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Partnerstädte: So vernetzt ist Dresden in der weiten Welt

Partnerstädte: So vernetzt ist Dresden in der weiten Welt

Die Zahl hört sich zunächst gut an: Laut Rathaussprecherin Sigrun Harder finden in diesem Jahr mindestens 80 Programmpunkte statt, die unter dem Dach einer Städtepartnerschaft stehen.

Dazu zählen einerseits die Besuche mit offiziellem Charakter. Zum Beispiel wohnten der Lord Mayor von Coventry und der Bürgermeister von Salzburg der Eröffnung der Dresdner Musikfestspiele bei.

Außerdem kommen immer wieder Gäste aus den Partnerstädten, etwa wenn die Rotterdamer Videokünstlerin Anneke A. de Boer in den Sommerferien einen Kurs an der 16. Internationalen Dresdner Sommerakademie für Bildende Kunst des riesa efau leitet. Das Gros der Städtepartnerschaften machen allerdings gegenseitige Austauschprogramme von Schülern und Studenten aus. So waren erst kürzlich zwei Schülerinnen der Columbus School for Girls zu Gast im Evangelischen Kreuzgymnasium und analog dazu Kinder von der Montessorischule an der Maiyuqiao Elementary School im chinesischen Hangzhou.

"Die Städtepartnerschaften machen Europa und globale Zusammenhänge durch die Begegnungen und Reisen konkreter erlebbar", erklärt Harder. "Und sie liefern einen Beitrag dazu, Dresden international bekannter zu machen."

Ein hehres Ziel, das sich die Stadt jährlich 120 000 Euro kosten lässt. Mit diesem Geld werden die Projekte von Vereinen, Schulen, wissenschaftlichen Einrichtungen und Initiativen gefördert. Harder betont explizit, dass über die Jahre keine einzige Städtepartnerschaft eingeschlafen sei. "Es gibt zu allen Partnerstädten gute Kontakte, doch aktuelle politische oder andere Ereignisse sowie andere politische Schwerpunktsetzungen können die Zusammenarbeit auch mal verlangsamen", sagt sie vor allem mit Blick auf die Zusammenarbeit zwischen Dresden und dem vom Bürgerkrieg gezeichneten Brazzaville im Kongo.

Was Sigrun Harder nicht anspricht ist die Tatsache, dass insbesondere die Partnerschaft mit Hamburg Dresden nach der Wende entschieden voran gebracht hat. Nicht nur auf dem Level eines Schüleraustauschs, sondern vielmehr als Impulsgeber bei der Ansiedlung von Wirtschaftsunternehmen. Zwischen 1990 und 1995 hatte die Hansestadt mit Staatsrat Helmut Bilstein einen eigenen "Dresden-Beauftragten", der oft im Stil-len die entscheidenden Fäden zog. Dies ging so weit, dass Verwaltungsstrukturen mit Hilfe der Hamburger optimiert und in sozialen Einrichtungen sowie Kran-kenhäusern ständig versucht wurde, von den Erfahrungen der anderen Seite zu lernen. 18 Jahre nach Auflösung des Hamburg-Büros im Dresdner Robotron-Areal ist von der Verbindung nicht viel mehr als eine "normale" Städtepartnerschaft übrig geblieben. Ende April gab es im Vorfeld des Kirchentages eine Rudertour von Dresden nach Hamburg, Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) besuchte den Kirchentag ebenfalls.

Wenige Tage später kam der Bürgerverein aus Blankenese zum Dresdner Dixieland-Festival. Schließlich ist auch noch ein gemeinsames Konzert des Dresdner Lukaschores und des Hamburger Nikolaichores am 3. und 4. August anlässlich des 70. Jahrestages der Zerstörung der Hansestadt im Zweiten Weltkrieg und eine Verkaufsausstellung mit Bildern aus einem Künstleraustausch geplant.

Dresden und seine Partnerstädte verbinden der offiziellen Lesart zu-folge sowohl gemeinsam geteilte Schicksale wie Kriegsschäden als auch ähnliche Profile als Kunst- und Kulturzentrum. Ein wichtiger Ansatz sei auch, wie eine Stadt ihr historisches Erbe mit den Anforderungen an die Gegenwart verknüpft.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.05.2013

Christoph Stephan

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