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Pfandflaschen neben den Mülleimer - Initiative will auch in Dresden Flaschensammlern das Leben erleichtern

Pfandflaschen neben den Mülleimer - Initiative will auch in Dresden Flaschensammlern das Leben erleichtern

Die Idee ist einfach und erinnert so ein klein wenig an das gute alte Sero-System aus DDR-Tagen: Lästige Pfandflaschen, die nachts beim Feiern stören, weil man sie nirgends versilbern kann, für Bedürftige sammeln, statt sie achtlos über den nächsten Gartenzaun oder in den Hausmüll fremder Mietobjekte zu werfen.

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Sogenannte „Pfandkästen“ – direkt neben Kneipen aufgehängt – sollen Flaschensammlern den Alltag erleichtern

Quelle: Jane Jannke

„Immer mehr und insbesondere ältere Menschen sind auf dieses tägliche Zubrot angewiesen“, sagt Matthias Seeba-Gomille. Mit seiner Initiative „Pfand gehört daneben“ will der Berliner denjenigen etwas Würde zurückgeben, die unter anderem vom Flaschensammeln leben. Am Mittwoch stellte er sein Projekt in Dresden vor.

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"Pfand gehört daneben" - eine Dresdner Initiative will sozial schwachen Pfandsuchern das Leben etwas leichter machen.

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Im vergangenen Jahr kam Seeba-Gomille der Gedanke, als er bei einer Clubtour Menschen beobachtete, die die von Partygängern am Straßenrand abgestellten Flaschen sofort an sich nahmen. Sogenannte „Pfandkästen“ – direkt neben Kneipen aufgehängt – sollen ihnen den Alltag erleichtern. Gewöhnliche Flaschenkästen aus dem Supermarkt, die – entsprechend gekennzeichnet – zu Pfandsammelstationen umfunktioniert werden. Wer Obdachlosen und Bedürftigen etwas Gutes tun will, der stellt seine leeren Pfandflaschen einfach in die Kästen. „Auf diese Weise bleibt den Betroffenen zum einen das erniedrigende Herumwühlen in anderer Leute Müll erspart, zum anderen sinkt das Verletzungsrisiko durch Scherben in finsteren Müllkübeln“, erklärt Seeba-Gomille und fordert auch die Dresdner zum Aufstellen weiterer Pfandkästen auf.

Aus der Idee ist eine bundesweite Bewegung geworden. Das Facebookprofil der Initiative zählt mittlerweile über 17.000 Fans. „Es ist eine sehr einfache Möglichkeit, selbst aktiv Hilfe zu leisten“, sagt Mischa Karafiat, der die Aktion in seiner Heimatstadt Hamburg vorantreibt. Unterstützung findet das Projekt auch bei zahlreichen Künstlern wie der sächsischen Ska-Band Yellow Cap, die eigens einen Song („schön daneben“) nebst Video-Clip kreiert hat, um die Kampagne zu promoten. Am 22. November ist ein Benefizkonzert im Dresdner Club „Sabotage“ (Bautzner Straße 75) angedacht, dessen Erlöse komplett „Pfand gehört daneben“ zugutekommen soll.

Ganz so einfach ist die Sache mit den Pfandkästen allerdings nicht. Denn theoretisch bräuchte man für jeden Kasten, der an einer Hauswand oder einem Zaun aufgehängt werden soll, die Erlaubnis des Grundstückseigentümers. Und auch die Vandalismus- und Missbrauchsproblematik spielt eine Rolle. Denn wer stellt sicher, ob die abgegebenen Pfandflaschen auch die erreichen, die sie dringend brauchen? Matthias Seeba-Gomille sorgt sich darum nicht: „Wer will sagen, wer es wirklich braucht?“ Im Endeffekt gehe es darum, auf die Problematik aufmerksam zu machen und zu weiteren Diskussionen um soziale Not im Lande anzuregen.

Jane Jannke

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