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Predigten aus dem Videostudio: Die Dresdner Elim-Gemeinde geht unkonventionellere Wege

Predigten aus dem Videostudio: Die Dresdner Elim-Gemeinde geht unkonventionellere Wege

"Das ist mein Videostudio", sagt Andreas Rückert und öffnet eine Schiebetür in der Seitenwand seines Büros. Schwarze Decke, schwarze Seitenwände, Teleprompter.

Die Rückwand ist grün. An die lassen sich später Hintergrundbilder montieren. Auf einem Stehtisch liegt eine alte, ledergebundene Bibel, darauf die jüngste Schlachter-Übersetzung des Neuen Testaments. Symbol für die Verbindung von religiöser Tradition und Modernem.

Hier steht Andreas Rückert regelmäßig im Scheinwerferlicht und hält Predigten in die Kamera. Die kann man sich dann als Aufzeichnung auf der Internetseite der Dresdner Elim-Gemeinde anschauen, einer freikirchlichen Pfingstgemeinde, deren Pastor der 46-Jährige seit 2002 ist. Sehen und hören kann man da beispielsweise, wie er, lebhaft mit den Händen gestikulierend, erklärt: "So gehört für mich persönlich viel Glauben dazu, wenn ich davon ausgehe, dass das komplexe Design Mensch einfach so aus sich selbst heraus entstanden ist." In 20 Minuten legt er Antworten auf theologische Fragen dar. Bildreich, leicht verständlich. "Glauben-Wissen" nennt sich diese Rubrik. "Wir haben angenommen, jemand trifft einen Kollegen, erzählt dem: Ich gehe in die Elim-Gemeinde. Was wird er als einer von draußen wissen wollen? Wir haben auch auf Fragen geantwortet, die Leute interessieren, die vielleicht keine Christen sind."

Ein zweites Video fasst das Ganze in vier Minuten zusammen. Wer lieber lesen möchte, kann sich den Text als PDF-Datei herunterladen. Und für die ohne Internetanschluss gibt es die Predigten auf DVD für 2,50 Euro das Stück. Sie stecken in einem Regal neben der Bühne des Gottesdienstraumes. "Elim Glaubens-Mediathek" steht da dran.

"Vor anderthalb Jahren habe ich damit angefangen", erzählt Pastor Rückert. Ein Versuch. Doch die rund 7000 Euro Investition in die Technik für das selbst gebaute Studio hätten sich ausgezahlt, meint er heute. "43 000 Zugriffe bislang. Das ist wesentlich mehr als 15 Leute einmal die Woche in der Bibelstunde." Im Gottesdienst erscheine gelegentlich jemand zum ersten Mal, der zuvor regelmäßig die Predigten verfolgt habe.

Bei aller Offenheit für elektronische Medien, das Eigentliche ersetzen, betont Pastor Rückert, könnten sie nicht: menschliche Kontakte. Erst sie machten eine Gemeinde aus. Elim-Mitglieder haben Erfahrung damit. Seit Jahren wächst ihre Zahl leicht. Während in den beiden Großkirchen, evangelischer und katholischer, Gemeinden aus Geld- und Personalmangel zu immer größeren Verbünden fusioniert werden, gründet Elim neue.

Die "Oase" im Plattenbauviertel Gorbitz war 2003 der erste Ableger. Dann folgte eine Gemeinde in Prohlis, nun formiert sich eine kleine im Schönfelder Hochland. Mittelpunkt dort ist Markus Franz, vor sechs Jahren als Jugendpastor aus Hoyerswerda gekommen. Er hat ein Haus in Gönnsdorf. "Mit sieben, acht Leuten aus unserer Gemeinde hat er angefangen", erzählt Andreas Rückert. "Die wiederum haben Nachbarn mitgebracht. Gefällt es ihnen, laden sie weitere ein. Menschen auf der Suche, die etwas ausprobieren wollen. Wir werben keine Christen aus anderen Gemeinden ab", betont er. Inzwischen haben sie in Weißig Räume gemietet, wo früher einmal ein Fitnessstudio drin war. In denen treffen sie sich sonntags zu Gottesdiensten, anschließend essen sie gemeinsam Mittag. Eine Frau bietet Hip-Hop-Tanz für Kinder an.

