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Modeatelier statt Klinik - Neuanfang mit Mitte 30

Modeschule Modeatelier statt Klinik - Neuanfang mit Mitte 30

Über Jahre hat sie auf einer Intensivstation Menschen umsorgt, manche dem Tod näher als dem Leben. Mode ist dort kein Thema - für Katja Fietz aber Lebenstraum seit der Kindheit.

Quelle: dpa

Stoffe sind ihre Leidenschaft seit sie denken kann. „Das hat mich schon immer fasziniert“, sagt Katja Fietz und streicht fast andächtig über die edle Seide des Abendkleides. Es schmiegt sich an eine der Figuren, die in der fünften Etage der Fachhochschule Dresden aufgestellt sind. Auf einem Kleiderständer wecken Fietz‘ jüngste Kreationen eher Assoziationen zu „Star Wars“. „Meine Semesterabschlusskollektion zum Thema Fechtsport“, erklärt die gebürtige Neubrandenburgerin.

Die Jumpsuits, Hosen und Oberteile aus Schaumstoff nehmen sich wie Exoten aus - fast wie ihre Schöpferin unter ihren Kommilitonen, die alle um die 20 sind. Aber die 37-Jährige hat schon eine Berufskarriere hinter sich: Rettungsdienst, Lehrschwester und Schwester auf der Intensivstation der Dresdner Universitätsklinik. Vor gut zwei Jahren dann machte sie einen Cut: „Jetzt oder nie“, beschreibt die zierliche Brünette den Entschluss, ihr bisheriges Leben umzukrempeln - und ihren Traum wahr zu machen: Modedesign.

Keine einfache Branche - immerhin gibt es bundesweit allein mehr als 83 Modeschulen, die jährlich Nachwuchs in die Branche entlassen. Der Seiteneinstieg ist dabei aber nicht selten. „Das kommt immer wieder vor“, sagt eine Sprecherin des Deutschen Mode-Instituts (DMI) in Köln. Aber der Weg zum Erfolg sei schwierig, die Konkurrenz groß und der Markt werde kleiner. „Man braucht ein gutes Konzept, viel Glück, Fleiß und Energie - und bestenfalls die richtigen Kontakte.“

Inzwischen macht Fietz nur noch Nachtdienst auf Station, um ihr Studium zu finanzieren. Schon als Kind hatte sie ein Faible für Stoffe und Knöpfe, brachte sich das Nähen selbst bei, erzählt sie. Per Hand kreierte sie als Achtjährige die ersten Stücke, mit 15 kauft sie sich eine Nähmaschine. „Anfangs hab‘ ich nur für mich genäht, dann auch für Freunde.“ Irgendwann interessiert sie sich für die Historie und schneidert mittelalterliche und barocke Gewänder, die sie dann auch privat trägt.

„Durch die Beschäftigung mit den alten Schnitten, Stoffen und deren Verarbeitung habe ich für moderne Kreationen gelernt und das Gefühl für Stoffe bekommen.“ Zwischen 2009 und 2012 designte und nähte sie für die Autorin der „Hebamme“-Romane, Sabine Ebert, mehrere Bühnenoutfits in Anlehnung an das 12., 13. und 18. Jahrhundert. „Die Kleidung auf den Buchcovern ist von mir“, sagt Fietz leise.

Schon wenn sie einen Stoff sehe, habe sie viele Ideen für die Verarbeitung. „Es ist der Stoff an sich, das Muster, wie er sich anfühlt - da spielt sich viel im Kopf ab.“ Die Vorliebe für geometrische Formen, das Konstruktive sieht man ihren Entwürfen an, „aber es muss tragbar sein.“ Die Kreationen von Katja Fietz tragen das Label WOMBLU.

Der Schritt zum Modedesign-Studium und damit einem Neuanfang mit 35 Jahren fiel ihr nicht leicht. „Es ist ja ein Bruch vom zutiefst bodenständigen zu einem höchst extrovertierten Beruf“, beschreibt sie. „Die Begegnung mit Leid und Heilung sind etwas Elementares, Mode dagegen ist etwas Lapidares.“ Aber Glück sei eben auch ein elementarer Teil des Lebens. Und das fühle sie, wenn sie etwas am Kleidungsstück tut. In anderthalb Jahren will sie richtig loslegen im „Haifischbecken“ Modewelt.  

Ihre Intermezzi auf der Intensivstation möchte sie vorerst trotzdem nicht missen, auch wenn die Doppelbelastung spürbar ist: „Es tut ganz gut, zwischendrin immer wieder mit richtigen Problemen konfrontiert zu sein.“

Simona Block, dpa

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