Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Per Motorrad zum Friedhof - das offeriert ein Hesse ab heute bei der Bestattungsmesse "Pieta"

Per Motorrad zum Friedhof - das offeriert ein Hesse ab heute bei der Bestattungsmesse "Pieta"

"Beim Tod sind sie alle gleich." Ob nun das Opfer eines Rockerkriegs, ein Unfalltoter oder ein natürlich Gestorbener im Sarg liegt, ist Jörg Michael Grossmann egal.

Voriger Artikel
Rallye Dresden-Dakar-Banjul: Joerg Lenk lockt auch das Abenteuer
Nächster Artikel
Traumberuf Prinzessin: Lisa Ohrnberger veranstaltet märchenhafte Besuche für Kinder

Jörg Michael Grossmann (l.) will sein Bestattungsmotorrad bekannter machen, Michel Gourdou hat dazu passend eine Urne aus einem Harley-Zylinder gebaut.

Quelle: D. Flechtner

Er fährt alle, sein Job ist "die würdevolle letzte Fahrt". So beschreibt der Hesse sein Angebot, das es seit drei Jahren gibt und das er ab heute zum ersten Mal in Dresden vorstellt. Den "Last Ride", den Sargtransport im Motorradbeiwagen.

Mehr als 200 solche Touren ist Grossmann in den vergangenen zwei Jahren gefahren. Zwei Motorräder hat der ehemalige Geschäftsführer eines Großunternehmens dafür, eine Kawasaki und eine Harley. Den Beiwagen hat er selbst entwickelt, einen Prototypen bauen lassen und schließlich die Tüv-Abnahme überstanden. "Da muss man auch das Bestattungskraftwagengesetz beachten", weiß er inzwischen.

Sein Angebot ist gefragt. In der nächsten Woche, gleich nach der Pieta, rechnet er mit einem Auftrag aus Düsseldorf, womöglich gleich zwei Beerdigungen, bei denen seine beiden Motorräder eingesetzt werden müssen. "Eigentlich fahre ich alle Bestattungen selbst. Es sei denn, es überschneiden sich welche", berichtet Grossmann.

Von der Pieta verspricht er sich viel. "Da kommen 2000 Fachbesucher aus 15 Ländern", weiß er zu berichten. Ihnen will er sein Spezialangebot zeigen. "Sie können das Motorrad sehen, es anfassen, mich persönlich fragen, das ist hochinteressant für mich", beschreibt er seine Erwartungen an den Dresden-Besuch. "Mein Ziel ist, Lizenzen zu vergeben." Grossmann sucht Bestatter oder andere geeignete Unternehmer, die es ihm gleichtun wollen, ihm ein eigens dafür umgebautes Motorrad abkaufen und dann ebenfalls solche Bestattungstouren anbieten. "Ein Gepann und eine Lizenz habe ich gerade nach Dänemark vergeben", berichtet der leidenschaftliche Motorradfahrer aus Usingen bei Bad Homburg.

Aufträge aus Sachsen hatte er bisher noch nicht. Aber er rechnet damit und weiß, dass wenigstens ein Bestattungsunternehmen aus der Region Dresden ernsthaftes Interesse an seinem Angebot hat. Grossmann: "Es ist wichtig, zu wissen, was einen Menschen ausgemacht hat, was für Hobbys er hatte." War es ein Motorradfahrer, sei seine Bestattungsfahrt vielleicht der passende Weg für einen würdigen Abschied. Nicht nur bei Sargbestattungen, auch bei Urnenbeisetzungen, denn ein Urnengestell hat er für seine Motorradbeiwagen selbstverständlich auch gebaut.

Sein Angebot ist nicht ganz billig. Der "Last Ride" kostet einen hohen dreistellligen Betrag, zusätzlich zu den üblichen Bestattungskosten. Dafür steht Jörg Michael Grossmann samt seinem Motorrad dann bis zu einem Tag lang zur Verfügung. Für die Anreise, bei der das Motorrad in einem Hänger transportiert wird, verlangt er dafür nicht viel mehr als den Spritpreis. Die "letzte Fahrt" ist damit zwar kein ganz billiges finales Erlebnis, aber eben ein würdevolles, ist Grossmann überzeugt.

Die Bestattungsmesse Pieta ist nur für Fachpublikum geöffnet. Infos zum Angebot von Jörg Michael Grossmann gibts im Internet unter www.jg-motorradbestattungen.de.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.05.2015

Christoph Springer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Boulevard