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Möbel-Design aus Dresden - Beton für das Wohnzimmer

Möbel-Design aus Dresden - Beton für das Wohnzimmer

Wie ein Sprinter vor dem Start, die Arme vorn aufgestützt, die Beine kraftvoll angewinkelt, jeden Moment bereit - so steht der glänzende graue Sessel in dem karg eingerichteten Atelier in einer alten Industriehalle.

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Architekt Mark Offermann (l) und Produktdesigner Knut Krowas der Dresdner Designfirma Paulsberg sitzen auf ihren aus Beton gefertigten Clubsesseln «Spurt» vor dem Couchtisch «Fruits» in ihrem Studio in Dresden.

Quelle: dpa

„Von der Silhouette eines muskulösen Sportlers haben wir uns bei unserem ersten Stück inspirieren lassen", erzählt Mark Offermann, einer der drei Inhaber der Dresdner Designfirma Paulsberg.

Dynamisch und kraftvoll soll der Sessel „Spurt" daherkommen. Nicht unbedingt das, was die meisten Menschen bisher mit Beton verbinden. Doch die drei jungen Dresdner haben einen ganz neuen Werkstoff für sich entdeckt - den sogenannten Textilbeton, der an der TU Dresden entwickelt wurde.

Nach eigenen Angaben sind Paulsberg die ersten weltweit, die das eigentlich auf dem Bau verwendete Material nutzen, um daraus Möbel herzustellen. Dafür entwickelten sie ein spezielles Verfahren: Die Designer verwenden stabile und biegsame Carbon-Netze, auf die eine nur etwa fünf Millimeter dünne Schicht von speziellem Feinbeton gegossen wird.

„Das ist genauso stabil, aber viel leichter", erklärt Offermann. Mehrere Schichten der Carbon-Beton-Mischung kommen in eine Schalungsform, dann muss das Möbelstück drei Wochen aushärten. Zum Schluss wird die Oberseite poliert und gewachst, dann sind Sessel und Couchtisch fertig. Klobig, schwer und kantig - so sehen bisher die meisten Betonmöbel aus. „Das wollten wir ändern", erzählt Offermann. Die Designer-Möbel wirken kühl, glatt und filigran. Und obwohl identisch angemischt, hat jedes Stück eine ganz eigene Struktur. „Es wirkt wie ein künstlicher Stein, das fasziniert mich."

Die beiden Kreativen, Produktdesiger Knut Krowas (30) und Architekt Mark Offermann (30), fertigen jedes Möbelstück in Handarbeit. Der Dritte im Bund, Betriebswirt Lars Schmieder (31), kümmert sich um die laufenden Geschäfte der jungen Firma, die in diesem Sommer gegründet wurde. Als Namensgeber dient ein Radebeuler Weinberg - dort saßen die Freunde schon vorher nächtelang zusammen und tüftelten an ihren Projekten.

Und sie hoffen auf das richtige Gespür, denn Beton gilt als neuer Trend in Sachen Möbel. Puristen stehen auf die schlichte Eleganz. „Es gibt Leute, die mögen es kuschelig und Leute, die mögen diese karge, kühle Ästhetik". Noch aber ist die Mehrheit eher skeptisch, erzählt Offermann. Die meisten würden Beton eben nur vom Straßen- und Brückenbau kennen.

Zwar gebe es jede Woche eine Handvoll Anfragen. Bisher sei die Schar der Käufer aber überschaubar. „Es sind vor allem Privatkunden, die unsere Sachen spannend finden", sagt Offermann. Wer sich Betonmöbel in die Wohnung stellen möchte, muss keine Angst haben, dass der Boden unter der Last zusammenbricht: Der Sessel wiegt gerade einmal 30 Kilogramm, der Couchtisch 50 Kilogramm.

Für ihre Entwicklung haben die drei Dresdner bereits den „Material Trends Award" vom Internationalen Forum Design erhalten. Die speziell entwickelte Bautechnik ermögliche enorme Stabilität und zugleich eine filigrane Bauweise, hieß es zur Begründung.

Für Juror und Designer Aart van Bezooyen liegt die Faszination auf der Hand: „Ein Plastikstuhl ist vergänglich, aber ein Betonsessel bleibt, vielleicht sogar für Generationen." Auch wenn es seit zwei bis drei Jahren Betonmöbel auf dem Markt gebe, seien sie dennoch etwas Besonderes. „Die Kunst ist, aus dem schweren Stoff Beton etwas Filigranes herzustellen", betont van Bezooyen.

Im nächsten Jahr will Paulsberg auch Hotels und Unternehmen „erobern", sich auf Messen in Deutschland und in Mailand zeigen, um mehr Menschen vom Beton zu überzeugen. Offermann sagt: „Man muss es einfach erleben und anfassen, um die Faszination zu spüren."

Christiane Raatz, dpa

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