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Nach 40 Jahren Tätigkeit am Uniklinikum muss Dr. Bettina Hauswald beruflich kürzer treten

Nach 40 Jahren Tätigkeit am Uniklinikum muss Dr. Bettina Hauswald beruflich kürzer treten

"Ich liebe meinen Beruf über alles", sagt Dr. Bettina Hauswald. Umso schwerer fällt es der HNO-Fachärztin, Allergologin und Akupunkturspezialistin, dass sie nur noch 20 Stunden in der Woche am Uniklinikum arbeiten darf - in der Einrichtung, in der sie seit 40 Jahren tätig ist.

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Langweilig wird es Dr. Bettina Hauswald nie. Fünf bis sechs Dinge macht die Medizinerin nach eigener Aussage immer parallel.

Quelle: Dietrich Flechtner

Sie hat das entsprechende Alter erreicht, auch wenn sie darüber nicht gern spricht. Untypisch für die temperamentvolle Ärztin. "Mein Mund ist klein, aber nur anatomisch gesehen", sagt sie selbst lachend.

Dass sie Ärztin werden würde, stand für Dr. Hauswald schon früh fest. "Ich habe mich immer zu kranken Leuten hingezogen gefühlt", sagt sie. Ihre Großmutter war Gemeindeschwester, die kleine Bettina immer mit dabei. Steinig war der berufliche Weg dennoch. Abitur durfte sie im DDR-Regime nicht sofort machen, also wurde sie Facharbeiterin für Elektromechanik. "Ich habe alles auswendig gelernt und den Abschluss auch sehr gut geschafft. Aber ich wollte viel lieber mit Menschen zusammenarbeiten", erinnert sich Dr. Hauswald.

1969 arbeitete sie deshalb für ein Jahr als Hilfsschwester, ab 1970 folgte das Medizinstudium in Berlin. 1973, das Jahr in dem sie ihren Mann Gunter heiratete, kehrte an die heute Uniklinik zurück. Seit 1980 ist sie Fachärztin für HNO und Allergologie, fünf Jahre später - auf Anraten von Dr. Heinz Langer - spezialisierte sie sich zudem auf die Akupunktur. Mittlerweile gilt sie in ihren Fachbereichen als Expertin. So stuft sie beispielsweise das Magazin Focus in diesem Jahr zum dritten Mal als Top-Medizinerin im Bereich der Allergologie ein, sie ist Gastdozentin in der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur, Mandatsträgerin in der Landesärztekammer, Schriftführerin der deutschen Arbeitsgruppe Riechen/Schmecken und sächsische Regionalleiterin der Ärztegesellschaft Deutscher Allergologen. 1995 war sie zudem maßgeblich an der Gründung des UniversitätsAllergieCentrums am Uniklinikum beteiligt.

Dr. Hauswald hat es weit in die Welt getragen, sie hat Vorträge in Rio de Janeiro, Buenos Aires oder Sydney gehalten. Aus Dresden aber bekommt sie niemand weg. Auch 1972 nicht, als die DDR-Oberen den Baubetrieb der Eltern enteigneten. Oder als 1987 das Angebot kam, eine gut bezahlte Stelle in Itzehoe anzunehmen. "Ich hänge an Dresden. Und ich bin stolz, dass ich es als Frau und Ossi so weit gebracht habe", sagt sie. In ihrem Elternhaus an der Adolfstraße wohnt sie noch immer.

Ihr Job ist für sie mehr als eine Tätigkeit, besonders nach dem Verlust ihres Mannes vor zwei Jahren stürzte sie sich noch mehr in die Arbeit. "Ich möchte in jedem Leben wieder HNO-Arzt, Allergie-Arzt, Akupunktur-Arzt und Arzt für Riechen und Schmecken werden. Selbst im Jenseits miete ich oben auf der Wolke 7 eine HNO-Allergie-Abteilung an", scherzt die Medizinerin. Die Faszination für die Hals-Nasen-Ohren-Medizin stammt aus der Kindheit. Damals litt sie selbst ständig an den typischen HNO-Krankheitsbildern, wie zum Beispiel an Mittelohrentzündungen. Hilfe schaffte der Arzt Dr. Gerd Wünsche in Striesen. Er war der erste Grund für den späteren beruflichen Werdegang.

Die Medizin allein füllt ihr Leben allerdings nicht aus. Musik ist die Leidenschaft von Dr. Bettina Hauswald. Gemeinsam mit ihrem Mann stand sie für unzählige Veranstaltungen am Plattenteller, die Countdown-Discothek B. und G. Hauswald war in Dresden und Umgebung bekannt. "Ich war die einzige promovierte Schallplattenunterhalterin in der DDR", sagt sie. Aus diesen Zeiten rührt auch die tiefe Freundschaft zum Unternehmer und Dresden-Original Wolle Förster. Auch heute noch sorgt sie für Stimmung auf Veranstaltungen, zum Beispiel beim alljährlichen Sommerfest der Uniklinik.

Ein reiches Leben liegt hinter Dr. Hauswald. Gibt es etwas, dass sie bereut? "Dass ich nicht mehr Kinder bekommen habe, ich wollte immer zwei bis drei." Es blieb bei Sohn Jan-Christopher, um dessen Erziehung und häusliche Umgebung sich maßgeblich Ehemann Gunter kümmerte. "Der Haushalt ist einfach nicht die Erfüllung für mich."

Nun der Neubeginn: "Als ich fünf Jahre alt war, habe ich mich gelangweilt. Ich wollte endlich in die Schule, die Tage schienen unendlich lang. So fühle ich mich jetzt auch", sagt sie. Von mittwochs bis freitags ist sie am Uniklinikum auf Honorarbasis tätig. Der Montag und der Dienstag gehören ihr. Ruhig allerdings lässt es die Medizinerin nicht angehen, fünf bis sechs Dinge macht sie nach eigener Aussage immer parallel. "Durch die jahrelange Erfahrung weiß ich jetzt so viel, warum soll ich aufhören?", fragt sie. Kontakte hat sie bereits geknüpft, auch eine Privatpraxis in ihrem Haus kann sie sich vorstellen. "Als Ärztin kann ich noch jahrelang arbeiten."

Ihre ganze Konzentration richtet sie dieser Tage auf die 25. Jubiläumstagung der HNO-Arbeitsgemeinschaft der klinischen Immunologie, Allergologie und Umweltmedizin, die morgen und am Sonnabend im MTZ, Fiedlerstraße 42, stattfindet. Alte Weggefährten aus ganz Deutschland werden dabei sein. Auch, um der Medizinerin ihren Respekt für ihre 40-jährige Tätigkeit auszusprechen. Eines macht sie besonders stolz: Dresdens amtierender OB Dirk Hilbert (FDP), den sie im Wahlkampf aktiv unterstützt hatte, wird ein Grußwort sprechen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.09.2015

Christin Grödel

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