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Mit dem Fahrrad ins Fünf-Sterne-Hotel

Kurzurlaub in der eigenen Stadt Mit dem Fahrrad ins Fünf-Sterne-Hotel

DNN-Mitarbeiterin probierte sich am Konzept „Urlaub in der eigenen Stadt“ aus und wechselte für eine Nacht das Schlafdomizil, um der sächsischen Landeshauptstadt einmal von einer anderen Seite zu begegnen. Das „Bülow Palais“ im Dresdner Barockviertel war das Ziel des Kurzurlaubs.

Einmal Urlaub in der eigenen Stadt erleben – DNN-Mitarbeiterin nächtigte in einem Fünf-Sterne-Hotel.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Mit dem Wort „Urlaub“ verbinden wohl die meisten Menschen Sonne, Strand und Palmen. Oder Berge, Holzhütten und Natur. Es ruft die Erinnerung an pure Entspannung hervor und dem Wunsch, einfach mal alle Viere von sich zu lassen. Viele vergessen dabei, auch Deutschland oder sogar die eigene Stadt als Urlaubsziel in Erwägung zu ziehen. Doch genau das wollte ich ausprobieren. Kann man denn eigentlich Urlaub in der eigenen Stadt machen? Da, wo man lebt und arbeitet. Da, wo gute und schlechte Erinnerungen verschiedenste Orte behaften. Als Fast-Dresdnerin wechselte ich mein Bett für eine Nacht gegen ein Fünf-Sterne-Schlafdomizil und entdeckte, was Urlaub in der Wahlheimat bedeuten kann.

An einem Freitagabend fahre ich mit dem Fahrrad in Richtung Urlaubsziel für einen Tag – eine lange Anreise mit nervigen Wartezeiten habe ich mir also in der eigenen Stadt schon einmal erspart. An der Dreikönigskirche, die romantisch und verträumt im schummrigen Licht steht, mache ich Halt und bin am Ziel angekommen: das Fünf-Sterne-Hotel „Bülow Palais“ in der Königstraße. Zugegeben, bisher habe ich nur in Hotels mit bis zu drei Sternen geschlafen – ein Superior-Domizil wird also eine gänzlich neue Erfahrung für mich. Mit historischer Fassade prangt es inmitten des Barockviertels und als ich mein Fahrrad anschließe, macht sich eine gewisse Ehrfurcht bei mir breit. Fünf Sterne – Da übernachten doch nur die Reichen und Schönen. Den Zimmerpreis ab 125 Euro pro Nacht kann oder will sich Otto Normalverbraucher meist nicht leisten.

Nach dem Check-In und einem Begrüßungssekt nenne ich ein Komfort & Deluxe Zimmer mein Eigen. Mit einer Chipkarte ausgerüstet, werde ich von einem Mitarbeiter durch einen Gang meinem Urlaubsdomizil auf Zeit begleitet. Neugierig stecke ich den Kopf durch die Tür als wäre ich auf einer Abenteuerreise und nicht in der eigenen Stadt. Das Zimmer strahlt vor allem Ruhe aus. Große Vorhänge, indirektes Licht und alles in warmen Orange- und Gelbtönen dekoriert. Im vorderen Bereich steht ein Glastisch, umrundet von einem Divan und drei Stühlen. Ein schriftlicher Willkommensgruß liegt daneben.

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Impressionen aus dem „Bülow Palais“ im Dresdner Barockviertel. Dort nächtigte eine DNN-Mitarbeiterin, um die Idee vom Urlaub in der eigenen Stadt auszuprobieren.

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Weiter auf Entdeckungstour: In dem Eckzimmer befindet sich direkt neben der Sitzecke ein großer Schreibtisch. Am anderen Ende des Zimmer prangt ein riesiges Doppelbett. Erfasst von dieser Schönheit, werden die Gedanken über Bord geworfen und das Kindsein zugelassen. Auf dem Bett hüpfend, beginnt dieser Urlaub wie zu Kindertagen. Ein Raum fehlt noch auf der Besichtigungstour durch das Urlaubsdomizil: das Bad. Und es ist wie erwartet ein großer Unterschied zur heimischen Nasszelle. Braune Marmorfliesen, zwei Waschbecken, eine große Badewanne und eine noch viel größere Standdusche, in der wahrscheinlich fünf Personen Platz hätten. Ein separates WC. So lässt sich’s leben.

Die sieben Sachen im Zimmer verstreut, soll der Urlaub in der eigenen Stadt nun vollends beginnen. Erst einmal geht es in die rustikal und im Wohnzimmerstil eingerichtete Cigar Lounge, die an das Restaurant „Caroussel“ angegliedert ist. Ganz im Entspannungsmodus nehme ich vor allem die Bedienung als sehr angenehm wahr. Dezent zurückhaltend wartet das Personal, bis man ihnen einen Blick schenkt und ist auch dann sehr diskret. Ich hatte befürchtet, dass in einem Fünf-Sterne-Hotel eher überkandideltes Verhalten auf der Tagesordnung steht – eher im Gegenteil, wie ich erfahren durfte.

