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Sagenumwobene Gestalten und auferstandene Burgherren wandeln am Samstagabend durch die Elbschlösser

Sagenumwobene Gestalten und auferstandene Burgherren wandeln am Samstagabend durch die Elbschlösser

Drei Schlösser, eine Nacht, ein mystisches Erlebnis. Wenn am Sonnabend über Dresdens Elbhang die Dunkelheit hereinbricht, bunte Fabelwesen, Feuerspucker und Ritter in ihrer glänzenden Rüstung die Wege der Parkanlagen säumen, dann erwachen die ehemaligen Bewohner der historischen Elbschlösser erneut zum Leben und entführen die Gäste in eine märchenhafte Welt.

Ein Fährmann lässt auf dem Teich von Schloss Albrechtsberg goldene Funken regnen, Artisten verzaubern mit einzigartigen Darbietungen und 260 Künstler singen und swingen durch die Abendstunden.

Bei solch einer Nacht dürfen natürlich auch die einstigen Inhaber der rechtselbischen Weinberge nicht fehlen: Der siebte Earl of Findlater, Prinz Albrecht von Preußen, Karl August Lingner, Jungpionier Max und Ottomar Heinsius von Mayenburg kehren aus ihrer Gruft zurück und unterhalten die Gäste als Elbhangzombies sowohl musikalisch als auch mit lustigen Geschichten und anrüchigen Details aus ihrer Vergangenheit.

Der Weinberg der Liebe

Ihre Geschichte beginnt mit dem schottischen Earl of Findlater - gespielt von Dieter Beckert - der wegen seiner Homosexualität im Jahre 1802 nach Dresden floh. Gemeinsam mit seinem Geliebten Johann G. C. Fischer gelang es ihm, fünf Weinberge auf Dresdner Grund zu erwerben. An der Stelle des heutigen Schlosses Albrechtsberg ließ der Earl das Palais Findlater errichten.

"Wir erzählen die Geschichten der fünf Persönlichkeiten musikalisch. Wir haben uns dafür Klassiker aus den vergangen 50 Jahren gesucht, sie umgedichtet und neu interpretiert", erklärt Bandmitglied Wolf-Dieter Gööck. So singt der Earl mit rauchiger und trauriger Stimme, vom Alter gezeichnet, in seinem schottischen Kilt, nach der Melodie des Titels "To love somebody" (Bee Gees) davon, dass keiner wisse, was es heißt, einen Mann zu lieben.

Eine ebenfalls tragische Liebesgeschichte führte Jahre später Prinz Albrecht von Preußen nach Dresden. Der Adlige wurde gezwungen, den preußischen Hof zu verlassen, da er eine nicht standesgemäße, zweite Ehe mit der Hofdame Rosalie von Rauch einging. Da der Prinz dennoch privilegiert wohnen wollte, folgte der Ankauf von Findlaters Grund und Boden. "Wegen dieser Geschichten wird das Areal auch gern Weinberg der Liebe genannt. Denn sowohl der Earl of Findlater als auch Prinz Albrecht kamen nach Dresden, weil sie wegen ihret damals unakzeptablen Liebeleien vertrieben wurden", erklärt Gööck, der die Rolle des Prinzen spielt.

Zwischen den musikalischen Einlagen erzählen die fünf Zombies ihren Zuhörern auch gern die ein oder andere Anekdote: "Wussten sie zum Beispiel, dass Prinz Albert ein extremer Pferdenarr war, der davon besessen war, das perfekte Kriegspferd zu züchten? Leider gelang ihm dies zu einem ungünstigen Zeitpunkt, nämlich als der Ottomotor erfunden wurde", erzählt Gööck.

Eine musikalisch-verbale Pöbelei

Die dritte Rolle der auferstandenen Schlossherren spielt der Musiker und Schauspieler Robby Langer. Seit fünf Jahren mimt er den Unternehmer Karl August Lingner, der sich mit der Gründung der Lingner-Werke 1912 in Dresden und mit der Vermarktung des Mundwassers Odol eine goldene Nase verdiente. Als seinen letzten Wohnsitz erwarb er die Villa Stockhausen, genannt Lingnerschloss. "Meine Rolle liebt es, sich auf der Bühne mit dem Apotheker Ottomar Heinsius von Mayenburg zu streiten", berichtet Langer. Grund: Nur wenige Jahre vor Lingner, erfand Mayenburg (Eigentümer des Schlosses Eckbergs und gespielt von Robert Jentzsch) die berühmte Chlorodont-Zahnpasta in der Tube, gründete später die Leo-Werke, welche neben der Zahnpasta auch die Leo-Pillen herstellte.

Das fünfte und jüngste Mitglied der Elbhangzombies ist der Jungpionier Max, gespielt von Max Lorenz. Er vertritt das in der DDR-Zeit zum Pionierpalast "Walter Ulbricht" umbenannte Schloss Albrechtsberg. Dass er den Titel "Wenn Mutti früh zur Arbeit geht" singt, versteht sich von selbst. "Max sorgt in unserer doch eher betagten Runde für den jugendlichen Schwung, der sich vor allem musikalisch widerspiegelt", erklärt Gööck.

Und so führen die fünf Herren als Elbhangzombies ihre Gäste quer durch die Geschichte der hoheitlichen Gemächer, erzählen von den Personen, die Schloss Eckberg, Schloss Albrechtsberg und das Lingnerschloss prägten. Der Spagat zwischen Spaß und Bildung ist es, der die Schauspieler so reizt. Am Sonnabend sind sie auf dem Gelände von Schloss Albrechtsberg zu finden und werden über den Abend hinweg mindestens drei höchst amüsante Shows liefern.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.07.2014

Nadine Steinmann

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