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Ostereier statt Chemie: Eine Dresdnerin trotzt der Arbeitslosigkeit mit Wachsbatik auf Eiern

Ostereier statt Chemie: Eine Dresdnerin trotzt der Arbeitslosigkeit mit Wachsbatik auf Eiern

zur Blume des Jahres 2013 gewählt - steckt unter einer rötlich-dunklen Wachsschicht im dunkelgrünen Untergrund. Noch macht es wenig bis nichts von sich her.

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Unter der Lupenlampe trägt Petra Plath mit einer elektrisch beheizten Röhrchenfeder das Wachs auf.Fotos (2): Genia Bleier

Quelle: Genia Bleier

Das Leberblümchen. Man ahnt sein Blau nicht einmal. Auch andere "Halbfertigprodukte" lassen den Farbenreichtum von Blüten und Blättern noch vermissen, der sich am Ende eines langen Prozesses auf einem Oval wiederfindet. Petra Plath bannt die Natur auf Ostereier. Stiefmütterchen, Schneeglöckchen, Löwenzahn, Zierquitte, Heidelbeere, Gräser, dazu ein Schmetterling oder eine Libelle. Nichts ist zu unscheinbar, um zum kleinen Kunstwerk auf einem Hühner-, Enten- oder Gänseei zu werden, manchmal darf es auch das größere Nandu- oder Straußenei sein.

Die gewählten Ausschnitte einer überaus reichen Botanik sind nicht mit dem Pinsel gemalt, obwohl sie durchaus so aussehen. Plath hält Blüten und Blätter auch als Aquarellbild gern fest oder malt Landschaften und Stadtansichten. Ihre Eier aber gestaltet sie ausschließlich in Wachsbatik-Technik. Die aus dem Sorbischen besonders durch geometrische Motive bekannte Methode erhält bei ihr eine eigene malerische Note. Bis zu 40 Farben verwendet die Künstlerin. Sie ermöglichen ihr fein abgestufte, nuancenreiche Wiedergaben.

Nach der Vorzeichnung wird das Ei erstmals gefärbt, anschließend eine erste Wachsreserve an den entsprechenden Details aufgetragen. Sehr gut geht das zum Beispiel mit der elektrisch beheizten Röhrchenfeder. Das Prozedere wiederholt sich mehrfach: nächstes Farbbad, weitere Wachsschicht. Oder eine bereits erzielte Farbgebung wird durch eine weitere Farbe gebrochen oder aufgehellt. Im Extremfall kann das ganze Ei auch wieder entfärbt werden. "Alle offenen Flächen des Eis reagieren, färben sich oder lassen sich entfärben. Alle wachsbedeckten Flächen bleiben so wie sie sind. Dies ist jedenfalls der Idealfall", erklärt die Dresdnerin.

Dabei hat sie ihre eigenen Methoden entwickelt - nicht zuletzt durch Ausprobieren. Die nächsten Versuche, die mehr Plastizität auf die Eierschale bringen sollen, stehen schon an. Vorlagen kleiner floraler Schönheiten sammelt sie aus Pflanzenbüchern oder auch direkt in der Natur und entwickelt daraus ihre Kompositionen. "Diese Tätigkeit ist nichts zum schnell Fertigwerden. Man braucht viel Geduld", sagt Plath. "Aber sie ist meine Leidenschaft, bei der ich essen und trinken vergessen kann."

Schon als Kind auf dem Land und während ihrer Ausbildung zur landwirtschaftlich-technischen Assistentin in jungen Jahren entwickelte sie ein intensives Verhältnis zur Natur. Die künstlerisch-kreative Seite kam als Zirkelleiterin zu ihrem Recht. Ihr eigentlicher Beruf aber ist Diplom-Chemikerin. Doch mit der Wende kam wie so oft im Osten die Arbeitslosigkeit. Nachdem zwei Umschulungen nicht den erhofften Job brachten, ließ sie sich nicht entmutigen, sondern absolvierte die dritte mit dem Ziel der Selbstständigkeit. Dass die Ostereier dabei eine Rolle spielen würden, war zunächst nicht abzusehen. Bestärkt durch andere Umschüler wurde der Focus auf Kreativität gelenkt, auf das, woran sie eigentlich schon immer Freude hatte. So entstanden die ersten Postkarten, die sie an Hand eigener Aquarelle anfertigte. Als Plath dann 1995 erstmals einen Ostereier-Markt kennenlernte, wusste sie, was ihr Weg sein könnte.

"Die Eierleute sind sehr hilfsbereit", sagt die 67-Jährige lachend. Inzwischen ist sie seit 16 Jahren über Ostern unterwegs und hat in dieser Zeit schätzungsweise um die 5000 Eier kreiert. Buch führt sie nicht darüber. Auch dieses Jahr absolviert sie wieder ihre "Markttournee". Zurzeit ist sie schon unterwegs nach Gräfelfing bei München, Seligenstadt, Zons, Mardorf und in die Klöster Andechs und Benediktbeuern. Früher gehörte auch mal der Dresdner Kulturpalast zum Programm. Überall steht das Osterei als Kunstobjekt im Mittelpunkt und natürlich reisen die Aquarellkarten ebenfalls mit.

"Ich bin auch schon nach einem Bruch des Fußes mit Krücke und Rucksack unterwegs gewesen", berichtet die unternehmungslustige Künstlerin. Reich wird sie mit ihrem kleinen Ein-Frau-Unternehmen bei Preisen zwischen 14 und 30 Euro für ein aufwändig dekoriertes Ei nicht. In der Werkstatt in der Dresdner Neustadt hat Petra Plath auch gesammelt, was andere Ostereier-Künstler mit anderen Techniken hervorbringen. Vor allem aber lagern hier schon die Ideen für weitere Jahre. Und eine Unmenge zugeschnittener Vogelfedern warten auf ihren Einsatz, dem Blütenblatt die richtige Form zu geben.

Derzeit führen in Dresden zwei Geschäfte in der Hauptstraße und am Schillerplatz Petra Plaths Karten mit Aquarellmotiven. Die Ostereier kann man nur direkt erwerben per Telefon und Fax 8103745. Genia Bleier

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.02.2013

Bleier, Genia

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