Nach einem Drink gehe ich zum Freitagabend noch mit Freunden aus. Der Urlaub in der eigenen Stadt gefällt mir immer mehr. Neben der langen Anreise, die wegfiel, kenne ich die Stadt schon. Kein verirrendes Laufen mit der Stadtkarte unter dem Arm und Fragezeichen im Gesicht. Keine Aufregung, ob denn die Straßenbahn mich tatsächlich an mein gewünschtes Ziel bringt. Keine Frage, ob denn das Restaurant wirklich gut ist oder ob das nur vom Stadtführer so angepriesen wird. Ohne diese ganze Aufregung kann man den Urlaub tatsächlich entspannt antreten.

Nach einem geselligen Abend kehre ich zurück in das neue Heim auf Zeit. An der Rezeption muss ich ein Problem klären, denn ich habe mein Handyladegerät vergessen. Natürlich habe ich als Frau sämtlichen Kram dabei, nur eben das Wichtigste nicht. Doch da kann mir geholfen werden – gleich mehrere Ladegeräte für verschiedene Handytypen werden an der Rezeption auf Vorrat gehalten. Überrascht ziehe ich mit dem passenden Gerät von dannen. Der Gast ist König – und wenn es nur um ein solch kleines Gerät geht, das mir in diesem Moment weiterhilft. Ich dachte immer, in einem solchen Hotel wird dem Gast jeder Wunsch von den Lippen abgelesen. Doch das ist gar nicht das Ziel, sondern es ist eher die Sicherheit, dass alles möglich gemacht werden kann. Egal welches Problem auftaucht, was auch immer man braucht oder zu brauchen denkt – die Mitarbeiter werden alle Hebel in Bewegung setzen, um das geschehen zu machen. Und auch wenn ich dieses Angebot während meines Aufenthaltes außer des Ladekabels nicht nutzen werde, ist es doch ein gutes Gefühl.

Nach einem tiefen Schlaf auf den weichen Matratzen und in der Ruhe des Barockviertels, liegt eine aktuelle Tageszeitung mit der heutigen Wetteraussicht vor meiner Tür. Eine Geste, die mich Schmunzeln lässt und liebevoll an das Gefühl von Zuhause erinnern lässt. Ohne Hast schlendere ich zum Frühstück. Es duftet bereits im Gang nach Kaffee. Der Frühstückssaal ist liebevoll eingerichtet und es herrscht eine angenehme Ruhe. Wieder sind die Mitarbeitern diskret zurückhaltend und strahlen eine gewisse Ruhe aus, die sehr gut tut. Das Buffet ist mit allerlei Leckereien befüllt – bei der Auswahl müsste für jeden Geschmack etwas dabei sein. Fast verträumt genieße ich den Aufenthalt, der Tag beginnt entspannt und ruhig.

Im morgendlichen Tran habe ich mir vorgenommen, auch den Fitness- und Saunabereich in meinem Kurzurlaub zu nutzen. In der obersten Etage des Fünf-Sterne-Hotels befinden sich die beiden Bereiche für das eigene Wohlbefinden. Mit Sportsachen und Bademantel ausgerüstet betrete ich die Etage, in der es angenehm nach Massageöl und Saunadämpfen riecht. Doch zuerst die Arbeit und dann das Vergnügen. In einem kleinen, hellen Raum befinden sich fünf Sportgeräte sowie eine Auswahl an Hanteln. Die Sporteinheit wird anschließend mit einem Gang in die Sauna belohnt, um die angestrengten Muskeln ausgiebig zu entspannen. Auch hier kann man die Ruhe genießen, die Mitarbeiter schweben fast unbemerkt an einem vorbei. Nach der Entspannung ist mein Kurzurlaub im „Bülow Palais“ beendet. Ein neuer Tag wartet darauf, genutzt zu werden.

Der Urlaub in der eigenen Stadt kann sehr angenehm und wirklich entspannend sein. Vor allem für Dresdner, die ihre Stadt gern noch einmal von einer anderen Seiten kennenlernen wollen, ist das eine gute Gelegenheit. Man stolpert nicht blind durch verwirrende Straßen, denn man kennt die Stadt mit ihren Gebäuden, Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten bereits. Man kann die Ruhe, die die eigene Stadt ausstrahlt, genießen und neue Seiten an der Wahlheimat kennenlernen. Vielleicht wird dem Reisenden dann auch in aller Gänze bewusst, wie schön Dresden eigentlich ist und wie viel es zu bieten hat. Allerdings fehlt damit auch der Reiz, den man verspürt, wenn man fremde Städte neu kennenlernt.

Von Juliane Just

Dresden, Königstraße 14 51.0609399 13.7418597
Dresden, Königstraße 14
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