Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Olaf Schuberts Stadtrundshow als Wahlnachlese in der Saloppe

Olaf Schuberts Stadtrundshow als Wahlnachlese in der Saloppe

Olaf statt Dirk: Mindestens 800 Dresdner würden für alle kommenden Stadtratssitzungen garantiert Eintritt zahlen, wenn Olaf Schubert Obermeister aller Bürger wäre und seine Gesellen wie Vasallen im Rathaus das Singen, Spielen und Sagen hätten.

Voriger Artikel
Schöne Mädels, heiße Schlitten: Die US Car Convention 2015 in Dresden
Nächster Artikel
50 Jahre "oben ohne": Wartburg-Cabrios treffen sich am Sonnabend in Dresden

"Fauxpax": Olaf Schubert (2.v.l.) als Dresdner Stadtadmiral ohne Pullunder im Saloppegarten.

Quelle: Andreas Herrmann

Diese könnten dann sogar im Freien und bei Regen stattfinden und versprächen einen hohen Unterhaltungswert - so wie in der Sommerwirtschaft Saloppe.

Hier kam der Meister - zwanzig Minuten nach Beginn erstmals auf der Bühne - direkt aus dem Garten und mit blauer Admiralsjacke. Ein "Fauxpax", wie er in deutscher Aussprache zugab, denn der Rautenpullunder, mühsam von jungfräulichen Blondinen im Erzgebirge gehäkelt, fand sich partout nicht in der Radtasche. So musste er im Outfit der Vogel- wie Maulwurfscheuche auftreten und arbeitete sich erstmal an der engeren Konkurrenz ums Stadtoberhaupt ab.

Die Versuchsanordnung der "Dresdner Stadtrundshow" - hier kann man durchaus von Familienaufstellung sprechen - ist ähnlich, wie man sie aus den Schubert-TV-Messen kennt. Nur ist das wenig verwunderlich, denn hier wartet das Original, normalerweise in der Schauburg beheimatet. Die diversen TV-Formate - zwei ARD-Aufzeichnungen von "Olaf verbessert die Welt" waren in dieser Woche live im Festspielhaus Hellerau zu erleben - bauen auf den Markenkern: Der Maestro hält ein aktuelles Witz-Potpourri parat und knechtet en passant sein Personal ein wenig. Am meisten Jochen M. Barkas und dessen Witze und Klaus Magnet - hier wie da fürs Wohlergehen der Gäste zuständig. Diese wären in einem virtuellen Schattenkabinett Schuberts garantiert für Kultur und Soziales zuständig, während Jens "Bugge" Bürger, der einerseits den köstlichen Part der Presseschau aus "Le Monde" und "El Pais" vortrug und dabei aus dem Amtsblatt vorlas, und andererseits die Postleitzahl des Monats - mit 01127 ausgerechnet Pieschen - vortrug, der geborene Bau-Marx-Nachfolger wäre. Bert Stephan, auch hier als Aufpasser und Spieß vom Dienst am eigenen Schreibtisch rechts hinten, hält die Fäden zusammen, macht den Quiz mit Maune im Deutschland-Trikot, der dank Drei-Viertel-Joker (die drei falschen Antworten werden ausgeblendet) 50 Euro gewinnt und perfekten Ordnungs plus Sicherheits-Sittel.

Ob man bei dieser Besetzung noch Gäste gebraucht hätte, darüber kann man geflissentlich, aber gut streiten. Denn die Jazzfanatics, als Septett von Jochen M. Barkas als Orchesterleiter im weißen Smoking dirigiert, sind ebenso fester Bestandteil des Schubert-Planetariums, das traditionell mit dem Kosmos der nun fast dreißigjährigen Neustädter Kultcombo Dekadance oszilliert, wie die vier Herren auf der Bühne. Die Band entfaltet - wie sonst in der Schulzeit montagabends kostenlos in der Scheune - einen furiosen Sound, von dem man mühelos mehr verkraftet hätte.

Aber das Zeitkorsett war eng gestrickt und die Gäste wollten singen, um bisschen Werbung für eigene Shows wie Scheiben zu machen. So kam Rainer König als Hexe Baba Jaga auf die Bühne, erzählte kurz ihre Geschichte, sang per Halbplayback einen Song, um dann "den Olaf" zu umgarnen und mit einem grünen (!) Pullunder zu beschenken. Seine knarzige Performance funktioniert sicher ganz gut bei Kids aus der Peripherie, wirkte aber hier weder witzig noch sonderlich originell. Kühler Beifall war die Folge, und Bert Stephan komplimentierte den Gast mit Hinweis auf die Pause, die der Veranstalter nun unbedingt für den Konsumumsatz bräuchte, recht rasch hinter die Bühne.

Achim Mentzel, angekündigt als die "fette Gurke aus Lübbenau", war da schon besser, aber ebenso wenig ordentlich eingesungen und daher stimmlich nicht überzeugend. Doch das scheint bei derber Volksmusik fast obsolet - und der private Talk geriet, angesichts von acht Kindern mit sechs Frauen plus neun Enkeln, wesentlich interessanter als jener mit der Hexe. Mentzel ist ein authentisches Urgestein, der auch frontalverbal dagegen hält.

Ihm kochte Klaus Magnet im Hintergrund Kartoffeln mit Quark plus Leberwurst (und Gurken) - vorzüglich, wie auch Olaf Schubert, der Mentzels Reste aß, bestätigte. Achim schenkte dann - welch Wunder - Olaf den echten Pullunder. In Originalfarben und der passenden Outdoor-Version, also mit langen Ärmeln. So aufgebaut, sangen sie zum Schluss, nach zwei satten Stunden Showzeit, noch ein nettes Duett und Publikum wie Künstler verschwanden in die nasse Nacht wie in die Ferienzeit.

Da die nächste Stadrundshow am 5. Oktober bereits ausverkauft ist, bleibt den treuen Jüngern in der Saure-Gurken-Zeit nur der Besuch der Abschiedstour von "Die Musketiere - Eimer für alle" am 30. August im Senftenberger Amphitheater und am 4. September auf der Waldbühne Jonsdorf.

"Dresdner Stadtrundshow": am 5. Oktober mit Abdelkarim und DorFuchs (ausverkauft), am 16. November mit Maxi Gstettenbauer und den Elbhang-Zombies sowie am 18. April 2016 in der Schauburg (je 20.30 Uhr).

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.07.2015

Andreas Herrmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Boulevard