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Maskenbildner: Künstler hinter den Kulissen

Maskenbildner: Künstler hinter den Kulissen

Sie verwandeln Schauspieler in monströse Gestalten, barocke Persönlichkeiten oder lassen sie 20 Kilogramm schwerer aussehen: Maskenbildner sind ein wichtiger Bestandteil für Theater, Film und Fernsehen.

Hinter den Kulissen vollbringen sie wahre Kunstwerke, die der Zuschauer im ersten Moment nicht würdigt, die Handlung hat schließlich Priorität. Dennoch wären alle Nachrichtenmagazine, Horrorfilme oder Theaterstücke ohne die Frauen und Männer hinter dem Vorhang gar nicht möglich.

Erlernen kann man den Beruf des Maskenbildners an drei Berufschulen, an der Theaterakademie in München oder in Dresden an der Hochschule für bildende Künste (HfbK). Hier erlangen die Studenten im Rahmen einer vierjährigen Ausbildung das Diplom. Jährlich werden gerade mal zehn Studenten aufgenommen, die vor der Zulassung einen dreitägigen Eignungstest durchlaufen müssen. Weitere Voraussetzungen für einen Studienplatz sind das Abitur und ein fünfmonatiges Praktikum am Theater. Haben es die Bewerber dann geschafft, erwartet sie ein straffer und umfassender Lehrplan.

Der Beruf beinhaltet mehr als nur Schminken

"Der Beruf des Maskenbildner hat sich in den vergangenen 20 Jahren enorm weiterentwickelt. Als Einsatzgebiet gibt es nicht nur noch das Theater", erklärt Verena Martin, Bereichsleiterin des Studiengangs. So können die Absolventen weiterhin zum Film, Fernsehen oder in die Richtung Special Effects gehen. "Einmal im Semester fahren wir deshalb mit unseren Studenten nach Leipzig zum MDR, damit die dortige Chefmaskenbildnerin, den jungen Leuten die Besonderheiten beim Fernsehen erklärt", berichtet Martin. Doch neben diesen praktischen Exkursionen stehen auch noch Theater- und Kunstgeschichte, Anatomie, bildnerische Grundlagen, Frisieren, Kaschieren und Schminken sowie Philosophie, Stilkunde und Kostümgeschichte auf dem Lehrplan. "Die Studenten müssen auf alle Eventualitäten vorbereitet werden, denn der Beruf umfasst nicht nur das Schminken der Darsteller", so die Bereichsleiterin.

Mit den komplexen Aufgabenfeldern der Maskenbildner ist auch Katrin Westerhausen vertraut, die seit 1998 als Selbstständige in diesem Bereich arbeitet. Ursprünglich kommt die 46-jährige vom Theater, war zwei Jahre Chefmaskenbildnerin am Volkstheater Rostock und drei Jahre am Schauspielhaus Chemnitz. Auch sie studierte an der HfbK Maskenbild, absolvierte vorher ein Volontariat am Schauspielhaus Dresden.

Mittlerweile hat sie sich auf den Bereich Film und Fernsehen spezialisiert. "Hier werden auch die meisten Maskenbildner gebraucht. Sämtliche Theater haben ihr festes Team und stellen selten jemand Neues fest an", erklärt Westerhausen. Am liebsten arbeitet sie bei historischen Filmen mit, denn so lernt sie selbst noch vieles dazu. "So ein Job ist auch anspruchsvoller als eine Gegenwarts-Liebeskomödie", so die Dresdnerin. Zu ihren erfolgreich abgeschlossenen Projekten gehört beispielsweise der Dokumentarmehrteiler "Friedrich - ein deutscher König", der Kinofilm "Die Gräfin" oder "The Ghostwriter". "Wenn man ein Drehbuch für einen historischen Film bekommt, muss man sich in die Zeit hineinlesen und sich selbst das Wissen über die damaligen Begebenheiten aneignen", so Westerhausen. Dies macht sie gern, denn geschichtlich ist sie sehr interessiert. Gelegentlich streitet sie dann auch mal mit dem Regisseur. "Nehmen wir zum Beispiel die großen weißen Frisuren, die der Adel meistens in den barocken Filmen trägt. Das war damals gar nicht so, die Haare hatten eher einen hellen Gelbton", erklärt die Maskenbildnerin. Diskussionen mit dem Regisseur gibt es zudem bei einigen Drehbuch-Informationen. "Jedes Teammitglied liest das Drehbuch anders. Wenn zum Beispiel ein Satz auftaucht, der dem Leser sagt, dass gerade Köln brennt, ist das für mich absolut uninteressant. Die Leute vom Special Effect schlagen aber die Hände über dem Kopf zusammen", berichtet die 46-jährige. Für sie sind eher Informationen wie "drei Monate später wiegt der Hauptdarsteller 20 Kilogramm mehr" von Bedeutung. "So ein winzig kleiner Satz bedeutet einen riesen Aufwand", erklärt Westerhausen.

Die Schattenseite der schillernden Theaterwelt

Doch trotz aller Herausforderungen liebt sie ihren Job, weist aber daraufhin, dass er nicht einfach ist. Grund: früher waren viele Maskenbildner fest angestellt, es gab nur wenig Selbstständige oder freie Maskenbildner.Heute hat sich das geändert, immer mehr Absolventen müssen in die Freiberuflichkeit gehen. "Dann sollte man sich im Klaren sein, dass Feiertage wie Ostern und Weihnachten die Hauptarbeitszeit sind. Da kann man nicht gemütlich mit der Familie feiern", so Westerhausen. Zusätzlich ist man ständig unterwegs - vor allem beim Film und Fernsehen. "Dresden ist eine der filmtotesten Städte, die ich kenne. Hier wird selten gedreht", stellt die 46-jährige klar. Deswegen ist es für sie bereits Luxus, wenn sie in ihrem eigenen Bett schlafen kann.

Auch die HfbK ist sich den Schwierigkeiten, die auf die Absolventen warten, bewusst. Deshalb gibt es mittlerweile einen Career-Service an der Hochschule, der den Studenten alles zum Thema Steuern, Versicherung und Marketing erklärt. Der Beruf des Maskenbildner erscheint zwar im ersten Moment als ein buntes und vielfältiges Feld, kann aber auch extrem anstrengend sein, wie Katrin Westerhausen weiß: "50 Prozent der Arbeiten sind Bärte knüpfen und Perücken anfertigen. Ich habe beispielsweise an einer meiner Perücke ganze 100 Stunden gearbeitet. Man braucht also viel Geduld und sollte sich genau überlegen, ob einem diese Arbeit liegt."

Nadine Steinmann

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