In Prohlis lädt Frank Stenzel alle zwei Wochen in das Sozialgebäude neben der "Netto"-Kaufhalle mittwochs ein zu "Papas Brot", eine Runde zum Essen und miteinander Reden.

"Die Leute kommen da nicht mit festen Glaubensvorstellungen hin", sagt Andreas Rückert. "Sie wollen erst einmal dazu gehören, Teil einer Gruppe sein. Und sie wollen mitarbeiten." Seien erst einmal um die 25 zusammen, stabilisiere es sich und könne wachsen. Das sei so etwas wie die "kritische Masse", die überschritten werden muss, damit eine Gemeinde entsteht. Alles steht und fällt mit einem Engagierten. Deshalb könne eine Gemeindegründung auch mal misslingen, wie in Kamenz zum Beispiel.

Die Elim-Hauptgemeinde in der Dresdner Neustadt zählt inzwischen 300 Mitglieder. Durchschnittlich 250 kommen zu den Gottesdiensten. Aus einem Gebiet, das bis Großröhrsdorf und Coswig reicht. "Wir waren schon zwei mal an dem Punkt, wo wir über neue Räume nachgedacht haben. Aber dann haben wir uns entschieden, auf Gemeindegründungen zu setzen. Wir wollen dort als Kirche präsent sein, wo die Leute wohnen." Tomas Gärtner

Dachorganisation: gehört zum Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden in Deutschland (BFP)

Gründer: Heinrich Vietheer (1883-1968); gelernter Gerber; 1906 erlebt er pfingstliche Erweckung in Gemeinschaftsbewegung; 1907 Zeltdiakon; 1926 Gründung eigener Gemeinden

Name: Elim im Alten Testament Lagerplatz der Israeliten, an dem sie zwölf Brunnen und 70 Palmen fanden, an der Westküste der Sinai-Halbinsel; vermutlich die Oase im heutigen Wadi Gharandel (2. Buch Mose 15,27; 4. Buch Mose 33,9)

Geschichte: 1926 erste Zeltevangelisation mit Heinrich Vietheer in Dresden, Gründung der Christengemeinde Elim; 1938 Zusammenschluss der Elimgemeinden in Deutschland mit dem Bund der Baptistengemeinden, um Verbot durch die Nationalsozialisten zu entgehen; 1945 Zerstörung des Gemeindesaals an der Katechetenstraße; 1952: Ausbau der ehemaligen Gaststätte "Prießnitzbad", Bischofswerdaer Str. 1, zum neuen Gemeindehaus; 1991 Austritt aus dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten), Eintritt in den Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP)

Hauptgemeinde: Evangelische Christengemeinde Elim, Dresdner Neustadt, Bischofswerdaer Str. 1; Internetseite www.elim-dresden.de; ca. 300 Mitglieder

Gorbitz: Evangelische Christengemeinde "Oase", Espenstr. 1, Hauptleiter Rainer Klotz, Steve und Christina Walent, Tel. 0351/4384283, Internet www.oase-gorbitz.de; rund 70 Mitglieder, Kontakt zu weiteren 100 Personen

Prohlis: "gott@prohlis", Evangelische Christengemeinde Dresden-Prohlis, Prohliser Allee 6, Pastor Frank Stenzel, Tel. 0351/25650456; Internet www.gap-dresden.de; bis zu 30 Gottesdienstbesucher

Schönfelder Hochland: Christengemeinde Hochland, Gönnsdorf, Schönfelder Landstr. 27, Treffen auch in Weißig, Hauptleiter Markus Franz

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.12.2012

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