg, wie gefällt Ihnen die Partnerstadt Dresden?

Ausgesprochen gut, obwohl ich leider noch keine Zeit für das ganze Touristenprogramm hatte. Aber mit unserem Team haben wir am vergangenen Sonntag mal das schöne Wetter genutzt und sind nach Pillnitz gefahren. Da fühlte ich mich gleich wie zu Hause, als würde ich durch Blankenese spazieren.

Welche Erfahrungen haben Sie aus den zwei Wochen im Dschungelcamp mitgenommen?

Grundsätzlich möchte ich diese Zeit nicht missen und ich habe gelernt, dass ich mit Entbehrungen nicht wirklich gut umgehen kann. Nur Wasser und ein wenig Reis, dazu die nicht vorhandenen hygienischen Gegebenheiten, das strapaziert die Nerven sehr. Dazu das Gefühl, dass du 24 Stunden am Tag gefilmt wirst, egal, was du machst. Es belastete mich doch stärker als gedacht, nicht zu wissen, was nach außen kolportiert wird.

Die Zuschauer in Deutschland sahen Sie meistens im Schlafsack vor sich hin dämmern. Hatten Sie wirklich so wenig Kraft?

Überhaupt nicht. Früh um 4, wenn die Sonne aufging, war meistens ich es, die Wasser und Holz holte, die die Trinkflaschen füllte. Der Winfried Glatzeder und ich waren immer als erste auf den Beinen. Auch tagsüber habe ich mich nicht mehr oder weniger als die anderen auf der Pritsche liegen sehen. Natürlich ist immer die Frage, was von den 24 Stunden in 60 Minuten Sendezeit übrig bleibt. Und ich sehe ein, dass Dinge wie Holz holen und Abwaschen medial nicht so gut rüberkommen. Ich bin keine Cindy aus Marzahn. Klar gelte ich als lustige Comedian und das kann ich auch sein, aber eben auf der Bühne oder abends in geselligen Runden, nicht immer und überall.

Finanziell waren Sie vor einigen Jahren ganz am Boden, sechs Jahre lang befanden Sie sich in Privatinsolvenz. Wie sehr hat diese Zeit Sie verändert?

Ich bin heute sehr viel weniger leichtgläubig und vertrauensselig als damals in den 1990ern, wo ich mir von irgendwelchen Beratern Ost-Immobilien aufschwatzen lassen habe. Solche Leute stehen natürlich ganz schnell auf der Matte, wenn man wie ich damals bei "RTL Samstag Nacht" gut Geld verdient hat, und versprechen einem lukrative Steuersparmodelle. In Wahrheit hatte ich jedoch das ganze Paket gebucht: Leerstand, Mietnomaden, Bauträger, die pleite machen, und Immobilien, die plötzlich nur noch die Hälfte wert waren. Da hieß es dann, als ich verkaufen wollte: Was, Sie haben gar keine Wohnung in Leipzig, sondern nur irgendwo am Stadtrand? Nicht in Schwerin am Schloss, sondern in Pampow in der so genannten Pampa? Dies führte dazu, dass ich die 5000 Euro, die ich monatlich ohne meine eigenen Ausgaben bedienen musste, mit einfachen Theaterengagements nicht mehr auffangen konnte.

Gab es keine Freunde, die Ihnen halfen?

Hähä (lacht). Freunde hatte ich vor der Insolvenz viele und denen habe ich gern auch Geld geliehen, als ich noch welches hatte. Aber als ich fragte, ob sie ihre Schulden mal begleichen könnten, weil mittlerweile auch bei mir im Portmonee Ebbe herrscht, waren diese Freunde entweder plötzlich nicht mehr da oder hatten selbst nichts auf dem Konto. Wer in dieser schwierigen Zeit wirklich an meiner Seite stand, war mein Mann. Ohne ihn hätte ich vermutlich Hartz-IV beziehen müssen. Meine Erfahrungen mit der Privatinsolvenz und wie ich wieder Boden unter die Füße bekam, habe ich übrigens in meinem Buch "6 Jahre Taschengeld" verarbeitet.

"Die Perle Anna" mit Tanja Schumann, Premiere heute um 19.30 Uhr in der Comödie Dresden, Tickets unter Tel. 86 64 10

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.04.2014

Christoph Stephan

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