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Rallye Dresden-Dakar-Banjul: Joerg Lenk lockt auch das Abenteuer

Rallye Dresden-Dakar-Banjul: Joerg Lenk lockt auch das Abenteuer

Die soll durch die Wüste fahren? Für einen Laien sieht die Yamaha XT 600 eher erbarmungswürdig aus. So ohne Verkleidung, mit überall herausragenden Drähten und Leitungen ähnelt sie trotz polierter Felgen und neuem Auspuff eher einem selbstgebauten Moped.

Dresden.

Doch Besitzer Joerg Lenk ist ebenso optimistisch wie die bewährten Schrauber der Dresdner "Custom Gang", dass dieses robuste Zweirad im nächsten Frühjahr durch Nordafrika rollen kann. Als Joerg Lenk den Tank auf den Rahmen passt und weitere Verkleidungen aus den Tiefen der Werkstatt zaubert, sieht das bei ebay erstandene Wrack schon besser aus. Mit ihm will sich der Besitzer des Corleone Barber Shops in der Dresdner Neustadt - wenn alles gut geht, sich genug Sponsoren finden und Ebola nicht mehr wie ein Damoklesschwert über dem dunklen Kontinent hängt - im März 2016 durch die Wüste kämpfen. Als Teilnehmer der Charity-Rallye von Dresden nach Banjul in Gambia.

Klassische Win-Win-Situation

Von der Idee begeistert war Joerg Lenk nicht von Anfang an. Er ist quasi ein Opfer seiner Hilfsbereitschaft. "Ich habe das Team eines Freundes unterstützt. Und dann haben sie mich genervt, ob ich nicht auch mitfahren will. Ich hab versucht, mich rauszureden - die Firma, die Familie, die Risiken..." Doch auf alles gab es eine Antwort, für jedes Problem eine Lösung. Und dann fand auch noch seine Frau die Idee gut. "Das war's".

Inzwischen hat er Blut geleckt. "Das ist eine klassische Win-Win-Situation", sagt er. "Am Ende kann vielleicht ein Arzt mit der Kiste in die Dörfer zu Kranken fahren. Und ich fahre unheimlich gern Motorrad". Joerg Lenk, Jahrgang 1976, will das Wagnis unbedingt vor seinem nächsten runden Geburtstag eingehen. Und er weiß, dass das ein hartes Stück Arbeit wird.

Freunde nehmen die Maschine durch Europa mit, er steigt erst in Marokko in die Rallye ein. "Obwohl ich also nur anderthalb Wochen auf dem Bock sitze - oder wohl eher wie ein Crossfahrer stehe -, werde ich wohl etwas üben müssen", sagt er. Und sein Motorrad auch. "Denn ab Marokko wird es eine Materialschlacht". Wüstensand, Geröll, Hitze, Kälte - mit braven Straßenfahrzeugen ist da wenig zu wollen. Wichtig sind vor allem die Reifen. "Die sind heute meistens schlauchlos. Doch ich muss wahrscheinlich immerzu den Luftdruck dem jeweiligen Untergrund anpassen." Also kommt ein Schlauch in die Reifen. Außerdem wird die Maschine ordentlich gefedert, bekommt einen weicheren Sitz mit griffigerem Bezug und eine spezielle Kühlung. Zusätzliche Gitter werden Motor und Tank vor mechanischer Beschädigung schützen. Und schön aussehen soll das Teil am Ende auch noch.

So allmählich muss sich Joerg Lenk Gedanken machen, wie er den Umbau, die Ausrüstung (unter anderem Schulter- und Brustpanzer, Stiefel und Helm, Zelt, Sprit, technischen Support), die Teilnahmegebühr, und den Flug finanziert. Jetzt geht er auf Sponsorensuche. Freunde, Bekannte, Restaurant- und Barbesitzer in der Neustadt haben schon signalisiert, dass sie sich beteiligen; vielleicht gewinnt er auch noch ein paar größere Firmen oder Vereine. Sven Wienhold und Björn Herrmann, die Geschäftsführer der freien Werkstatt "Custom Gang" mit dem Ruf, fast jeden Wunsch von Motorradfans erfüllen zu können, sind von Anfang an dabei: Sie stiften ihre Arbeitskraft - "80 bis 100 Stunden" schätzt Sven.

Joergs drei Kinder sind noch hin- und hergerissen: "Sie sind traurig, dass ich fast zwei Wochen nicht da sein werde", sagt er. "Aber als sie hörten, dass es auch um kleine Leute wie sie geht, wollten sie sofort alle meine Taschen mit Spielsachen füllen für die Kinder da unten".

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.05.2015

Barbara Stock

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