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Michael Wolf schneiderte die Kostüme für die Darsteller von "Grand Budapest Hotel"

Michael Wolf schneiderte die Kostüme für die Darsteller von "Grand Budapest Hotel"

Kurz vor drei Uhr in der Nacht von Sonntag zu Montag stand im Dolby Theatre in Hollywood fest: Die Komödie "Grand Budapest Hotel" gewinnt den Oscar für das beste Kostümdesign.

Jennifer Lopez und Schauspieler Chris Pine übergaben der Kostümdesignerin Milena Canonero den begehrten Goldjungen. Einer, der während der Produktion wortwörtlich die Fäden zog und im Hintergrund arbeitete, war der Dresdner Schneider Michael Wolf. Der 28-jährige nähte den Darstellern des prämierten Films die Kostüme auf den Leib.

Es war ein normaler Abend mit Freunden im Herbst 2012, als bei Michael Wolf das Telefon klingelte. Am anderen Ende der Leitung war eine Produktionsassistentin, die dem Schneider einen Job für eine Produktion in Görlitz anbot. "Ich dachte erst, das wäre ein Scherz", erinnert sich Wolf. "Im Internet las ich, dass zu dieser Zeit eine Kinoproduktion in Görlitz geplant war - da sagt man nicht nein". Bei besagter Produktion handelte es sich nicht nur um irgendeinen Streifen, sondern um den mehrfach ausgezeichneten Kinofilm "Grand Budapest Hotel" vom amerikanischen Regisseur Wes Anderson. "Da macht man sieben Jahre lang dieselbe kontinuierlich gute Arbeit und von einem Tag zum anderen ändert sich alles", findet der Schneider.

Über drei Monate lang arbeitete Michael Wolf am Set mit seinem Team in Görlitz und fertigte für die Crème de la Crème der Hollywoodmaschinerie maßgeschneiderte Kostüme. Ein Full-Time-Job. "Das Team der Schneider wurde zwar fürstlich bezahlt, aber dafür hatten wir auch drei Monate kein Privatleben. Manchmal mussten Sachen ganz schnell entstehen, wie zum Beispiel ein Schlafanzug für Ralph Fiennes". Wolf kleidete außerdem Owen Wilson, Anthony Quinonez und keine geringere als Oscar-Gewinnerin Tilda Swinton ein. "Tilda war wirklich niedlich. Sie war total lieb und man könnte fast sagen handzahm. Oftmals haben Stars ja Allüren, aber wir wurden von allen gut behandelt", erzählt Wolf. Das Aufgebot an Hollywood-Größen ließ ihn weitestgehend kalt - nervös wurde er nur bei Jeff Goldblum. "Der hat mich nachhaltig beeinflusst."

Michael Wolfs Steckenpferd sind historische Kostüme und Varieté - er achtet besonders darauf, dass alles originalgetreu gefertigt ist. In seinem Atelier in Pieschen funkelt eine hiesige Sammlung alter Schmuckstücke ausgefallener Hüte, Stoffmuster und alter Kostüme. Momentan arbeitet er an Sonderanfertigungen für Stücke im Dresdner Boulevardtheater. Wolf wurde bisher auch schon für "Monuments Men" und "Die Bücherdiebin" gebucht.

Die Nacht der Oscar-Verleihung hat der 28-Jährige übrigens vor Erschöpfung verschlafen. "Ich habe mich extra wachgehalten und die Verleihung im Fernsehen geschaut, kurz vor der Preisvergabe für das beste Kostümdesign bin ich eingeschlafen", erzählt er und lacht. "Aber dafür gibt es ja Youtube. Ich habe das dann am nächsten Tag nachgeholt."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.02.2015

Juliane Weigt

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